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Werden die Stühle nie mehr aufgestellt? Sowohl die ?Sommernacht am Schloss? des Neuen Theaters ? hier ein Foto vom Aufbau im Juni vorigen Jahres ? als auch das Kurzfilmfestival ?Shorts at Moonlight? stehen auf der Kippe. Es fehlen Fluchtwege aus dem Schloss-Areal.

Fehlende Fluchtwege

Schloss-Programm: "Sommernächte" und "Shorts at Moonlight" gefährdet

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Das Neue Theater hat schon das Bürgerhaus Griesheim als Ausweichquartier für Urban Priol gebucht: Aus Haftungsgründen sind alle Freiluft-Kulturveranstaltungen auf der Schlossterrasse vom Aus bedroht.

Vor Jahren schon hat der Vereinsring Höchst die Segel gestrichen und veranstaltet seine großen Konzerte zum Schlossfest seitdem nicht mehr auf der Schlossterrasse, sondern im Brüningpark. Für Tausende Menschen ist die Terrasse nicht geeignet: Der einzige Fluchtweg führt durchs Tor des Schlosses, und nach dem Duisburger Loveparade-Unglück im Jahr 2010 war klar geworden, dass solche Engstellen zur Todesfalle werden können. Die Veranstaltungsreihe „Sommernacht am Schloss“ des Neuen Theaters Höchst und das Kurzfilmfestival „Shorts at Moonlight“ fanden bis heute weiterhin auf der Schlossterrasse statt – mit dem Argument, dass es keine kostenfreien Veranstaltungen seien, sondern über den Kartenverkauf die Zahl der Besucher reguliert werden könne.

Nun haben Gudrun Winter, die Gründerin des Kurzfilmfestivals, und Bernd Kuske-Schmittinger, Vorsitzender des Theater-Trägervereins Bund für Volksbildung, die gleichen Briefe bekommen: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz lehnt es als Eigentümer des Schlossgeländes ab, im Unglücksfall die Haftung zu übernehmen. Damit stehen die „Sommernächte“ und das Kurzfilmfestival auf der Kippe. Das Neue Theater hat bereits für Urban Priol, der am 24. Juni auf der Schlossterrasse auftreten sollte, als Ausweichquartier das Bürgerhaus Griesheim gemietet. Notfalls werde für andere Veranstaltungen die Spielzeit im Saal verlängert, sagt Kuske-Schmittinger: „Ich habe wenig Hoffnung, dass wir für dieses Jahr noch eine Lösung finden.“

Die Stiftung trage keine Schuld, sagt Kuske-Schmittinger: „Wir haben das Problem immer vor uns hergeschoben.“ Er verstehe die Sorgen der Stiftung, bei einem Unglück haftbar gemacht zu werden. Gebraucht werde eine Stahltreppe als zweite Fluchtmöglichkeit, die von der Terrasse in den Burggraben führt. „Die kostet allerdings eine Summe im zweistelligen Tausender-Bereich; das können wir uns nicht so einfach leisten.“ Eine andere Möglichkeit wäre, ab 2019 unten am Main oder auch im Brüningpark zu spielen. Doch auch die Kosten, die dann für Absperrungen entstehen, übersteigen das Budget des kleinen Theaters. „In anderen Städten kommt dafür die Stadt auf. Es stellt sich die Frage, wie weit die Stadt solche kulturellen Aktivitäten im Frankfurter Westen fördern will.“

Filmfestival-Macherin Gudrun Winter hofft noch für dieses Jahr auf eine Einigung – ihre Tickets sind seit Dezember im Vorverkauf. „Das Kulturamt und das Stadtplanungsamt sind dran und arbeiten ämterübergreifend. Dass uns die Zeit davonläuft, ist allen klar“, sagt sie. Auch Winter versteht die Position der Deutschen Stiftung Denkmalschutz; die Situation sei „verfahren“. Derzeit stünde das komplette Höchster Sommer-Kulturprogramm auf der Kippe, zumal mit der Schließung des Bolongarogartens auch die Situation von „Barock am Main“ nicht gut sei. Das Festival war voriges Jahr in den Hof der Porzellanmanufaktur umgezogen; nun hatte die Nachricht von der Insolvenz der Manufaktur für Beunruhigung gesorgt.

„Barock-am-Main“-Macher Michael Quast hielt gestern beim Neujahrsempfang des Ortsbeirats 6 in der IGS West an der Palleskestraße die Festrede und nahm das politische Gebaren aufs Korn, die eigenen Erfolge besonders herauszustreichen. Oberbürgermeister Peter Feldmann, der zuvor als Dezernent für die westlichen Stadtteile geredet hatte, verkündete aber: „Meine Botschaft ist ganz einfach: Die Höchster Porzellan-Manufaktur wird nicht untergehen. Eine gemeinsame Lösung scheint erreichbar.“

Das Problem der „Sommernacht am Schloss“ und des Kurzfilmfestivals „Shorts at Moonlight“ war indes noch nicht bis zu ihm durchgedrungen. Bernd Kuske-Schmittinger sprach den OB jedoch an und bat ihn um Unterstützung. Feldmann will sich erst einmal detailliert informieren, sagt aber: „Eine Treppe ist eine Treppe. Zumindest ein Provisorium sollten wir doch schon für dieses Jahr hinkriegen.“

Auch Ortsvorsteherin Susanne Serke, die den Neujahrsempfang des Ortsbeirats eröffnet hatte, hörte gestern Abend zum ersten Mal von der unerfreulichen Entwicklung, will aber ebenfalls tätig werden.

Indes gibt es auch die Meinung, die Haltung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sei der erste Schritt dazu, die Stadt Frankfurt zum Kauf des Schlosses zu bewegen. Wie berichtet, steht das Neue Schloss seit Monaten leer, weil die Stiftung keinen Caterer findet, und das Alte Schloss wird von der Stiftung kaum noch genutzt.

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