Heike Schweitzer
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Heike Schweitzer

Kriminalstatistik Main-Taunus

Die Polizei lobt ihre Helfer

  • VonManfred Becht
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Fünf Bürger wurden für ihre aktive Unterstützung der Polizei gewürdigt. Einer hat das fast schon zu seinem Hobby gemacht.

Eine der sichersten Regionen Hessens sei der Main-Taunus-Kreis, freut sich Landrat Michael Cyriax. Wenn in dieser Woche die Kriminalstatistik für 2014 vorgestellt wird, gibt es dazu handfeste Zahlen, Details wurden vorab nicht verraten. Aber Jürgen Moog, noch bis Ende April Chef der Polizeidirektion Main-Taunus, weiß genau, wem die Erfolgsmeldungen mit zu verdanken sind: Aus eigener Wahrnehmung gelängen der Polizei nur wenige Festnahmen, fast immer seien es aufmerksame Bürger, die den Beamten auf die Spur der Täter brächten.

Deshalb ist es der Polizei wichtig, diese Bürger öffentlich zu belobigen. „Wir möchten, dass es nachgeahmt wird“, so Moog. Schwalbachs Bürgermeisterin Christiane Augsburger hofft, dass die Bürger auf diese Weise auch die Scheu davor verlieren, die Polizei anzurufen, wenn sie verdächtige Beobachtungen machen. Augsburger war ins Hofheimer Kreishaus gekommen, weil auch ein Schwalbacher zur Festnahme eines Einbrechers beigetragen hat.

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Harald Baer nämlich war es, der es sich im vergangenen Jahr an einem Abend kurz vor Mitternacht auf dem Sofa gemütlich gemacht hatte, als seine Hündin durch ein Geräusch aufgeschreckt wurde. Beim Blick auf das Nachbarhaus im Westring konnte er beobachten, dass dort mehrere Personen mit Taschenlampen unterwegs waren. Er verständigte die Polizei, die nach wenigen Minuten erschien und die Einbrecher noch auf der Straße ergreifen konnte.

In diesem Fall seien Streifenwagen auch aus Königstein und Höchst blitzschnell am Tatort gewesen, ergänzte Polizeidirektor Moog. „Wenn uns der Bürger informiert, muss es schnell gehen“, sagt der Polizeichef. Dies werde immer wieder auch geübt, und man sei stolz darauf, wie schnell in der Regel mehrere Wagen an Ort und Stelle seien. Wichtig war in diesem Fall aber auch der Hund. „Ohne den wäre ich nicht auf die Straße gegangen“, räumt Zeuge Baer ein, der nur so die Täter weiter hatte beobachten können.

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Rauchen ist zwar ein ungesundes Laster, half aber vor einigen Wochen in Liederbach, Baustellendiebe zu fassen. René Sulikowski war ein Lieferwagen mit zwei Männern vor einer Baustelle in der Nachbarschaft merkwürdig vorgekommen. Mit der Zigarette auf der Terrasse stehend, beobachtete er das Geschehen und veranlasste seinen Vater, die Polizei zu rufen, als einer der Männer über den Zaun auf das Grundstück sprang.

In dem Fall traf der erste Streifenwagen zwar erst ein, nachdem die Täter mit einem teuren Elektrokabel das Gelände schon wieder verlassen hatten. Da Sulikowski sich aber die Autonummer notiert hatte, konnten die Diebe wenig später gestellt werden. Moog sprach von „großer Erfahrung in Zusammenarbeit mit der Polizei“ – Sulikowski hatte vor einigen Monaten bereits geholfen, Trickbetrügern das Handwerk zu legen. Sulikowski raucht übrigens weiter und würde gerne noch herausfinden, ob sich Kreis und Polizei etwas besonderes ausdenken, sollte es für einen Bürger eine dritte Belobigung geben.

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Noch verdienstvoller als die Ergreifung eines Einbrechers ist es, ein Menschenleben zu retten, wie es die Sulzbacherin Heike Schweitzer gemacht hat. Die wunderte sich, dass bei ihrem 85-jährigen Nachbarn auch am frühen Nachmittag die Rollläden verschlossen waren; auch die immer noch an der Tür liegende Zeitung ließ den Verdacht aufkommen, etwas könne nicht in Ordnung sein. Schließlich rief sie die Polizei.

Bei deren Eintreffen war der ebenfalls alarmierte Notarzt schon da. Der stellte wenig später fest, dass der Sulzbacher erneut – Heike Schweitzer wusste von einem ersten Fall – einen Schlaganfall erlitten hatte. Ohne Hilfe wäre der Mann bald darauf gestorben, teilte der Notarzt später mit. „Leider ist es nicht immer so, dass Nachbarn sich um ihre Nachbarn kümmern“, sagte Martin Lissmann, Erster Beigeordneter der Gemeinde Sulzbach.

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Kein körperliches, eher ein psychisches Problem hat wohl ein Mann, der in Kelkheim als Exhibitionist festgenommen wurde. Zunächst einmal habe sie sich nicht übermäßig viel gedacht und sei zügig weiter gegangen, berichtete die Kelkheimer Schülerin Diana Theobald von ihrem Erlebnis in einer Straßenunterführung in der Nähe der Pestalozzischule. Dann aber habe sie an die Grundschüler gedacht, die dort ebenfalls unterwegs seien, und die Polizei angerufen.

„Einfach wegsehen geht nicht“, kommentierte Polizeichef Moog. Bei dem Täter handele es sich um einen 41-jährigen Mann aus Kelkheim, der auch in einem anderen Bundesland schon einmal aufgefallen und bestraft worden sei. Moog äußerte allerdings die Befürchtung, dass gegen diese Delikte vorbeugend nicht viel unternommen werden kann.

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Ein besonderes Erlebnis hatte die Polizei im Falle eines Einbrecherpärchens in Kelkheim. Eine Zeugin, die namentlich nicht genannt werden möchte, beobachtete die beiden Täter beim Ausspionieren des Hauses und rief die Polizei an, nachdem die Verdächtigen über das Hoftor geklettert waren. Als die Beamten die beiden noch im Haus stellte, entblößten diese sich blitzschnell und erklärten, lediglich eingedrungen zu sein, um ungestört ihrem sexuellen Vergnügen nachgehen zu können.

Da sich aber Tatwerkzeuge und Diebesgut fanden, konnte die Polizei dies schnell als Ausrede entlarven. Die Verhaftung dürfte die Polizeistatistik für 2014 erheblich aufbessern – der weiblichen Täterin, gleichzeitig Kopf des Duos, werden 126 Straftaten zur Last gelegt. Der Polizei gelang dieser Fang vor allem, weil die Zeugin während des Einsatzes telefonisch Kontakt mit der Polizei hielt und auf diesem Wege wichtige Hinweise geben konnte.

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