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Zwei Bahn-Probleme gibt es im Sommer: Die Züge sind voll, zudem wird es ohne Klimaanlage in den Waggons richtig heiß. Von bis zu 50 Grad ist die Rede. 

RMV wegen „K-Bahn“ in der Kritik

„Im Sommer Toaster, im Winter Gefrierschrank“ – Wut über RB12 

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Die RB12 von Königstein über Kelkheim nach Höchst ist für den RMV ein Problem-Zug. Nicht nur Fahrgäste, auch die Bahnfahrer sind genervt. 

  • Mit der RB12 („K-Bahn“) zwischen Königstein und Frankfurt-Höchst gibt es Probleme
  • Fahrgäste machen Wut bei Veranstaltung in Kelkheim Luft
  • RMV hat Gegenmaßnahmen in petto 

Königstein/Kelkheim – "Wir stopfen uns jeden Morgen wie die Ölsardinen. Wo ist denn da das Fortkommen?" "Im Sommer Toaster, im Winter Gefrierschrank." "Ich komme in Argumentationsnöte, andere Leute zum Bahnfahren zu motivieren." "Mir würde es schon reichen, wenn der 30-Minuten Takt funktioniert." "Die Leute haben die Schnauze voll." Deutliche Worte müssen sich die Vertreter von Bahn- und Busunternehmen sowie der Kommunen am Mittwoch im Kelkheimer Plenarsaal gefallen lassen. 200 Bürger sind gekommen - sie wollen Klartext hören zur unbefriedigenden Situation auf der Regionalbahn RB 12 ("K-Bahn") von Königstein über Kelkheim und Liederbach bis nach Höchst.

RMV-Erhebung in Höchst: Meist sind Plätze frei im RB12 

Die Kelkheimer Politik hatte den Abend gefordert - Bürgermeister Albrecht Kündiger hat ihn umgesetzt und sich Kollegen aus den Nachbarkommunen ins Boot oder besser ins Abteil geholt. Liederbacher und Königsteiner sind im Publikum jedoch dünn gesät - "vielleicht kommen noch welche, wenn der Zug da ist", flachst Kündiger.

Doch der Spaß vergeht vielen. Heike Vieth vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) stellt aktuelle Zahlen vor. Demnach seien seit Anfang 2019 vier Monate in Sachen Pünktlichkeit bei der RB 12 "unter der Akzeptanz" gewesen. Dies sei "sehr gut", so Vieth - und erntet Gelächter. Verspätungen seien auf Hitze, Störungen und Bauarbeiten zurückzuführen.

Probleme mit RB12: Viele Zugausfälle – Busse fahren von Kelkheim aus

Ein Nicken bekommt der RMV für die 100 Zugausfälle im August 2019. Im September und Oktober seien es nur 24 gewesen, so Vieth. Bei den Kapazitäten habe es in den Monaten 40 und 30 Ausfälle gegeben - die Aufgaben seien somit zu 98 Prozent erfüllt.

Seit Dezember gebe es von Kelkheim nach Höchst den Ergänzungsbus E 12 - "der wird im Moment gar nicht groß benutzt", so Vieth. Zudem habe sich ein RMV-Mitarbeiter am 5. Februar am Bahnhof Höchst gegen 8 Uhr einige Züge der RB 12 in beiden Richtungen angeschaut, berichtet Vieth. Es seien meist ausreichend Sitzplätze vorhanden, das sei aber nur eine "Momentaufnahme".

Das sehen die Besucher genauso. Schon mitten in der Präsentation löchern sie die Bahn-Vertreter mit Fragen, wollen ihre Sorgen loswerden, fordern Lösungen. Nach und nach verlassen einige den Saal, sie haben genug gehört. Für die meisten ist das nicht zufriedenstellend.

RMV will ab Ende 2020 mit Wasserstoff fahren

Denn immer wieder verweisen die Fachleute auf Ende 2022: Dann erwartet der RMV die bereits bestellten Züge, die mit Wasserstoffantrieb emissionsarm rollen. Kai Daubertshäuser (RMV) kündigt Wagen an, die 160 statt bisher 120 Sitzplätze haben. 27 Fahrzeuge seien für die Linien 11 (nach Bad Soden), 12, 15 (Taunusbahn) und 16 (Friedrichsdorf - Friedberg) bei Alstom mit Kosten von 170 Millionen Euro bestellt. Das werde Zeit, räumen RMV und Hessische Landesbahn (HLB) ein. Die ältesten Wagen sind 32 Jahre alt. Sie müssten geschont werden bei Laufleistungen von gut 2 Millionen Kilometern.

