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Giannina Forlani von der FES (l.) verteilt vor der Niddaschule Handschuhe und Zangen an Jason (rote Mütze) und seinen Papa Allen Boto (graue Mütze). F: Reuß

Frühjahrsputz

Gut 150 Säcke Müll in nur zwei Stadtteilen

Freiwillige Helfer haben am Wochenende in Nied und Griesheim Müll eingesammelt. Die Aktion des Vereinsrings Nied war die größte in ganz Frankfurt.

Von MELANIE TAYLOR UND HOLGER VONHOF

Noch verpackte und anscheinend unangetastete Bonbons – damit hätten Jason (10) und sein Freund Iain (9) nicht gerechnet. „Die Bonbons sind nicht mal aufgerissen“, konstatiert Iain verwundert. Warum die einer einfach achtlos wegwirft, das bleibt den beiden Viertklässlern ebenso wie ihren Eltern am Samstag ein Rätsel. Doch der kleine Trupp ist heute Morgen nicht auf Schnitzeljagd, sondern auf Reinigungs-Mission. Gemeinsam mit rund 100 anderen Helfern sorgen sie bei der Frühjahrsputz-Aktion dafür, dass Nied ein Stückchen ordentlicher wird.

„Das ist die größte Aktion in Frankfurt“, sagt Frank Dey von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES): In Nied können bei diesen ehrenamtlichen Müll-Sammel-Unternehmungen seit einigen Jahren immer die meisten Bürger aktiviert werden. Der Rekord liegt bei 200 Teilnehmern, erinnert sich Helmut Grohmann, bis vor Kurzem Vereinsringchef. Der Regionalrat und der Vereinsring Nied sind die Initiatoren des Ganzen.

Das Rezept für ihren Erfolg liegt an der großen Reichweite und der guten Vernetzung in Nied: Es machen schlicht viele Gruppen mit, weil sie etwas für ihren Stadtteil tun wollen. Vereinsmitglieder, Schulen und Kindertagesstätten unterstützen die Sammelaktion. Das Besondere ist dabei, dass viele kleinere Gruppen schon in den Tagen und Wochen zuvor aktiv geworden sind und Müll im Ort aufgesammelt haben. Somit ist der große Frühjahrsputz nur der Höhepunkt.

Die ungewöhnliche Samstagvormittags-Gestaltung kommt gerade bei den jungen Sammlern gut an: „Die Kinder freuen sich und sind sehr motiviert“, erzählt Dennis Weißenstein von der FES. Und die Eltern? „Die müssen eher mit“, ergänzt seine Kollegin Giannia Forlane schmunzelnd. Es ist – das klingt immer wieder durch – die Vernunft, die die Erwachsenen antreibt. „Ich finde super, dass es so eine Aktion gibt“, sagt Allen Boto, Jasons Vater. Da sie in Nied lebten, fände er es sinnvoll, sich zu beteiligen. „Es ist ein schönes Gemeinschaftserlebnis, wenn Jung und Alt zusammenkommen“, betont Jürgen Krusch vom Präventionsrat. Die Suppe, die es nach getaner Arbeit für alle gratis gäbe, tue den Helfern gut und sorge auch für die Möglichkeit, sich gegenseitig auszutauschen und kennenzulernen.

Richtige Müll-Brennpunkte gibt es in Nied nicht viele: Die Stadtreinigung und die Müll-Sammel-AG des Vereinsrings, die im Monat einmal ausrückt, sorgen dafür, dass es im Stadtteil recht ordentlich aussieht. Zumindest fällt einem das Thema nicht sofort negativ ins Auge, wenn man durch Nied spaziert. Aus Sicht von Helmut Grohmann gibt es aber etwa entlang der Bahngleise, im Niedwald und auch teilweise in den Siedlungen Probleme mit falsch entsorgtem Abfall. Und auch bei diesem Rundgang am Samstag findet sich letztlich viel Unrat. Genauer: 129 Säcke machen die Helfer voll. Häufig finden sich Verpackungen, Papierschnipsel, Taschentücher und Reste von verwehten Gratis-Zeitungen. Die Bonbons bleiben an diesem Tag im Übrigen nicht das einzig Kuriose: Auch ausgetretene Turnschuhe, ein Gartenschlauch und andere Merkwürdigkeiten, die man nicht einfach mal so versehentlich fallen lässt, lesen die Helfer auf.

Zeitgleich wurde auch in Griesheim gesammelt; dort hatten die Quartiersmanager Mitte und Süd sowie ebenfalls der Vereinsring dazu aufgerufen. „Die Aktion war sehr erfolgreich“, sagt Quartiersmanager Abdessalam Azzahidi. Ihn freut, dass sich neben rund 45 Griesheimern auch ein im „Hotel Anna“ untergebrachter Flüchtling aus Eritrea an der Aktion beteiligt hat. Auch der Jugendclub des evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit war dabei. „Der Sportverein Griesheim Tarik hat wie im letzten Jahr viele Kinder mobilisiert“, sagt Azzahidi. In Griesheim kamen etwa 25 Säcke voller Müll zusammen, dazu ein Autoreifen und Dutzende anderer Autoteile. Etwa einen halben Müllsack füllte allen das Brot, das Leute für Vögel in die Landschaft geworfen haben. „Sie vergessen dabei, dass es auch viele Ratten anzieht“, sagt Azzahidi. Am alten Stellwerk lag sehr viel Müll, allerdings konnte die Gruppe ihn nicht aufsammeln, weil es sich um Privatgelände der Deutschen Bahn handelt. Ursula Schmidt, die Vorsitzende des Vereinsrings Griesheim, wird deswegen mit der Bahn Kontakt aufnehmen. Auch in Griesheim gab es zum Abschluss Suppe für alle Helfer – und kleine Geschenke von der FES.

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