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Fast so etwas wie ein Trainingslager bot Chorleiter Johannes Kalpers (Mitte) den Sängerinnen und Sängern an.

Workshop

Sänger gehen bei der Ausbildung neue Wege

Knapp 70 Sängerinnen und Sänger trafen sich in Münster bei einem Workshops. Dozent und Konzertsänger Johannes Kalpers verhalf den Teilnehmern zu ganz neuen Tönen.

Die Teilnehmerliste ist lang. Mehrere Seiten liegen zur Registrierung der Sänger unterschiedlichster Gesangvereine am Empfang des Versammlungsraums der TSG-Gaststätte aus. Manfred Krissel hat es geschafft eine Koryphäe für seinen Workshop zu begeistern. „Bereits seit einem Jahr habe ich versucht Johannes Kalpers herzuholen. Heute ist es endlich gelungen“, so der Chorleiter. Krissel ist auch Mitglied im Musikausschuss des Sängerkreises Main Taunus, kommt also herum, und lernt bei Treffen bekannte Größen kennen. Das brachte ihm zwei Einfälle, deren Erfolg die starke Teilnahme zeigt.

„Wir weichen diesmal von unseren bisherigen Seminaren ab“, erklärt Manfred Krissel. In der Vergangenheit vornehmlich auf Stimmbildung mit Einsingen und Atemtechniken konzentriert, läge der Fokus dieses Workshops auf der Interpretation zweier Stücke.

Bewusst habe er ein klassisches, anspruchsvolles Stück, das „Ubi Caritas“ von Ola Gjeilo und das für Chöre von Pasquale Thibaut und Peter Schnur arrangierte „Durch die schweren Zeiten“ von Udo Lindenberg ausgesucht.

Kalpers, einst auf dem Weg in die europäische Gesangsliga unterwegs und durch Moderationen im SWR-Fernsehen bekannt, reizte das Angebot. Er sagt: „Mein Lebensweg hat sich immer um Musik gedreht.“ Die klassische Laufbahn startete er bei den Limburger Domsängern, doch sein Musikgeschmack sei breit. „Deshalb habe ich auch Tina Turner, Sting und Udo Lindenberg gehört.“

„Man könnte sagen, die haben doch gar keine Stimme“, so Kalpers. Doch das provokante Statement könne man nicht gelten lassen. „Jeder hat eine Stimme. Sie ist tief in uns drinnen.“ Deshalb freue er sich auf die bunte Sängerrunde.

Krissel ist stolz, dass sein Konzept aufzugehen scheint. Mitglieder aus 16 Chören haben sich eingefunden. „Über den Sängerkreis Main Taunus hinaus, haben wir haben auch Teilnehmer aus dem Hochtaunus und Untertaunus. Selbst eine Chorleiterin ist heute dabei“, erklärt Manfred Krissel. Agnes Gottschalk, Leiterin des Gesangverein Schneidhain, nutzt das Seminarangebot regelmäßig. Ideen und Tipps zur Intonation von Liedern seien wertvoll. „Man nimmt immer noch etwas mit“, so die Chorleiterin.

Unverhofft kommen noch Sänger hinzu, die den Termin im Kalender eingetragen hatten, aber zunächst verplant waren. „Meine Enkel hatten sich angemeldet, kommen aber jetzt erst am Nachmittag“, begründet Vera Schmidt vom Frauenchor Fischbach. Sie habe zwar keine Noten dabei, schaue aber dann einfach bei der Nachbarin mit ins Notenblatt. Rosalinde Müller und Alice Cloos singen beide bei der Alemannia Concordia mit. Das klassische Stück sei sehr schwierig zu singen, doch nicht unmöglich. Beide haben sich bereits zu Hause vorbereitet.

Nachwuchssorgen im Chorgesang spürt man am Workshop-Tag nicht. Das Trio Müller, Cloos und Schmidt empfehlen Chören jedoch, mehr Werbung zu machen und direkten Kontakt zu Schulen und Kindergärten zu suchen. „Dann führt man bereits die Kleinen an das Chorleben heran“, so Alice Cloos. „Die Tradition des Chorsingens sollte dabei aber auf keinen Fall verleugnet werden“, kontert Kalpers. Die Mischung aus Tradition und Moderne bestimme den Erfolg. In einigen Regionen verzeichne er steigende Mitgliederzahlen. „Ich habe jetzt gerade in einem Männerchor in der Vorderpfalz fünf junge Männer zwischen 30 und 40 Jahren hinzubekommen“, ist der Dozent zuversichtlich.

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