Das sind die gesammelten Werke von jenen roten Briefwahlumschlägen, die am 1. März nicht ins Ergebnis der Schwalbacher Bürgermeisterwahl eingeflossen sind. Die Wahlvorstände entdeckten Formfehler, die sie dazu zwangen, diese Stimmen auszusortieren. Fotos: NIetner (2), Stadt Schwalbach
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Das sind die gesammelten Werke von jenen roten Briefwahlumschlägen, die am 1. März nicht ins Ergebnis der Schwalbacher Bürgermeisterwahl eingeflossen sind. Die Wahlvorstände entdeckten Formfehler, die sie dazu zwangen, diese Stimmen auszusortieren. Fotos: NIetner (2), Stadt Schwalbach

Bürgermeisterwahl 

87 Wahlbriefe und 28 Stimmzettel ungültig – Aufkleber und 

  • vonAndreas Schick
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Bei der Bürgermeisterwahl in Schwalbach wurden einige Stimmen abgegeben, die nicht gezählt werden konnten – wegen Mehrfach-Kreuzchen und Eintracht-Stickern. 

Schwalbach - Der Tag der Entscheidung rückt näher. Alexander Immisch (SPD) und Dennis Seeger (CDU) sind mitten im Endspurt und reißen sich noch mal ein Bein aus, um für sich zu werben. Die Stichwahl am Sonntag, 15. März, wird zeigen, wer im Juni dieses Jahres die Nachfolge von Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) antritt. Der leicht favorisierte Sozialdemokrat und der Bewerber der Union kämpfen um jede Stimme.

Umso bitterer ist es, wenn manche Stimmen gar nicht ins Ergebnis einfließen. Wie kommt das? "Bei der Bürgermeisterwahl am 1. März hat eine relativ hohe Zahl an Wahlberechtigten von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch gemacht", erläutert das städtische Wahlamt, dem Alexander Barth vorsteht. "Rund ein Viertel der Wählerinnen und Wähler ging nicht ins Wahllokal, sondern füllte schon vorher den Stimmzettel aus." Dies stelle im Vergleich zur Bürgermeisterwahl 2014 eine deutliche Zunahme bei der Briefwahl dar, während die Wahlbeteiligung insgesamt nur um zwei Prozent gestiegen sei.

Schwalbach Bürgermeisterwahl: "So viele Stimmen aussortiert wie nie"

Wahlleiter Alexander Barth sieht das mit einen lachenden und einem weinenden Auge, denn die Zahl der falsch ausgefüllten oder verpackten Briefwahlunterlagen hat "noch deutlich stärker zugenommen". Er teilt mit: "Bei der Auszählung der Briefwahl mussten diesmal 87 rote Wahlbriefe beanstandet und aussortiert werden, so viele wie noch nie zuvor. Viele Wählerstimmen konnten daher nicht in das Wahlergebnis einfließen." Sein Appell an all die Wahlberechtigten, die für die Stichwahl Briefwahlunterlagen bestellt haben und noch beantragen werden, lautet: "Beachten Sie bitte aufmerksam die mitgeschickte Anleitung und die Hinweise auf den Briefumschlägen." Eigentlich sei die Briefwahl nicht schwierig. Voraussetzung sei, sich kurz mit der Anleitung vertraut zu machen. Das System mit den zwei Umschlägen stelle das Wahlgeheimnis zuverlässig sicher, wenn der persönlich adressierte Wahlschein im äußeren - dem roten - Umschlag liegt.

Schwalbach Bürgermeisterwahl: Ohne unterschriebenen Wahlschein geht nichts

"Leider wurden aber etliche Wahlscheine mit der Angabe von Name und Adresse mit zum Stimmzettel gepackt oder überhaupt nicht beigefügt", bedauert das Wahlamt. "Nur anhand des Wahlscheins kann der Briefwahlvorstand aber sicherstellen, dass die Wahlberechtigung besteht und jeder nur einmal wählt."

Amtsleiter Alexander Barth steht in einem Briefwahl-Lokal und präsentiert einen roten Briefwahlumschlag.

