Vize bedauert "Missverständnisse"

Ausländerbeirat will nichts verbieten

  • vonAndreas Schick
    schließen

Dürfen Schwalbacher Veranstaltungen mit dem Ramadan kollidieren? Lässt es sich vermeiden? Es gibt nun eine Klarstellung zu dem Vorschlag, der erst nur den Islam erwähnte.

Sollen die Stadt Schwalbach und ihre Kulturkreis GmbH Rücksicht nehmen auf muslimische Feste und Feiertage, wenn sie Termine festzurren? Diese Frage hat eine Kontroverse ausgelöst, die zu einigen Leserbriefen im Kreisblatt (siehe auch unten) und zu Verunsicherung bei Organisatoren führte. Wörtlich hatte der Ausländerbeirat (ALB) mit 2:1-Stimmen beschlossen: „In Einklang mit den Ergebnissen des Schwalbacher Integrations-Workshops werden alle von den oben genannten Institutionen geplanten Veranstaltungen, die Angebote auch für Schwalbacher Bürger muslimischer Religionszugehörigkeit darstellen, so geplant, dass sie nicht in die Fastenzeit des Ramadan fallen.“

Es geht in dem Vorschlag, den die Stadtverordneten noch beraten müssen, ausschließlich um den Islam. Von anderen Religionen ist nicht die Rede. Nun hat sich nochmals ALB-Vize Bilal Akdeniz zu Wort gemeldet. Er hat eine schriftliche Erklärung verschickt. Darin steht: „Durch Presseveröffentlichungen der letzten Tage haben wir erkannt, dass der Antrag Missverständnisse möglich macht. Wir bedauern, durch unsere Formulierung bei einigen Mitbürgern für Irritationen gesorgt zu haben.“ Akdeniz teilt mit, dass der Hauptwunsch des Ausländerbeirats darin bestehe, „auch in den Jahren 2017 und 2018 allen interessierten Schwalbacher Bürgern die uneingeschränkte Teilnahme am Altstadtfest zu ermöglichen“. Akdeniz weiter: „Nach dem derzeitigen Terminierungsschema (Wochenende nach Pfingsten) würde in diesen beiden Jahren eine Überschneidung mit Ramadan gegeben sein. Könnte nicht für diese beiden Jahre über Alternativtermine nachgedacht werden?“

Zum Tag der Vereine am 20. Juni ist festzustellen, „dass wir dieses Thema zu spät aufgegriffen haben. Bei der Planung des Mittelwegfestes 2014 konnten wir durch Teilnahme an den Vorbereitungstreffen mit Erfolg dazu beitragen, dass weder ein Terminkonflikt mit dem Ramadan noch mit anderen wichtigen Schwalbacher Veranstaltungen entstand.“ Akdeniz versichert: „Der Ausländerbeirat hat nie vorgehabt, Veranstaltungen wie den Sommertreff, den Weihnachtsmarkt, Faschingsveranstaltungen usw. zu verbieten. Nichts soll verboten werden. Es geht uns vielmehr darum, möglichst vielen in Schwalbach lebenden Menschen, gleich welcher Herkunft und Religion, die Teilnahme an möglichst allen hier stattfindenden Veranstaltungen zu erleichtern!“ Bilal Akdeniz vertritt im Ausländerbeirat die Gruppe „ISL-DAGS-Gruppe“. ISL steht für „Internationale Schwalbacher Liste“; DAGS ist die Deutsch-Ausländische Gemeinschaft Schwalbach, die sich seit 1988 für Integration einsetzt. Vermutlich haben DAGS-Vertreter Akdeniz maßgeblich dabei unterstützt, die Presseerklärung zu formulieren, da der ALB-Vize Deutsch spricht, aber nicht ganz sattelfest ist.

Die Grünen hatten dafür plädiert, „den problematischen Ansatz eines städtisch verordneten Ramadan wieder aufzugeben, weil dadurch Ressentiments eher geschürt als abgebaut werden“. Die anderen Fraktionen äußerten sich bislang nicht öffentlich.

(ask)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare