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In bewegten Zeiten fällt es schwer, aus sich rauszugehen. Aber Alexander Immisch, seine Frau Valerie und die Kinder freuen sich am Stichwahl-Abend trotzdem über Papas Sieg. Im Juni tritt er sein Amt an und hat dann ganz sicher noch mit der Coronavirus-Krise zu tun.

Schwalbach

Nach der Stichwahl: Neuer Bürgermeister tritt Amt im Juni an

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Die Virus-Krise dämpft die Stimmung beider Bewerber, dennoch richten Wahlsieger und -verlierer den Blick nach vorne. In der Stichwahl konnte sich ein Kandidat entgegen dem Bundestrend seiner Partei durchsetzen.

Schwalbach - Nancy Faeser kann in der politischen Debatte schon mal angriffslustig werden und klare Worte verlieren. Aber die in Schwalbach beheimatete SPD-Politikerin weiß auch, was sich gehört. Als sie dem Verlierer der Bürgermeister-Stichwahl gegenübersteht, spricht die Genossin dem CDU-Kandidaten Dennis Seeger (39) Anerkennung aus. Das fällt jemandem, der auf der Seite von Wahlsieger Alexander Immisch (SPD) steht, im Moment des Erfolgs vielleicht leicht. Aber selbstverständlich sind Faesers Worte für Dennis Seeger nicht. Die erfahrene Kommunal- und Landespolitikerin attestiert dem Christdemokraten ein "tolles Ergebnis" und einen fairen Wahlkampf. Seegers 45,7 Prozent vom Stichwahl-Sonntag sind ein beachtlich gutes Resultat, das aber nicht ausreichte, um Immisch (54,3) die Stirn zu bieten. Doch wer das Miteinander zwischen Faeser, Immisch und Seeger beobachtet, könnte schnell folgern, dass sich da zwei Parteien näherkommen, die in Schwalbach über viele Jahre hinweg distanziert einander gegenüber standen.

Seeger sagte gestern, er könne auch zwei Tage nach der Stichwahl sagen, er sei "sehr glücklich mit dem Ergebnis", auch wenn es die Niederlage bedeutet. "Ich wollte Bürgermeister werden", sagt der CDU-Bewerber klipp und klar. Das ist nicht gelungen. Doch die Zeit von der Nominierung im Mai 2019 bis zum Beginn des Wahlkampfs und zu den Wahlen war für Seeger "eine große Erfahrung", die er nicht missen wolle und die ihn weiterbringe. Er bekräftigte, bei der Kommunalwahl 2021 für die CDU anzutreten.

"Gutes SPD-Ergebnis gegen Bundestrend"

Bei der Stichwahl sackte die Beteiligung auf 47,1 Prozent ab. Das waren 7,1 Punkte weniger als im ersten Durchgang am 1. März, als Marcus Gipp (parteilos) und Katja Lindenau (Grüne) ausschieden. Dass zahlreiche Gipp- und Lindenau-Anhänger keinen der verbliebenen Kandidaten wählen würden, war zu erwarten. Aber mancher Beobachter fürchtete, die Virus-Krise könne dazu führen, dass noch weniger als 47,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgeben würden. Dieses Szenario blieb aus.

Wer die absoluten Zahlen vergleicht, stellt fest, dass beide Stichwahl-Teilnehmer stark zulegten. Immisch schraubte sich um 593 auf 2781 Stimmen hinauf. Seeger darf ein Plus von gar 695 Stimmen verweisen und landete bei 2338. Da Immisch aber von einem höheren Niveau aus startete, vermochte der Christdemokrat nicht, seinen Konkurrenten zu überrunden. Seeger hatte die Hoffnung, bei Gipp- und Lindenau-Wählern noch "etwas mehr abholen" zu können. Sie erfüllte sich nicht. Nur dann hätte es zum Sieg gereicht. Auf die Art, wie er mit der CDU den Wahlkampf geführt, und mit den Themen, die er gesetzt habe, wolle er weiter Politik betreiben und den Kommunalwahlkampf angehen. Gleichzeitig will der Polizeihauptkommissar und Diplom-Verwaltungswirt seinen Master-Studiengang beenden.

Dennis Seeger hat am Abend der Wahlniederlage sein Lachen nicht verloren. Wer könnte ihn besser trösten als seine Frau Juliane? Im Hintergrund steht CDU-Kreisgeschäftsführerin Heike Seibert, die ihren Parteikollegen im Wahlkampf engagiert unterstütze.

Der künftige Bürgermeister Alexander Immisch hat seinen ersten Tag als Rathauschef am 7. Juni. Am Montag, 8. Juni, rückt er im Rathaus ein. Die offizielle Einführung ist für den 27. Mai geplant. Immisch sagte gestern, er versuche nach wie vor, seinen Sieg und all das Wahlgeschehen "ein bisschen zu verwirklichen". Er gönnte sich am Montag noch einen freien Tag und arbeitet seit gestern wieder (Home-Office).

Die Stimmung am Stichwahl-Sonntag war alles in allem reserviert, obwohl die wenigen Sozialdemokraten, die im Bürgerhaus zugelassen waren, kurzzeitig ein Sieges-Lied anstimmten. Der Betriebswirt Immisch räumte gestern ein, dass es ihm fehlte, Leute auch mal "fest und herzlich zu umarmen". Die Coronavirus-Krise erzwingt Verhaltensregeln, die von Gewohnheiten abweichen - Abstand halten ist angesagt.

Dass sein Mitbewerber Dennis Seeger der Schwalbacher Stadtpolitik erhalten bleiben will, begrüßt Immisch: "Ich würde mich freuen, wenn er das macht." Immisch erzählte, dass sie einander bekannt seien und einander schätzen. Seeger habe einen angenehmen und an der Sache orientierten Wahlkampf geführt.

Bernhard Veeck, SPD-Fraktionschef in Eschborn, gratulierte Immisch und folgerte: "In Schwalbach zeigte sich erneut, dass die SPD auf der kommunalen Ebene jederzeit in der Lage ist, gute Ergebnisse auch gegen den Bundestrend einzufahren. Wir werden auch künftig mit den anderen Ortsvereinen zusammenarbeiten, um die SPD im Main-Taunus-Kreis wieder nach vorne zu bringen." 

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