Tag der offenen Tür in der Clownschule

Die Perlen von Lorsbach

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Zweieinhalb Jahre nach ihrem Umzug von Mainz nach Lorsbach hat die Clownschule „das Lorsbacher Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft“, wie Schulleiter Michael Stuhlmiller es formulierte. Beim Tag der offenen Tür am Sonntag konnten Besucher erleben, wie es in einer Clownschule zugeht und dass es dort wahre Perlen zu entdecken gibt.

Experten reisen hunderte von Kilometer weit, um den amerikanischen Clown und Varieté-Regisseur Peter Shub zu erleben. Die Lorsbacher hatten ihn gerade vor ein paar Wochen mit seinem Soloabend vor der Haustür. Es gibt indes noch mehr Perlen, die die Clownschule in ihrem Theater zu bieten hat. Das Theater soll noch öfter genutzt werden, kündigt die Schule an. Bernd Lafrenz war gerade da und könnte den Anstoß für eine Gaukler-Shakespeares-Reihe in Lorsbach geben, wie der Schulleiter Michael Stuhlmiller in Aussicht stellt.

Es sind aber nicht nur die großen Namen, die locken, auch die 60 Schüler in Voll- und Teilzeitausbildung zum Clown hinterlassen Eindruck. Zum Beispiel bei dem Senior, der sich am Sonntag zielsicher an der Schulleiter wendet: „Sagen Sie mal, ich habe da bei Ihnen einen gesehen, der auf der Stelle geht, aber nicht von der Stelle kommt. Dafür sieht es aus, als würde er eine Treppe runtergehen. Ich habe das probiert, aber ich bekomme es nicht hin. Können Sie mir sagen, wie das geht?“ Sagen, wie es geht, ist das Eine, aber machen? Kein Problem: Am Tag der offenen Tür war Workshop-Zeit, da konnte der Interessent das gleich ausprobieren. Da konnten Besucher gleich lernen, warum es Jahre dauert, bis man ein Clown ist.

Im kleinen Probenraum führen die Schüler Mario Schillinger, Lea Kramer und Paul Franzen die Gäste – Kinder wie Erwachsene – mit Pantomime in abenteuerliche Geschichten: „Einer läuft voran, und die anderen laufen ihm nach und machen, was er tut“, so die Anweisung. So geht es mit Lea Kramer vorneweg mitten hinein in einen Hindernisparcours– über Stangen und Steine, um Ecken herum. Die Teilnehmer tauchen in die Phantasie ein und nehmen die Zuschauer gedanklich mit. Fast meint man, die Hindernisse zu sehen. Lea Kramer rutscht auf dem Weg bäuchlings auf den Boden: „Das ist eine sehr niedrige Tür“, erklärt sie und quetscht sich scheinbar unter dem Türschlitz durch. Die anderen folgen, manch einer flutsch elegant unter der Tür hindurch, ein anderer stößt sich den Kopf, die nächste lässt sich von Lea ziehen. Die Illusion ist perfekt, bis ein süßer Hund, den die Anweisung nicht kratzt, dort hindurchläuft, wo eigentlich die Tür ist und extra Lacher provoziert: Anarchie auf vier Beinen.

Die Teilnehmer des Pantomimeworkshops kommen an einem Lagerfeuer an, wärmen sich die Hände, grillen Marshmallows und fast meint man, ob des Pantomimenspiels, das Gegrillte zu riechen – doch das ist der Duft der Bratwürstchen, die ein Herr mit roter Nase am Eingang der Clownschule brät.

Im Jonglier-Workshop freunden sich Kinder dank Anleitung mit hüpfenden Bällen an und lernen schnell, mit ihnen umzugehen, während Papas daran verzweifeln, Teller auf langen Holzstangen rotieren zu lassen. „Wer hat Lust auf einen Crash-Clown-Kurs?“, ruft es in den Raum. Im großen Saal leitet der Chef der Schule selbst ein paar Übungen an. Es geht um nichts, außer ums Spaßhaben.

Erstes Spiel: die Zwillinge. Einer macht, was der andere macht. Die Spielduos kichern. Es folgt das Spiel der Komplizen: Einer führt die Bewegung fort, die der andere begonnen hat, heraus kommen Geschichten, mit denen niemand gerechnet hat. Ein Geheimnis des Clowns: Er stellt nicht in Frage, er nimmt an, was man ihm sagt, alles ist ein Angebot, aus dem etwas entstehen kann. Auch das große Ding in der Mitte des Saals, von dem Stuhlmiller spricht. Schnell wird das große dicke Ding mit vereinten Kräften zusammengedrückt, „dann heben wir es hoch und hängen es oben am Himmel auf, damit alle Lorsbacher sehen, dass hier eine Clownschule ist“, so räumt Michael Stuhlmiller den Saal für die folgenden Kindertheater-Show frei.

Zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung in Lorsbach kommen die Besucher und Schüler der Clownschule weiterhin aus der gesamten Region, auch viele Mainzer sind darunter, die der Schule gefolgt sind. In Mainz residierte die Schule 18 Jahre lang. Nur Lorsbacher könnten noch mehr kommen, findet Stuhlmiller. Auch am Tag der offenen Tür war es lange nicht so voll, wie im vergangenen Jahr, das regnerische Wetter sei wohl schuld.

Insgesamt aber liege die Schule im Aufwärtstrend. „Generell kann man sagen, ist das Interesse an Clowns und Humor unglaublich gestiegen“, so Stuhlmiller. Er liest diesen Trend auch am wachsenden Interesse an Seminaren und Workshops ab, die Clowneske und Kommunikation miteinander verbinden, „wo es um den Aspekt des Humors als Führungsqualität geht“. Deshalb schreibt Stuhlmiller aktuell auch an einem Buch zu genau diesem Thema, das im kommenden Jahr erscheinen soll, berichtet er.

Aktuell kann man sich noch für die Vollzeitausbildung zum Clown bewerben, die im August beginnt und drei Jahre dauert. Was die Clowns in der Ausbildung lernen, das kann man sehen am Sonntag, 14. Juni, 18 Uhr, in der Show der Absolventen der berufsbegleitenden Ausbildung sowie am Freitag, 26. Juni, 20 Uhr, in der Show der Vollzeitabsolventen im zweiten Ausbildungsjahr sowie am 27. Mai von 20 Uhr bei der regelmäßigen Mittwochsbühne.

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