In diesem Wohnhaus in Schwalbach ist am Freitag eine Frau ums Leben gekommen.
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In diesem Wohnhaus in Schwalbach ist am Freitag eine Frau ums Leben gekommen.

Mit Schwertern bewaffnet

Frau in Schwalbach getötet: Der Ort hat eine blutige Vergangenheit

  • vonKristiane Huber
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Nach einer Bluttat in Schwalbach am Taunus nimmt die Polizei einen Tatverdächtigen fest. Der Vorfall weckt Erinnerungen an einen Serienmörder – aus dem gleichen Ort.

Schwalbach – Am Donnerstagabend, 11. März, gegen 20.30 Uhr haben sich in einem Wohnhaus am Ostring dramatische Szenen abgespielt, die zum Tod einer 59-jährigen Schwalbacherin geführt haben. Nach Auskunft des Polizeipräsidiums Westhessen waren in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus der 59-jährige Wohnungsinhaber und ein 25-jähriger Bekannter zusammen gekommen, die Alkohol konsumieren. Die 59-jährige Bekannte beider Männer kam im Verlauf des Abends hinzu.

"Gegen 20.30 Uhr hat der 25-Jährige ein Stichwerkzeug hervorgeholt und unvermittelt auf die 59-Jährige eingestochen", sagt Polizeioberkommissar Johannes Neumann, der Pressesprecher für den MTK im Polizeipräsidium Westhessen, zur Aussage des Wohnungsinhabers, der sofort die Polizei alarmierte. Das ganze Geschehen spielte sich zwischen dem Ostring 9 und 11 ab, wobei eine Adresse der Tatort und die benachbarte Adresse der Festnahmeort ist. Denn der Tatverdächtige, der in Bad Soden lebt, flüchtete sich nach dem Angriff auf die Frau ins Nachbarhaus, wo seine Eltern wohnen.

Bluttat in Schwalbach: Frau erliegt ihren Verletzungen am Tatort

"Beim Zugriff hatte die Polizei dort ein ,Worst-Case-Szenario' zu bewältigen, weil der geflüchtete Tatverdächtige mit zwei Schwertern in der Hand in der elterlichen Wohnung, zum Tatort benachbarten Wohnung, angetroffen wurde", berichtet Polizeipressesprecher Neumann. "In solchen Fällen ist die Verletzungsgefahr für weitere Personen akut, aber der Tatverdächtige konnte durch ein Handgemenge überwältigt werden", so Neumann. Gegen 21.20 Uhr erfolgte die Festnahme.

Die 59-Jährige, die Opfer der Tat wurde, erlag ihren Stich- und Schnittverletzungen noch am Tatort - trotz sofortiger notfallmedizinischer Betreuung. Über den Tatverdächtigen ist außer Alter und Wohnort bisher nur bekannt, dass er deutscher Nationalität ist, und bisher mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten war. Seine Eltern wurden am Tatabend in Gewahrsam genommen, sind aber wieder auf freiem Fuß. Am gestrigen Freitag wurde der Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt. "Über ein Motiv der Tat ist noch nichts bekannt", sagt Pressesprecher Neumann gestern gegenüber dieser Zeitung. Die Schwerter sollen nicht die Tatwaffe gewesen sein.

Schwalbach hat eine dunkle Geschichte: "Hessen-Ripper" Manfred Seel

Schwalbach ist ein beschaulicher Ort mit 15 000 Einwohnern vieler Nationalitäten zwischen Taunus und der Metropole Frankfurt: Ein lebendiger Wohnort mit viel ehrenamtlichem Engagement und prosperierender Wirtschaft. Eine normale, sogar aufstrebende Stadt im Ballungsraum Rhein-Main. Dennoch ist die Stadt schon einmal wegen schwerstem Verbrechen in die Schlagzeilen geraten, die mit dem aktuellen Geschehen zwar überhaupt nichts zu haben, dennoch die Stadt mit Mord in Verbindung bringen.

Obwohl die aktuelle Tat wie auch die damaligen Ereignisse mit der Stadt an sich nichts zu tun haben, haben sie sich dort ereignet. Hinter normalen Familien- und Wohnsituationen können sich in jeder Nachbarschaft Abgründe auftun, überall und jederzeit: Streitigkeiten, die eskalieren, oder Menschen, deren Doppelleben auffliegt. In Schwalbach gab es ein Doppelleben, das nicht nur banale Affären, sondern Mordtaten offenbarte. Als "Hessen-Ripper" oder "Jack the Ripper von Schwalbach" wurde Manfred Seel betitelt. Ein Schwalbacher Familienvater, Musiker und beliebter Bürger, dessen Tochter beim Aufräumen einer Garage nach seinem Tod 2014 Leichenteile in Tonnen vorfand. Sie informierte die Polizei nach dem entsetzlichen Fund. Bis zu fünf bis zehn Morde werden Seel seit dem Jahr 1971 angelastet. Seels Morde sollen sich auf Frauen, vorwiegend auf Prostituierte konzentriert haben, bei denen er zusätzlich Organ- und Körperteil entnommen haben soll.

Verdacht der Beteiligung von „Hessen-Ripper“ an Tötung von Schüler Tristan

Manfred Seel war auch in Verdacht bei der Tötung des Schülers Tristan in Höchst beteiligt gewesen zu sein, der Mord machte bundesweit Schlagzeilen und kam in TV-Sendungen "XY-Ungelöst" vor. Seine Täterschaft hat sich in diesem Fall jedoch nicht bestätigt. Die Polizei ermittelt immer noch, was auf das Konto des braven Schwalbacher Bürgers Seel geht.

Über die Hintergründe des aktuellen Tötungsdeliktes in Schwalbach wollen Polizei und Staatsanwaltschaft weitere Informationen veröffentlichen, sobald sich neues Erkenntnisse ergeben.

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