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Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv

Prozess am Amtsgericht

Aufpasser zahlt für seine „Doofheit“

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Sein Verteidiger behauptet, dass es sich beim 23-Jährigen, der sich nun vor Gericht wegen eines Einbruchs in den Kiosk am Schwalbacher Marktplatz verantworten musste, um „einen anständigen Jungen“ handelt. Staatsanwältin und Richterin sahen das ein bisschen differenzierter.

Inzwischen ist er dicht. Anwohnern war der Kiosk am Schwalbacher Marktplatz ein Dorn im Auge, wie sie hinter vorgehaltener Hand immer wieder berichten. Denn das Gelände davor avancierte zu einem Treffpunkt für eine Klientel, die immer wieder Probleme machte. Seit dem vorigen Jahr ist der Kiosk aber geschlossen. Verkauft wird hier nichts mehr. Das war im Dezember 2016 noch anders. Da machten sich drei Einbrecher über den Kiosk her.

Die Polizei berichtete damals, dass eines Nachts drei Männer den Rollladen hochschoben und ein Fenster dahinter einschlugen. Kurz darauf rannten die Ganoven mit einem Karton weg, so hieß es. Zwei der Täter wurden als auffallend klein und schmal beschrieben. Sie hatten laut Zeugen schwarze Sturmhauben über dem Kopf und waren schwarz gekleidet. Der dritte Täter wurde als „südländisch“ aussehender Mann, kräftig und schwarz bekleidet beschrieben.

Nun landete der Fall vor dem Amtsgericht Königstein, wo einer der mutmaßlichen Einbrecher sich verantworten musste. Dass Zigaretten weggekommen sind, gab Rechtsanwalt Axel Kollbach im Namen seines Mandanten zu. Bei der Höhe der angeblichen Schadenssumme von 3275 Euro habe der Kioskbetreiber sich wohl doch vergaloppiert. So viele Zigaretten könne kaum jemand in der kurzen Zeit des Einbruchs davontragen.

Der Mandant (23) des Verteidigers ist einer des Trios. Die Staatsanwaltschaft nahm ihm ab, dass er nur Schmiere gestanden habe. Die beiden Komplizen sind noch nicht gefasst.

Der Angeklagte gab zu, beim Einbruch dabei gewesen zu sein. Er betonte aber auch, dass er nur draußen aufgepasst habe. Erst habe er gar nicht mitmachen wollen. Er habe sich erst einverstanden erklärt, nachdem er von den beiden anderen mit Sätzen wie „Stell’ dich nicht so an, dir passiert ja nichts“ bedrängt worden war. Für den Fall, dass die Einbrecher gestört würden, sollte er „pfeifen, oder so“. So kam’s: Die Fensterscheibe klirrte, aufgeschreckt eilte eine Anwohnerin auf ihren Balkon, um nach dem Rechten zu schauen. Ihre Aussage, die sie bei der Polizei machte, wurde verlesen: Sie sah, wie zwei Männer einen 30 mal 40 Zentimeter großen Karton aus dem Kiosk trugen. Sie entdeckte auch den Mann, der Schmiere stand.

Vor Gericht wiederholte die Frau ihre Aussage nicht. Sie hatte sich krank gemeldet. Das Gericht und der Verteidiger gingen jedoch davon aus, dass die Krankheit nur vorgeschoben war: „Ist doch klar, dass die Frau nicht kommt, sie kennt den Angeklagten und hat Angst.“

Der Verteidiger bezeichnete seinen Mandanten als „anständigen Jungen“. Der 23-Jährige habe an dem Abend mit den beiden anderen, deren Namen er nicht nennen wolle („Sonst kriegt er Stress“), herumgehangen und sei dann, „doof, wie er ist“, mitgegangen. Sie hätten „einen gebraucht, der aufpasst“. Der Schwalbacher habe auch nur einen kleinen Teil der zum späteren Verkauf gedachten Beute bekommen – 200 Euro, per Vorkasse. Er wusste also auch gar nicht, wie hoch die Beute tatsächlich war. Vermutlich gehe es aber um kaum mehr als 1000 Euro.

Der Verteidiger wollte klarmachen, dass sein Mandant keinen Einfluss auf das Tatgeschehen gehabt habe. 140 Tagessätze zu 10 Euro, damit könne es sein Bewenden haben, Haft bedürfe es da nicht unbedingt.

Das sah die Richterin anders. Sie verurteilte den jungen Mann wegen gemeinschaftlichem Einbruchsdiebstahls zu sechs Monaten Haft. Sie setzte die Strafe zur Bewährung aus. Der Angeklagte muss als Bewährungsauflage 800 Euro an eine Polizeistiftung zahlen. Die drei Männer seien arbeitsteilig nach einem zuvor gemeinsam gefassten Tatplan vorgegangen, begründete die Richterin ihr Urteil, das dem Antrag der Staatsanwältin entsprach. Der Angeklagte habe seinen Anteil geleistet, wenn auch „nur“ dadurch, dass er Schmiere stand.

Dass er der offenbar verängstigten Zeugin durch sein Geständnis eine Aussage vor Gericht erspart habe, müsse ihm zugute gehalten werden. Deshalb liege die Strafe trotz erheblicher Voreintragungen – Körperverletzung, Diebstahls und versuchter räuberischer Erpressung – im unteren Bereich.

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