So schrill, wie zum Beispiel die Parade beim Frankfurter Christopher Street Day, war die Version im MTK nicht, aber bunt allemal.
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So schrill, wie zum Beispiel die Parade beim Frankfurter Christopher Street Day, war die Version im MTK nicht, aber bunt allemal.

Pride Demo

Bunter Appell: "Seid authentisch!"

  • VonKristiane Huber
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Ein Erfolg: Outing Blog ist mit der Premiere der Parade zum Christopher Street Day zufrieden.

Schwalbach/Eschborn -Regenbogenfahnen, rosarote Flamingos, Musik und gesellschaftskritische Reden, aber vor allem viele fröhliche, engagierte Menschen haben die Premiere des Christopher Street Day (CSD) im Main-Taunus-Kreis zu einem Erfolg gemacht. Die spezielle CSD-Atmosphäre entsteht aus der Mixtur des gesellschaftspolitischen Kampfs um Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung und der lebensprallen Präsentation der Vielfältigkeit von Menschen in ihrer unterschiedlichen sexuellen Orientierung, der differenzierten Wahrnehmung ihrer Geschlechtsidentität und ihrer kulturellen Herkunft.

"Mit 300 Menschen, die am CSD mit der Pride-Demo in Schwalbach und Eschborn teilgenommen haben, sind wir als Veranstalter zufrieden. Ein Anfang ist gemacht, und der war phänomenal für Landkreis/-und Kleinstadtverhältnisse, in den Ähnliches so gut wie gar nicht stattfindet", sagt der 19-jährige Sven Rühl, der Vorsitzende des Vereins "Outing Blog", der das Ganze organisiert hat.

Bevor die "Pride-Parade", die zeigt, "Jeder darf sein wie er ist und darf stolz darauf sein", vom Marktplatz in Schwalbach vor dem Rathaus bis zum Rathausplatz in Eschborn ihren Weg aufnahm, gab es eine bewegende Gedenkminute. Sie galt auch allen Menschen weltweit, die mit Gewalt bedroht oder den Tod erlitten haben, einfach nur, weil sie anders lieben und leben als die Menschen in ihrer Umgebung.

Fast alle Redner machten auf den Aspekt aufmerksam, dass es immer noch Länder gibt, in den Homosexualität mit dem Tode bestraft wird, und dass insbesondere in Osteuropa Homophobie mitunter unverhohlene Staatsideologie ist. "Gemeinsam gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus. Akzeptanz für alle!" ist die Forderung des CSD im MTK.

"Jede Hand, jeder Kopf wird gebraucht um gegen Diskriminierung von Menschen vorzugehen. Rechtspopulisten und andere Gruppen sind laut, in ihrer Ausgrenzung von der Vielfalt des Menschenseins. Wir müssen genauso laut sein", sagte Sven Rühl bei der Kundgebung.

Schwalbachs Bürgermeister Alexander Immisch (SPD) betonte, in der 100-Nationen-Stadt Schwalbach sei es "gute Tradition Vielfalt als einen Gewinn für alle zu erleben und zu fördern. Niemand muss sich verstecken und Angst haben in Schwalbach, sich selbst zu sein", sagte Immisch. Er könne sich keine Stadtgesellschaft ohne Vielfalt vorstellen.

"Wichtig, dass wir sichtbarer werden"

Amelie Ludwig-Dinkel, SPD-Stadtverordnete und Co-Vorsitzende der "SPD Queer Hessen Süd" betonte auf der Kundgebung vor dem Schwalbacher Rathaus: "Wir sind viele. Und wir sind stärker als der Hass. Wichtig ist, das wir sichtbarer werden, nicht nur in den Großstädten, sondern überall." Sie beschreibt auch positive Beispiele aus Europa. In Spanien sei die "LGBTG" (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer-Comunity") längst weit vorgestoßen. "Dort werden mit Aktionen im ländlichen Raum Brücken durch Verständnis und Aufklärung gebaut", sagt sie. Amelie-Ludwig-Dinkel ist die eigentliche Ideengeberin für den ersten CSD im MTK, den der "Outing Blog" umgesetzt hat.

Die stellvertretende MTK-Kreistagsvorsitzende Julia Ostrowicki (SPD) brachte noch einen anderen Aspekt ins Rennen. "Wenn LGBTG-Themen lokal vorgebracht wurden, ist mir oft eine wohlmeinende Ignoranz entgegengebracht worden - in dem Stil, welche Sonderrechte als Minderheit wollt ihr denn noch? Wir fordern aber keine Sonderechte, sondern Menschenrechte und Gleichbehandlung", sagt Ostrowicki. "Mit dem ersten CSD im MTK gebt ihr uns als Politikern eine starke Stimme, um diese Gleichberechtigung einzufordern über Anträge, und vor allem für Projekte für Jugendliche und Schulen."

Die Freundes-Gruppe Kathie, Elliot, Yve, Ray und Karlinah kommt vorwiegend aus den Hofheimer Stadtteilen. "Für uns ist es wichtig, zu demonstrieren, dass alle sein dürfen, leben und lieben dürfen, wie es das eigene Empfinden ausmacht", sagen sie. Drag-Queen Christy Moon aus Frankfurt rief der MTK-CSD-Gemeinde zu: "Seid authentisch!"

Alexandra Wilzsche-Grafen (18) aus Bad Soden und Alina Ferro aus Eschborn (18) haben sich als Ordnerinnen für den CSD gemeldet, "weil wir das wichtig finden." Die Demo verlief ohne Zwischenfälle und coronagerecht.

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