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Die Becken des Brüningbrunnens werden ständig als Abfalleimer missbraucht. Der Brunnen, eigentlich ein Kunstwerk, bietet ein trauriges Bild.

Denkmal

Rettet den Brüningbrunnen!

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Der Brüningbrunnen wird in der städtischen Liste der „Kunst im öffentlichen Raum“ geführt – und ist ein Stiefkind, wenn es darum geht, ihn instand zu halten.

Der Brüningbrunnen an der Nordostecke des Höchster Marktplatzes gibt immer wieder ein desolates Bild ab: Weil das Wasser nicht läuft, werden die Becken immer wieder als Abfallbehälter missbraucht. Dass das Wasser nicht läuft, ist ein ständig wiederkehrendes Problem: Mal tröpfelt es nur aus einem oder zwei der insgesamt vier Wasserspeier, meist ist der Brunnen komplett trocken. Durch Gruppen, die zeitweise um den Brunnen auf den Bänken lagern, wird er mit Müll und leeren Schnapsflaschen vollgestopft. Auch Passanten werfen Kaffeebecher oder Zigarettenschachteln hinein.

Ein trauriges Bild, denn der Brüningbrunnen könnte ein Schmuckstück sein. Der Brunnen wurde von den Honoratioren der Stadt Höchst am Main zum Andenken an Adolf von Brüning, den Mitbegründer der Hoechst AG, und seine Frau Clara in Auftrag gegeben und 1904 vom Architekten Karl Wach entworfen. Nach Wachs Plänen schufen die Bildhauer Johann Belz und Phillip Hermann Leonhard die Steinmetzarbeiten. Enthüllt wurde der Brüningbrunnen mit Blasmusik und großem kaiserlichem Brimborium am 24. September 1910 – auf dem Höchster Schloßplatz, denn das ist sein eigentlicher Standort.

Erst 28 Jahre später, im Sommer 1938, wurde er von den Nazis auf den Höchster Marktplatz versetzt. Nun begann der Verfall: Nachdem der Brunnen lange ungenutzt lag, wurde er mit einer privaten Spende im Herbst 2011 saniert und mit einer Wasserleitung versehen. Die ist nun offensichtlich wieder kaputt, denn im vergangenen Sommer ist kein Wasser geflossen. Im Winter sind die Brunnen der Stadt Frankfurt, zu denen der Brüningbrunnen gehört, ohnehin stillgelegt.

Verantwortlich sind das Kultur- und das Hochbauamt. Der Brüningbrunnen ist ein Kunstwerk und wird in der städtischen Liste der „Kunst im öffentlichen Raum“ geführt: Der Brunnen, ein Kuppelpavillon mit zeittypischen Motiven aus Jugendstil und Historismus, ist aus hellem Kalkstein; das Wasserbecken wird von Wasserspeiern in Form von Löwenköpfen gefüllt. Auf den vier Seiten finden sich in Stein gehauene Allegorien für Handel, Chemie, Industrie und Forschung, die Säulen der unabhängigen Stadt Höchst, die zur Entstehungszeit des Brunnens prosperierte. Die Inschrift auf den Bronzetafeln lautet: „Dem um die Entwicklung der Stadt und das Wohlergehen ihrer Bewohner hochverdienten Mitbegründer der Höchster Farbwerke Dr. Adolf von Brüning 1837–1894 und seiner Ehefrau Clara geb. Spindler 1846–1909, der Freundin der Stadt und ihrer Armen, errichteten diesen Brunnen zum immerwährenden ehrenden Gedächtnis die dankbaren Bürger der Stadt Höchst a.M. – A.D. MCMX“.

Uwe Eisenmann, fraktionsloser Ortsbeirat, möchte nun, dass der Brunnen im Frühjahr wieder fließt. Er hat deshalb einen Antrag gestellt, den Brunnen wieder in Betrieb zu nehmen. Für ihn ist es auch eine Frage des Gesamteindrucks: „Für Bürger und Wochenmarktbesucher entsteht der Eindruck, dass man sich um diesen Teil von Höchst nicht mehr kümmert.“

Der Zustand des Marktplatzes und des Ettinghausenplatzes macht vielen ohnehin Sorgen. Zuletzt sind am Marktplatz wieder Bäume gefällt worden, ohne dass nachgepflanzt wurde. Das, so versichert das Grünflächenamt, hänge jedoch mit anstehenden Straßenarbeiten zusammen: Neue Bäume würden gesetzt, wenn das Straßenbauamt mit seinen Baustellen fertig sei. Begonnen werden sollen sie im neuen Jahr, hieß es zuletzt.

Der Ettinghausenplatz befindet sich ebenfalls in beklagenswertem Zustand (wir berichteten). Auch dort wurden bereits morsche Bäume entfernt, ohne dass etwas grundlegend an der tristen Gestaltung des Platzes geändert wurde. Derzeit, so heißt es beim Stadtplanungsamt, habe man nicht das nötige Personal, die Umgestaltung des kleinen Areals vor dem Hochbunker voranzutreiben. Der Hintergrund der jahrelangen Zurückhaltung ist jedoch: Hier stand bis zu ihrer Zerstörung in der Pogromnacht 1938 die Höchster Synagoge. Bei Erdarbeiten ist damit zu rechnen, auf die Überreste dieses Gebäudes der Jüdischen Gemeinde zu stoßen, was archäologisch von großem Interesse wäre. Archäologen mit ihren langwierigen Grabungen sind jedoch die natürlichen Feinde der Bauarbeiter . . .

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