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Die Polizeibeamten Andreas Beese, Malte Neutzler und Michael Mayer (von links) äußerten sich gestern vor der Presse zur Brandserie. Uwe Schneider (rechts) leitet das für Schwalbach zuständige Revier in Eschborn.

Polizei bildet Sondereinheit

Beunruhigende Brandserie in Schwalbach

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Wer sind die Zündler von Schwalbach? Wer steckt dauernd Mülltonnen und Bänke an? Ist es eine Gruppe, aus der wechselweise Personen zuschlagen? Ist es ein Einzeltäter? Die Ermittler wissen es nicht. Aber eines ist klar: Die Kriminellen machen sich das verwinkelte Gelände rund um den Marktplatz und die Schulen in der Limesstadt zunutze.

Da ist er, der Generalverdacht gegen junge Schwalbacher. Der Kreisblatt-Redakteur ist nicht davor gefeit. Er befragt sie zu den kriminellen Machenschaften, die der Stadt seit dem vorigen Jahr zu schaffen machen. Kennen sie die vorwiegend jungen Leute, die 2017 durch Raubdelikte, Drogengeschäfte, Sachbeschädigung und Pöbeleien auffielen?

Das Duo, beide türkischstämmig, reagiert offen und alles andere als aggressiv, weicht aber einer präzisen Antwort aus. „Wir haben Arbeit“, antworten sie. Einer sagt, er sei am Flughafen beschäftigt, der andere verrät, er durchlaufe in einer Gartenbaufirma die Probezeit. , aber „wir haben mit denen nichts zu tun“. Die Angaben sind fürs Kreisblatt nicht überprüfbar. Abwehrend oder abweisend wirken die Männer nicht. Wurden sie von der Polizei schon mal überprüft? „Ja.“ Wissen sie etwas über die seit Mai 2018 anhaltende Serie von Mülltonnen-Bränden? „Nein.“

Diese Brandserie ist auf 33 Fälle angestiegen. Andreas Beese von der Kripo Hofheim sagt, der Sachschaden belaufe sich auf mehr als 50 000 Euro. Nummer 33 kam in der Nacht zum Freitag hinzu: Eine Papiertonne an der Frankenstraße stand in Flammen, in einer zweiten Tonne kokelte es schon. Verletzt wurde in allen 33 Fällen niemand.

Die Serie hat so bedrohliche Ausmaße angenommen, dass die Schwalbacher beunruhigt sind. Das ist in Gesprächen und Telefonaten spürbar. Eine zehnköpfige Sondereinheit der Polizei ermittelt. Doch wer hinter der Brandserie steckt, ist noch unklar. „Gegenwärtig ist vieles denkbar“, erläutert Andreas Beese. Es könne ein Einzeltäter sein, aber auch eine Gruppe, aus der heraus Personen wechselweise zündeln. Auch Trittbrettfahrer könnten eine Rolle spielen. „Motive für die Taten könnten Frustration, Langeweile, Pyromanie oder übersteigertes Geltungsbedürfnis sein“, mutmaßen die Ermittler.

Die Täter nutzen den Schutz der Dunkelheit, um während der Nacht- oder der frühen Morgenstunden Papier und anderen Müll anzustecken. Die Brände konzentrieren sich auf das Gelände rund um den Marktplatz, das Areal rund um die Schulen in der Limesstadt und die marktplatznahen Flächen der Siedlung. Dort gibt es viele verwinkelte Ecken mit Versteck- und Fluchtmöglichkeiten. Diese baulichen Gegebenheiten erschweren die Arbeit der Polizei, die mehr Beamte nach Schwalbach schickt sowie offen und verdeckt ermittelt.

Die Beamten befragen mögliche Zeugen, hören sich um und sehen sich um, aber die Kripo hat bis „noch keine erfolgversprechende Spur“, räumt sie ein. Sie bittet die Schwalbacher dringend um Mitarbeit. Wer verdächtige Beobachtungen macht, sollte sofort die Notrufnummer 1 10 anrufen. Wem im Nachhinein etwas dämmert, soll sich unter (0 61 92) 20 79-0 melden.

Die Ermittlungen sind ein Kraftakt, weil sie zeit- und personalintensiv sind. „Die Täter hinterlassen so gut wie keine Spuren und eine Brandlegung ist innerhalb von wenigen Sekunden abgeschlossen“, sagen die Beamten, die als Fremde in dem Gebiet schnell ausgemacht sind. Zudem sei die Spurensuche im Brandschutt extrem schwer.

Zu allem Überfluss gibt es Ärger, weil die Polizei immer wieder Personen und Fahrzeuge kontrolliert. „Das führt zu Gegenreaktionen“, berichtet Michael Mayer, Polizei-Vize im MTK. Einsatzfahrzeuge der Polizei und des Ordnungsamtes wurden mehrfach mit Eiern und Steinen beworfen. Ein Beamter wurde vor etlichen Wochen am Schienbein verletzt. Mayer spricht davon, wie respektlos Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene gegenüber den Beamten auftreten. Malte Neutzler, Leiter der Abteilung Einsatz bei der Polizei Westhessen, warnt aber „vor Spekulationen“. „Wir können aber Verbindungen nicht ausschließen. Wir ermitteln in alle Richtungen.“

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