Ebenso viele Wählerinnen und Wähler, so hebt die Stadtverwaltung hervor, haben vergessen, die "Versicherung an Eides statt" auf dem Wahlschein zu unterschreiben. Auch dann sei der Wahlschein ungültig, so dass der beigefügte blaue Stimmzettelumschlag nicht in die Wahlurne gelangen darf. Rund sechs Prozent der Wahlbriefe mussten daher bei der Stimmenauszählung unberücksichtigt bleiben. Die Abstände zwischen den vier Bewerbern waren am 1. März so groß, dass diese ungültigen Stimmen nicht ins Gewicht fielen. Aber bei einem knappen Wahlausgang können im Einzelfall auch wenige Stimmen den Ausschlag geben. Bürgermeisterin Christiane Augsburger hofft, dass die Briefwahlvorstände am nächsten Sonntag nicht so viele Wahlbriefe aussortieren müssen: "Es wäre zu schade, wenn wieder so viele Stimmzettel der Wählerinnen und Wähler umsonst abgegeben würden, weil sie nicht mitgezählt werden dürfen." Im ersten Durchgang am 1. März bekam Alexander Immisch die meisten Stimmen (37 Prozent). Stichwahl-Teilnehmer Dennis Seeger folgte auf dem zweiten Platz (27,8). Der parteilose Marcus Gipp (21) und die Grünen-Kandidatin Katja Lindenau (14,2) erreichten die Plätze 3 und 4 und schieden aus. hk/ask

Wählen ist ein Kinderspiel. Kreuzchen setzen und fertig! Oder? Es kommt darauf an. Einige Dutzend Bürger, die sich bei der Bürgermeisterwahl für die Briefwahl entschieden hatten, kamen mit dem System von zwei Umschlägen und Wahlschein nicht klar. Deswegen haben das städtische Wahlamt Schwalbach und sein Leiter Alexander Barth noch einmal dargelegt, was zu beachten und zu tun ist, damit alles vollständig ist und korrekt abläuft.

Schwalbach Bürgermeisterwahl: Manche Leute machten vier Kreuzchen

Wer das Wahlergebnis studiert, stolpert aber auch über eine weitere Zahl. 28 Stimmzettel, die bei am Sonntag der Bürgermeisterwahl (1. März) in den Urnen landeten, sind ungültig. Barth teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit: "Diese 28 als ungültig gezählten Stimmzettel bei der Bürgermeisterwahl waren sehr eindeutig. Davon waren fast alle entweder ungekennzeichnet oder mit 4 Kreuzen abgegeben worden." Das Foto unten zeigt einen solchen Wahlzettel. Barth erläutert mit einem Augenzwinkern: "Diese Wähler/Wählerinnen wollten sich ganz offensichtlich enthalten oder konnten sich bei der hochkarätigen Auswahl einfach nicht entscheiden." Die Zahl von 28 ungültigen Stimmzetteln sei eher gering, betont der Amtsleiter und zieht Vergleichszahlen heran: "40 ungültige Stimmzettel waren es bei der Europawahl 2019." 72 Mal hieß es bei der Bundestagswahl 2017 "ungültig". Barth weiter: "Bei der Bürgermeisterwahl 2014 wurden 64 ungültige Stimmzettel gezählt." Es gab also Leute, die beim ersten Durchgang am 1. März in jeden der vier Kreise ein Kreuzchen setzten. "Nur auf sehr wenigen Stimmzetteln fanden sich zwei Kreuze", weiß der Chef des Wahlamtes. In einem Fall wurde das Kreuz genau zwischen zwei Kandidaten gesetzt, "so dass eine Wahlentscheidung nicht erkennbar war".

Seit längerem findet sich bei Wahlen in Schwalbach stets ein Wahlzettel mit Eintracht-Aufkleber. Dass jemand etwas auf die Stimmzettel kritzelt, kommt gelegentlich vor. Mitunter wird es beleidigend. Doch solche Fälle hielten sich nach Angaben der Verwaltung diesmal in Grenzen. Auf einem Zettel fand sich das Wörtchen "Idioten". Welchen Sinn eine solch wenig geistreiche Anmerkung haben soll, erschließt sich vermutlich nur dem Schreiberling, der dahintersteckt. 

ask

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