Doch die Züge sind nicht das einzige Problem, so Peter Runge (HLB). Fehlendes Personal und Krankmeldungen hätten im August 2019 für Ausfälle gesorgt. "Eine Situation, die so nicht mehr tragbar ist." Deshalb sei Personal umgeschichtet und die Gewinnung forciert worden. Das Thema sei "im Griff", so Runge. Auch die Pünktlichkeit sei nicht schlechter als bei anderen Linien. 99 Prozent zu erreichen, das sei "utopisch".

Großes Podium, volles Haus: Bürgermeister Albrecht Kündiger fragt ab, woher die genervten Bahnkunden beim Info-Abend kommen.

Bus als Alternative zur RB12 – Kritik an Taktung

Die "Hauptbaustelle" sei daher die Kapazität. Hier sei der Bus E 12 als Alternative interessant. Er werde bei Problemen mit der Bahn die Busfahrer anweisen, einen Moment länger zu warten. Klimaanlagen in den Zügen, von vielen gefordert, sind auch ein Problem. Die Schutzfolien, die Runge als kleine Aktion nennt, werden nur belächelt. Ansonsten gilt wieder der Verweis auf Ende 2022. Ebenso wie für mehr Platz für die Fahrrad-Mitnahme - es soll in jedem neuen Wagen sechs Stellplätze geben, so der RMV.

Gabriele Franz vom BUND fragt sich, wo denn der schon 2013 vermerkte 15-Minuten-Takt für die Bahn bleibe: "Für mich stellt sich das schon als Planungsversagen dar." Ein solcher Takt sei komplett nicht möglich, räumen die Bahn-Vertreter ein. In der Hauptverkehrszeit morgens und abends solle es in Zukunft aber Verstärkerfahrten geben, so Runge. Das versuche die Bahn zu leisten, entgegnet er auf den Vorschlag, doch für schlechte Leistungen die Preise zu senken.

Von Königstein über Kelkheim nach Höchst: „K-Bahn nicht so schlecht“

Wohl nur bei Liederbach könnte ein Ausweichpunkt für die Bahn geschaffen werden, dann sei Raum für eine bessere Taktung, kündigt Liederbachs Bürgermeisterin Eva Söllner an. Das dauere fünf bis zehn Jahre. Eine Machbarkeitsstudie sei in Auftrag. Söllner warb um Verständnis: "Wir müssen mit den Realitäten umgehen." Kommunen und Bahn seien dran, aber "können nicht zaubern". Zudem seien Bund und Land mit langen Planungsverfahren Bremser. Söllner: "Wir sind das kleinste Rädchen. Aber wir dürfen nicht aufhören, an diesem Rädchen zu drehen."

Ihr Königsteiner Amtskollege Leonard Helm kritisierte, warum der RMV nicht gleich zweigeschossige neue Züge bestellt und nicht über die Ausschreibung informiert habe. Er denkt Alternativen an - etwa einen Radweg nach Kelkheim. Und riet zu technischen Innovationen wie Behinderten-Rampen am Bahnsteig oder Kühlsysteme im Bahndepot.

Kollege Kündiger freut sich nach fast drei Stunden über "ehrliche Antworten", eine "sachliche Diskussion", fordert aber: "Wir müssen dranbleiben an dem Thema." Und im Vergleich zu den vielen Ausfällen bei der S-Bahn bringt es ein Bürger für sich auf den Punkt: "Die K-Bahn ist nicht so schlecht, wie wir sie den ganzen Abend gemacht haben."

Von Frank Weiner

Euthanasie-Forschung deckt traurige Schicksale auf: Vor den Toren von Frankfurt, in der „Mammolshöhe“ in Königstein wurden seit Ende der 1940er Jahre Medikamententests an Kindern vorgenommen. Bei der Suche nach Verantwortlichen fällt immer wieder ein Name.

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