Ein Schlossfest-Macher, der für gute Laune sorgte

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Die Höchster müssen Abschied von Jochen Safran nehmen. Der hatte sich zeitlebens für die Kirche und die Vereine im Stadtteil engagiert.

Jochen Safran ist tot: Der frühere Marktmeister des Altstadtfests der Höchster Vereine und langjährige Vereinsrings-Mitstreiter ist nach langer, schwerer Krankheit in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 81 Jahren verstorben. „Jochem“, wie er von den meisten genannt wurde, war auch in der katholischen Gemeinde St. Josef sehr aktiv, Mitglied der Stiftergemeinschaft Justinuskirche und über vier Jahrzehnte mit seinem Keyboard Stimmungsmusiker bei Karnevalveranstaltungen. Die Zahl seiner ehrenamtlichen Engagements ist unüberschaubar; er selbst sagte einmal dazu: „Zuallererst heißt mein Verein Kirche.“

35 Jahre lang war Safran im Verwaltungsrat von St. Josef. Eine Wette brachte ihm den Fastnachts-Dauerjob als Musiker ein: Ein Fass Bier hatte er dagegen gesetzt, dass es die Gemeindejugend fertigbringen würde, eine eigene Gemeindefastnacht auf die Beine zu stellen. Safran verlor – und löste seine Wettschuld ein. Zeitweise wirkte er musikalisch in acht Kirchengemeinden und sechs Altersheimen. Maßgeblich war er auch am Bau des katholischen Kindergartens am Andreasplatz beteiligt.

Sein größter Verdienst lag aber in seinem Engagement für das Schlossfest. Unter Klaus-Dieter Kilp war er stellvertretender Vorsitzender des Vereinsrings, organisierte das Altstadtfest der Vereine und den Weihnachtsmarkt. Begonnen hatte er damit 1984; seit Ende der 70er Jahre wirkte er beim Altstadtfest mit. Kilp, Safran und der bereits verstorbene Franz Westenberger waren ein Dreigespann, das den Erfolg für das Schlossfest in seiner heutigen Dimension begründete. Mit seinem Computer „Otto“ kümmerte sich Jochen Safran um Genehmigungen, Briefwechsel, Behördenkrieg.

Safran gehörte auch zu den Gründern der Stiftergemeinschaft Justinuskirche, war dort Kassierer. Aus dem Vorstand schied er 2011 wegen gesundheitlicher Probleme aus. Zuvor schon hatte er sein Engagement beim Vereinsring auf- und seine Funktionen in jüngere Hände übergeben, war zum Ehrenmitglied ernannt worden. Unvergessen ist, als die Höchster zum Schlossfest 2009 die irische Partnerstadt Tralee besuchten, und Jochen Safran die „Frau Rausdcher“ vor irischem Publikum sang, als die Höchster aufgefordert wurden, ein Lied aus ihrer Heimat anzustimmen.

Beruflich war Jochen Safran Energieberater bei den Main-Kraftwerken, jetzt Süwag. 1957 hatte er seine Frau Helena geheiratet – gefunkt hatte es ganz klassisch in der Tanzstunde. Wie bei den meisten ehrenamtlich engagierten Männern war Helena sein Ruhepol. Drei Töchter wuchsen im Hause Safran an der Leverkuser Straße auf, und natürlich engagierte er sich auch als Elternbeirat.

Safran war ein Höchster Urgestein, bekannt wie ein bunter Hund, ein Mensch, wie sie heutzutage selten sind. Er drängte sich nie in die erste Reihe, war eigenen Angaben nach „ein Team-Mensch“. Für die Kirchenarbeit hieß das: „Ich will dem Pfarrer den Buckel freihalten, dass er sich nicht um kaputte Dachziegel zu kümmern braucht.“

Im Ruhestand genoss er die Zeit mit den Enkeln, die inzwischen groß sind. Oder war es ein Unruhestand? Was auf Rentner zukommt, besang er in seinem Lied „Mach mal des do“. Solange es noch ging, besuchte er die Sitzungen des Vereinsrings; im März war er zuletzt bei der Sitzung von Vorstand und Beirat der Stiftergemeinschaft Justinuskirche – viele seiner Weggefährten haben ihn damals das letzte Mal gesehen.

Hinterlassen hat Safran viele Lieder über Höchst, sogar in CD-Form, aufgenommen auf dem Höchster Hausboot „Venus“, wo sonst nur Rock- und Blues-Bands spielen. Sein Lied „Die aale bunte Häusercher“ über die Höchster Altstadt oder „Am aale Kran“ werden für die meisten Ur-Höchster für immer Klassiker bleiben.

Die Trauerfeier beginnt am Mittwoch, 27. April um 10 Uhr in St. Josef, Hostatostraße 12, die Beisetzung um 12 Uhr am Friedhof Kurmainzer Straße.

(hv)

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