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Elf Prominente erzählen, was von ihnen bleibt

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Von: Gernot Gottwals

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Susanne Anger, Sprecherin der Initiative ?Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum? neben einem der Bilder von Günter Grass.
Susanne Anger, Sprecherin der Initiative ?Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum? neben einem der Bilder von Günter Grass. © Maik Reuß

„Was bleibt?“, heißt die Ausstellung, die im Höchster Schloss zum Thema Nachhaltigkeit mit elf prominenten Persönlichkeiten gezeigt wird. Deren Antworten überraschten die Macher.

Gleich am Eingang des Alten Schlosses grüßt der kürzlich verstorbene Schriftsteller, Maler und Bildhauer Günter Grass den Besucher. „Als wir den Foto- und Interviewtermin im vergangenen Sommer vereinbarten, war er noch sehr mobil, wollte sich aber im Arbeitszimmer fotografieren lassen“, erinnert sich Susanne Anger, Sprecherin der vor zwei Jahren in Anlehnung an ein Lutherzitat gegründeten Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“ mit 19 Stiftungen und Organisationen – dazu gehört auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die die Ausstellung nach Höchst geholt hat. Dann konnte die Fotografin Bettina Flitner Grass zu einem Foto im Garten inmitten seiner Skulpturen überreden. Ein Denkmal unter Denkmälern?

Ideelle Werte

„Die Frage, was von einem Leben bleibt, begleitet mich schon lange“, erklärt Flitner. „Doch wir waren überrascht, dass sich unsere elf ausgewählten Prominenten für die Fotos, Katalogtexte und Filminterviews eher als in sich ruhende, wohltätig engagierte und dem täglichen Leben zugewandte Persönlichkeiten entpuppten“, erklärt Anger. Sicher lebten erfolgreiche Menschen wie die Violinistin Anne-Sophie Mutter, die Medizinerin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Vollhardt oder gar die Hauptaktionärin und -gesellschafterin des Springerverlags Friede Springer in gut situierten Verhältnissen. Doch angesichts der rund 2,6 Billionen Euro, die es derzeit in reichen Familien zu vererben gebe, wollen oder wollten sie lieber ideelle Werte weitergeben – Grass und Richard von Weizsäcker sind inzwischen verstorben.

So ermutigt Grass die Nachwelt, von den Rechten des Demokraten Gebrauch zu machen und in der Zeit schnelllebiger Medien weiterhin den Wert eines Buches zu schätzen. „Wir Menschen haben die Gabe, Lektionen, die uns die Geschichte erteilt hat, zu begreifen und daraus Konsequenzen zu ziehen“, resümiert er. Von Weizsäcker sieht den deutschen Wiederaufbau als großes Versöhnungswerk für ein friedliches Europa der Zukunft: „Selbst einen Impuls gegeben zu haben, der weiterträgt, das hoffe ich zuversichtlich.“

Der Filmemacher Wim Wenders und Nüsslein-Vollhardt wollen ihre Werke und wissenschaftlichen Erkenntnisse an das kollektive Gedächtnis der Menschheit weitergeben. Der Astronaut Ulf Merbold appelliert an die ethische Pflicht, diesen Planeten für unsere Nachkommen in intaktem Zustand zu erhalten, der Schauspieler Dieter Mann und die ehemalige Landesbischöfin Margot Käßmann wollen die Liebe und den Blick für die wesentlichen und bleibenden Dinge weitergeben. Darauf findet der Extrembergsteiger Reinhold Messner im Interview eine drastische Antwort: „Vom Zeitpunkt seiner Geburt an ist der Mensch zum Sterben bestimmt. Ein Meteoriteneinschlag würde ausreichen, um die Menschheit mit ihren Göttern zu vernichten.“

Unbedingt zu Brandt

Der SPD-Politiker Egon Bahr sah dem Tod bereits während seiner Kindheit im Krieg ins Gesicht und bilanziert: „Den Weg, das Undenkbare zu denken und auch danach zu handeln, ist das, was bleibt.“ Er wollte unbedingt mit dem Porträtbild und der Skulptur von Bundeskanzler Willy Brandt als Vorbild und Weggefährten bei der Ostpolitik fotografiert werden.

„Ich musste eine Form finden, um dieses Über-sich-selbst-Hinausdenken zu visualisieren und jeder Persönlichkeit mit ihrem Leben und Schaffen gerecht zu werden“, sagt Bettina Flitner. Dass Anne-Sophie Mutter passend zu ihrem Wunsch, mit ihrer Musik auch Seele zu berühren und zu verströmen, durch das Münchner Cuviertheater schwebt, ist auch dem Dauerregen im Englischen Park an diesem Tag zu verdanken. Und Literaturnobelpreisträger Grass, der mit manchen Bekenntnissen durchaus polarisierte, findet sich in Harmonie mit seinen Skulpturen vereint.

Die Ausstellung „Das Prinzip Apfelbaum. 11 Persönlichkeiten zur Frage Was bleibt?“ ist noch bis zum 31. Mai donnerstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr im Alten Schloss, Höchster Schlossplatz 16 zu sehen; Eintritt frei.

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