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Sie sind für den Nachtflohmarkt extra aus Fulda angereist: Lena Mödl und Victoria Klumpp suchen nach coolen Klamotten.

Für Langschläfer

Schnäppchenjägerbummeln über den Nachtflohmarkt

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Nachtflohmärkte sind für Langschläfer eine Alternative zu den vielen morgendlichen Veranstaltungen. Regelmäßig gibt es im Kasino der Jahrhunderthalle Flohmärkte, die ihre Türen erst am frühen Abend öffnen. Es ist ein Trend, der mittlerweile viele Fans hat.

Schon bald geht es für Julia Gennat beruflich nach Südafrika. Bevor sie die Reise antritt, hat die junge Frau noch einmal ordentlich ihren Kleiderschrank ausgemistet. Beim Nachtflohmarkt im Kasino der Jahrhunderthalle präsentiert sie kistenweise Kleidungsstücke für jede Jahreszeit. Die Tische sind gut gefüllt, Jacken und Blusen hat sie auf einen extra Kleiderständer gehängt. Gennat ist gut vorbereitet, hat Getränke mitgebracht und eine große Dose mit Gummibärchen.

Die Besucher sind überwiegend junge Frauen, die am Stand von Julia Gennat eine große Auswahl finden. „Gibt es eine Möglichkeit, dass ich die Sachen anprobieren kann“, fragt eine Besucherin. „Kein Problem. Lass mir einfach einen Pfand da und Du kannst die Teile in der Damentoilette anprobieren“, antwortet Gennat. Gesagt, getan.

„Der Vorteil eines Nachtflohmarktes ist, dass das Publikum viel jünger ist als bei einem regulären Flohmarkt“, findet Julia Gennat. Und die Uhrzeit sei für Aussteller und Besucher auch viel angenehmer. Der erste Andrang ist um 20 Uhr nach knapp zwei Stunden Markt bereits vorbei. Und damit auch das Gedränge vor den Ständen. Die ersten Schnäppchenjäger sind bereits abgezogen, die späteren Besucher schlendern gemütlich durch die Gänge und lassen sich beim Stöbern Zeit.

„Ich kaufe auch nicht immer neu, sondern vieles auf Flohmärkten und in Secondhand-Läden“, erzählt Gennat und fügt hinzu: „Um modische Trends mitzumachen, muss man nicht immer neu kaufen.“ Alternativ zu einem Flohmarkt zu gehen, sei mittlerweile für viele ebenfalls zu einem Trend geworden.

Veranstalter des Nachtflohmarktes im Kasino der Jahrhunderthalle ist Joachim Weiß, der mit seiner Jahrzehnte langen Erfahrung auf diesem Gebiet dort noch einen weiteren Flohmarkt zu außergewöhnlicher Zeit, die „Mädchenklamotte“, organisiert. Dazu kommen ein Antikmarkt sowie zweimal wöchentlich, immer donnerstags und samstags, der reguläre Flohmarkt auf den Parkplätzen vor der Jahrhunderthalle. Ganz zufrieden ist Weiß an diesem Abend nicht. Es gibt noch Platz für Aussteller und damit Lücken im Raum des Kasinos.

Am Stand von Jacky Praxl und Yannick Hainbach stehen Stephanie Rappelt und Lisa Elbert. „Unsere Freunde haben Spätdienst und wir bummeln über den Flohmarkt“, sagen sie. Die beiden freuen sich auf einen lustigen Abend. Stephanie Rappelt hat auch gleich etwas Nützliches gefunden – eine kleine Tasche, die in ihrer Form an ein größeres Portemonnaie erinnert. „Da kann man alles hineinpacken, was man braucht“, sagt sie und öffnet das Accessoire. Die kleine Tasche hat verschiedene Aufteilungen, etwa für das Handy oder den Ausweis. Ganze 50 Cent soll sie kosten. Bei diesem Schnäppchenpreis überlegt Rappelt nicht lange und greift zu.

„Die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind in den Medien präsent. Man ist heute viel stärker hierfür sensibilisiert“, finden die beiden jungen Frauen. Werden Klamotten, Accessoires und andere Gegenstände auf dem Flohmarkt angeboten, so bekämen diese mit dem Kauf eine zweite Chance.

Für Praxl und Hainbach ist es eine Möglichkeit, nicht mehr benötigte Dinge loszuwerden. Die meisten Teile kosten nur 50 Cent oder 1 Euro. Das Paar spart für einen Urlaub, der Flohmarktverkauf soll ein wenig dazu beitragen.

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt auch Patrick Finkel. Seit einem Jahr betreibt er einen kleinen Secondhand-Laden in der Nähe des Walldorfer Bahnhofs und kauft hierfür Musik-CDs. „Die Leute werfen heute reichlich Sachen weg, obwohl vieles davon ein zweites Leben verdient hätte“, findet er.

Eine weite Anfahrt haben Lena Mödl und Victoria Klumpp auf sich genommen, um dabei zu sein. „Wir haben über Facebook davon gehört und sind aus Fulda mit dem Zug hierher gefahren.“ Märkte wie diesen gebe es in Fulda nicht, vor allem keinen mit so viel Kleidung. „Da wird hauptsächlich altes Porzellan angeboten und das interessiert uns nicht“, sagen die beiden.

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