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Lutz Ullrich mit dem ?Citymord?

Literatur

Autor Lutz Ullrich präsentiert seinen neuen Krimi

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Geldwäsche im Fußball hat den Anwalt und Vereinsvorsitzenden auf die Geschichte für den „Citymord“ gebracht.

Im Strandclub „Citybeach“ über den Dächern Frankfurts treibt eine nackte Männerleiche im Pool. Als hätte der Autor Lutz Ullrich den heißen Sommer 2018 vorausgeahnt, stöhnt die Mainmetropole in seinem neuesten Krimi unter der Hitze. Im bereits neunten Fall seines Ermittler-Duos Tom Bohlan und Julia Will – dem neuesten Buch „Citymord“ – fasst Lutz Ullrich auch thematisch wieder ein heißes Eisen an.

Schnell stellt sich heraus, dass der Tote als „Spielervermittler“ in dubiose Machenschaften im lukrativen Milliarden-Geschäft mit dem Fußball verwickelt war. Der 49-jährige Lutz Ullrich schreibt Krimis, die in seiner Geburtsstadt Frankfurt angesiedelt sind, mit seiner Familie lebt er jedoch seit Jahren in Schwalbach. Wie hat es einen Ur-Frankfurter nach Schwalbach verschlagen? „Die Familie meiner Frau kommt hierher. Und Frankfurt ist so nah“, sagt der zweifache Vater.

Mit dem Moped kommt er zum Kreisblatt-Gespräch. Ganz unprätentiös ist er in seiner ganzen Art. Als Nachrücker ist er nach der Kommunalwahl 2016 auch Stadtverordneter in Schwalbach geworden. Für die SPD. Er knüpft damit an ein politisches Engagement in jungen Jahren an, als er in den 1990er-Jahren Juso-Sprecher in Frankfurt war. Danach hatten die Familiengründung und der Beruf Priorität.

Lutz Ullrich hat eine Anwaltskanzlei in Frankfurt. „Mit Mord und Totschlag beschäftige ich mich da nicht, ich bin Zivilrechtler“, sagt er. Bei seinen Krimi-Themen ist unverkennbar, dass Lutz Ullrich ein politischer Kopf ist „und auch mit dem Berufsziel Journalismus geliebäugelt hat“, wie er verrät.

„Mein Aufhänger ist eigentlich immer ein aktuelles Thema aus Politik, Gesellschaft oder Wirtschaft – regional angebunden“, sagt er. In einem früheren Krimi „Tödliche Verstrickung“ geht es beispielsweise um die Steuerfahnder-Affäre in Hessen. So findet er in der Regel auch seine Themen: über Sachbücher oder Zeitungsberichterstattung. „Das gärt dann in meinem Kopf, bis eine gute Geschichte dazu Gestalt annimmt“, sagt er. Für „Citymord“ war ein Buch über Geldwäsche im Fußball der Auslöser.

„Als Erstes brauche ich eine Leiche“, beschreibt der Autor seine Arbeit. Wer warum stirbt legt er am Anfang fest, auch den Mörder hat er schnell im Kopf. „Dann baue ich ein Handlungsgerüst mit viel Spielräumen beim Schreiben.“ Lutz Ullrich ist ein guter Beobachter und schreibt atmosphärisch dicht: Jede Szene kann man sich vorstellen.

Die skandalösen Mechanismen aus der Welt der Tatsachen schildert er dabei ebenso wie die Interaktion und Entwicklung seiner Kommissare und anderer Personen aus der Welt der Fiktion, die sich in der lokalen, bekannten Umgebung bewegen.

Manchmal erinnern die Personen auch an lokal bekannte Figuren oder Organisationen. Beim „Citymord“ spielt natürlich auch „Eintracht Frankfurt“ eine Rolle. Ob der Verein gerne in dem Zusammenhang mit dubiosen Fußballgeschäften zwischen zwei Buchdeckeln erwähnt wird?

Lutz Ullrich hat da keine Bedenken: „Bei all meinen Krimis ist es eine Gratwanderung zwischen Realität und Fiktion. Ich habe deswegen noch nie Ärger bekommen. Auch im Citymord geht es nicht konkret um die Eintracht“. Ihm ist auch wichtig, die Fußball-Fankultur zu zeigen. „Heute sind die Fans der Verein, nicht mehr die ständig wechselnden Spieler“, sagt er über die großen Fußballclubs.

Seit 15 Jahren ist Lutz Ullrich Vorsitzender des Frankfurter Vereins „TSG Nordwest 1898“ und kennt sich im Sport ein bisschen aus. Im „Citymord“ hat Kommissarin Julia Will erstmals das Sagen und die Lokaljounalistin Hannah Wollenberg spielt eine tragende Rolle.

Dass Regional-Krimis derzeit in Mode sind, war für den Autor kein Kriterium, hier einzusteigen. „Ich mag Krimis und meine Region“, ist sein Credo. Ob demnächst mal ein Schwalbacher Insider-Krimi zu erwarten ist, lässt der Autor offen.

Lutz Ullrich bietet seine Bücher inzwischen über seinen eigenen Verlag LASP mit Sitz in Schwalbach an. Infos gibt es dazu unter und unter . „Citymord“ ist für 10,95 Euro auch im Buchhandel erhältlich.

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