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Bereits als Kind wollte Hartmut Wunderlich bei der Bahn arbeiten. Auch wenn er viel Freude an seinem Beruf hat, weiß der Triebwagenführer, dass es Schattenseiten gibt ? zum Beispiel die Arbeitszeiten. Die Familie muss da manchmal hinten anstehen.

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Personalmangel bei der HLB: „Ich würde wieder Lokführer werden“

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Zugfahrten fallen aus wegen Krankheitsfällen und Personalmangel. Auch die Hessische Landesbahn (HLB) ist davon betroffen. Wir sind von Höchst nach Königstein gefahren und haben mit Lokführer Hartmut Wunderlich gesprochen.

„Nicht den ganzen Tag im Büro sitzen zu müssen, das ist einfach schön“, erzählt Lokführer Hartmut Wunderlich während er den Zug, Typ LINT 41, aus dem Höchster Bahnhof steuert. Der 53-Jährige arbeitet seit über dreißig Jahren für die Hessische Landesbahn (HLB). „Ich wollte eigentlich schon immer Lokführer werden. 1981 habe ich bei der Deutschen Bundesbahn angefangen.“

Vom Frankfurter Hauptbahnhof aus führt ihn seine Standardfahrtstrecke mit der Regionalbahn 12 über Höchst, Unterliederbach, Liederbach und Kelkheim bis nach Königstein. „Bis Kelkheim ist es eine Vorort-Bahnstrecke, danach sieht es eher ländlich aus. Es stehen Hühner und Kühe auf der Weide. Ein Traktor fährt übers Feld.“ Dieser Eindruck lässt sich auch auf die Fahrtgeschwindigkeit übertragen: „Vom Hauptbahnhof bis Höchst fahre ich 100 Kilometer pro Stunde, dann bis Kelkheim 80 und schließlich bis zur Endstation in Königstein nur noch 60 Kilometer die Stunde“, berichtet der 53-Jährige, während er den Zug durch den „schönsten Streckenabschnitt“ hinter dem Bahnhof Hornau lenkt. Eigentlich könnte der Zug 120 Kilometer die Stunde fahren, „doch der Fahrplan gibt nur 100 her.“

Auf der Fahrt hat Hartmut Wunderlich einiges zu tun: „Ich muss genau auf die Signale am Bahnhof achten, aber auch das Fahrzeug selbst gibt mir immer wieder Zeichen, die ich im Blick haben muss.“ Außerdem muss er alle 25 Sekunden das Pedal unter seinem linken Fuß loslassen.

„Wenn ich das mal versäume, wird eine kontrollierte Bremsung des Zuges eingeleitet“, berichtet er. Das ist eine Sicherheitsvorkehrung, falls der Triebwagenführer während der Fahrt beispielsweise das Bewusstsein verliert. Lokführer tragen viel Verantwortung.

Doch was macht ein Lokführer noch, außer die Bahn zu fahren? „Wir überprüfen vor Fahrtantritt den Zug, ob es Mängel gibt. Außerdem tanken wir nach Dienstende neuen Diesel nach.“ Weiter gehörten regelmäßige Aus- und Weiterbildungen, Übungen zum Regelwerk und der Fahrzeugtechnik und Training im Fahrsimulator dazu.

„Ich würde immer wieder Lokführer werden. Bereits als Kind wollte ich bei der Bahn arbeiten.“ Auch wenn er viel Freude an seinem Beruf hat, weiß er, dass es Schattenseiten gibt. „Die Arbeitszeiten sind schwierig, denn die Bahn fährt nunmal 365 Tage im Jahr.“ Auch an Wochenenden, Feiertagen und bis spät abends sind Lokführer unterwegs. „Wir sind dafür da, dass andere Menschen mobil sind, da steht die Familie doch mal hinten an.“

Auch Unfälle gehörten zum Berufsrisiko. Dennoch ist er gerne Triebwagenführer: „Das Arbeiten mit großen Maschinen mag ich sehr. Auch die große Verantwortung gefällt mir und die Bezahlung ist nicht schlecht.“ Außerdem seien die Strecken sehr schön. „Das Lahntal ist mein Favorit. Wenn man morgens die Lahn entlang fährt und da sind nur der Fluss und der Zug. Einfach schön.“

Wunderlich ist heute seit kurz vor fünf Uhr im Einsatz. „In einer Schicht fahre ich vier Runden, das sind etwa 200 Kilometer.“ Die kürzeste Schicht hat eine Länge von etwas über sechs Stunden. Die längste über zehn. „Die Länge richtet sich nach dem Fahrplan.“ Wöchentlich arbeitet ein Lokführer etwa 39 Stunden. „Unser Dienstplan ist 14-tägig angelegt und wiederholt sich dann. In der Regel ist jedes zweite Wochenende frei.“ Allerdings könne immer mal was dazwischen kommen. So wie es auch bei jedem einzelnen Arbeitstag sei: „Man kann nicht erwarten, auf die Minute pünktlich zu Hause zu sein.“

Was für Wunderlich die Arbeit noch ausmacht, sind die Menschen. Es sei interessant zu beobachten, welche unterschiedliche Menschen zu den verschiedenen Zeiten die Bahn nutzen. „Auch wenn ich selten direkten Kontakt zu den Fahrgästen habe, kenne ich über die Jahre schon die vielen Pendler. Ich weiß, wer morgens zu spät kommt und schaue auch immer noch ein zweites Mal, ob er nicht doch noch angerannt kommt, wenn er nicht am Bahnsteig steht.“ Für heute ist der Lokführer aus Höchst fertig. „So, Endstation. Jetzt gehe ich noch kurz ins Büro und dann geht es nach Hause“, sagt er, während er in Königstein aus der Bahn steigt.

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