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Mit einigen Schülern durchschneiden die Herren Lothar Hennig (von links) Claus-Dieter Kotalla, Franz Josef Fischer von der Strahlemann Stiftung und Axel Wintermeyer das symbolische Band zur Eröffnung des Raumes, dessen ?Job-Wall?, im Hintergrund zu sehen ist.

Ein Raum für die Zukunft

In der Sossenheimer Eduard-Spranger-Schule bietet die erste Frankfurter „Talent Company“, gestiftet von der Strahlemann-Unternehmensstiftung, für Schüler, die sich für Ausbildungsplätze interessieren. Rund 50000 Euro hat die Ausstattung des Raums gekostet, der sich sehen lassen kann.

Von Wilke Bitter

Es riecht nach frischer Farbe, brandneu sehen die Sitzmöbel und PC-Arbeitsplätze im Konferenz- sowie Loungebereich aus und von der Decke hängt ein Beamer, technisch ist das Interieur komplett „State of the Art“. Dass dieser Raum im Erdgeschoss des Haupttrakts der Eduard-Spranger-Schule (ESS) vor knapp zehn Wochen noch ein ganz normaler Klassenraum mit gewohnt abgewetztem Schulmobiliar für ganz herkömmlichen Mathe- oder Deutschunterricht gewesen sein soll, ist kaum noch vorstellbar. Aber Schule findet in dem Raum ja auch nicht mehr statt.

Die Strahlemann-Stiftung hat in Zusammenarbeit mit der ESS unter der Schirmherrschaft des hessischen Staatsministers Axel Wintermeyer (CDU) hier die erste „Talent Company“ im Stadtgebiet eingerichtet – einen ausschließlich für die Berufsorientierung vorgesehener Extra-Raum in der Schule, in dem sich die künftigen Abgänger über Ausbildungsplätze und Zukunftsmöglichkeiten informieren können. „Das Konzept der ,Talent Companys‘ hatte mich schnell überzeugt“, sagt Wintermeyer. „Vor dem Hintergrund des vieldiskutierten Fachkräftemangels muss die Distanz zwischen Unternehmen und den jungen Menschen zugunsten deren Zukunft abgebaut werden.“

Lothar Hennig. Leiter der Haupt- und Realschule freut sich über die gelungene Zusammenarbeit mit der Unternehmensstiftung Strahlemann und die moderne Ausstattung des „Talent Company“-Raums. „Die Schüler, die den Raum bereits vor der offiziellen Eröffnung gesehen haben, haben große Augen gemacht. Mit diesem ,Ah- und Oh-Effekt‘ fühlt es sich ja tatsächlich an, als würde man kurz die Schule verlassen und in eine andere Welt eintauchen – die Berufswelt.“ Und das sei auch gut so, meint Hennig, denn der Blick über den Tellerrand hinweg im Schulalltag sei schwierig und würde durch eine derart frische Atmosphäre begünstigt.

Besonders für den Präsentationsbereich, einen Konferenztisch mit zwölf Sitzplätzen, einer Leinwand sowie PC-Bildprojektor wünscht sich Hennig eine rege Nutzung. Hier sollen Ausbildungsbetriebe ihre Berufe vorstellen. „Zwei solcher Präsentationstermine für die kommenden Wochen haben wir schon vergeben, in den Abschlussklassen der Real- und Hauptschüler fragen wir dann jeweils, wer Interesse an dem Betrieb oder dem Job hat. Am besten bringen die Unternehmen dann auch immer selbst einen Auszubildenden mit, damit der aus dem Nähkästchen plaudern kann.“

Hinter Hennig, an den Seitenwänden, finden sich die „Job-Walls“, an denen nachwuchsorientierte Unternehmen sich selbst und ihre Ausbildungsmöglichkeiten vorstellen können. Fünf Plakate hängen hier schon, von lokalen Unternehmen wie Einzelhandel, Energie, Versicherungen und der Steuerberatungsgesellschaft Madel und Kotalla. Teilhaber Claus-Dieter Kotalla war es, der die Idee hatte, eine der mittlerweile in elf deutschen Städten realisierten Strahlemann- „Talent Companys“ nach Sossenheim zu bringen. Gratis gibt es diese wirksame Plakatwerbung für die Unternehmen allerdings nicht, erklärt Dagmar-Eva Mempel, Projektleiterin bei der Strahlemann-Stiftung: „Wenn die Betriebe sich hier präsentieren wollen, kostet sie das eine Jahresgebühr von 1000 Euro, die dann der Schule zukommen.“

Von diesem Geld, erklärt Dagmar-Eva Mempel, werden Berufsinformationstage oder individuelle Besuchstermine der abgehenden Schüler in den Betrieben finanziert. Nutznießer des Angebots sollen also vor allem die Spranger-Schüler selbst sein, wie Miroslav (15), der jetzt im Sommer seine Schulzeit mit dem Hauptschulabschluss beenden wird. „Ich habe mich zwar schon für einen Ausbildungsplatz bei einem Fahrzeuglackierer hier in Sossenheim beworben“, erzählt Miroslav. „Aber vielleicht gucke ich mich, für denn Fall, dass das nicht klappt, hier auch noch weiter um.“

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