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Christiane Augsburger (SPD) ist seit 2008 Nachfolgerin von Roland Seel (CDU), der bei der Wahl damals nicht mehr angetreten war.

Bürgermeisterin über Vandalismus in Schwalbach, Selbstkritik und mehr

Christiane Augsburger peilt eine dritte Amtszeit an

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Halbzeit für Christiane Augsburger (56): Vor drei Jahren hat die SPD-Politikerin ihre zweite Amtszeit angetreten. Einige Male ging es turbulent zu in dieser Zeit. Weitere drei Jahre liegen nun vor der Genossin, die schon jetzt verkündet, dass sie über 2020 hinaus weitermachen will.

„Bürgermeisterin meiner Heimatstadt zu sein ist für mich das schönste politische Amt, das es gibt.“ Andere Ambitionen hat sie nicht. Für Rathauschefin Christiane Augsburger (SPD) beginnt am heutigen Mittwoch die zweite Halbzeit ihrer zweiten Amtsperiode, die im Jahr 2014 begonnen hatte. Seit insgesamt neun Jahren gibt sie den Kurs für Schwalbach vor. Augsburger ziert sich nicht als Geheimniskrämerin, wenn sie jetzt schon nach der Kandidatur für eine dritte Amtszeit gefragt wird. „Nach dem heutigen Stand der Dinge werde ich mich 2020 wieder dem Wählervotum stellen“, sagt sie frei heraus.

Im Vergleich zu den ersten sechs Jahren als Rathauschefin steht die zweite Amtsperiode seit der Kommunalwahl im Frühjahr 2016 unter neuen Vorzeichen: Musste sich Augsburger während des Großteils ihrer bisherigen Amtszeit gegen eine schwarz-grüne Parlamentsmehrheit behaupten, hat die 56-Jährige seit über einem Jahr eine rot-gelbe Koalition im Rücken.

„Das macht vieles für mich einfacher“, sagt sie. In ihrer ersten Amtszeit habe sie praktisch unter Dauerbeschuss von Schwarz-Grün gestanden. „Die Kritik ging zu oft unter die Gürtellinie“, sagt sie. Augsburger bewies, dass sie trotzdem Stehvermögen hat. Sie zeigte, dass sie auch ohne Rückenstärkung den Mut zur eigenen Meinung besitzt: Denn sie unterstützte die Idee von Schwarz-Grün, das Naturbad zu bauen – entgegen dem Votum ihrer eigenen SPD-Fraktion.

In ihrer zweiten Amtsperiode musste Augsburger andere Herausforderungen stemmen. „Die Flüchtlingsströme, die ab Mai 2015 auch Schwalbach erreichten, haben uns in der Verwaltung Tag und Nacht beschäftigt, weil wir adhoc handeln mussten und eine menschenwürdige Unterbringung angestrebt haben“, sagt sie. Sie lobt die Politiker aller Parteien dafür, „dass wir an einem Strang gezogen haben“. Sie lobt die vielen hilfsbereiten Bürger, unter denen es aber auch einzelne kritische Stimmen gab, als nicht alles auf Anhieb klappte. Die Flüchtlinge leben nun in regulären Unterkünften am Westring und neben den Tennisplätzen „Am Erlenborn“. Ein anderes Projekt, das Augsburger in der ersten Hälfte ihrer neuen Amtszeit erledigt haben wollte, verlief nicht so glatt. Es entwickelte sich zum Fiasko: Schwalbach kassierte trotz gültiger Baugenehmigung vom Kreis nach einer Anwohnerklage einen Baustopp für den Tribünenneubau im Stadion. Nun muss zunächst ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.

„Ich bin ein selbstkritischer Mensch, aber ich kann nicht erkennen, dass diese Situation durch anderes Handeln meinerseits vermeidbar gewesen wäre“, sagt sie. Dass eine Front zwischen einigen Anwohnern und der Stadt entstanden ist, schmerzt sie. „Mein Ehrgeiz als Bürgermeisterin ist es immer, Kompromisse zu finden, mit denen alle Bürger gut leben können“, versichert Augsburger. Da gibt es beim Stadion aber noch viel zu tun.

Doch Augsburger hat noch mehr vor, als dieses Problem zu lösen. Für die zweite Hälfte ihrer aktuellen Amtszeit hat sie mehrere Themen im Blick. „Wir sind Zuzugsstadt, was mich sehr freut“, sagt sie. Über 15 000 Einwohner hat Schwalbach, Tendenz steigend. Gab es vor zehn Jahren noch Prognosen, die Stadt werde wegen Überalterung praktisch aussterben, hat stattdessen ein Run junger Familien auf Schwalbach eingesetzt.

„Die Infrastruktur für die Kinderbetreuung steht dadurch im Mittelpunkt“, erläutert Augsburger. An der Straße „Am Park“ wird eine große Kita für Über- und Unter-Dreijährige gerade gebaut. Es werden auch mit einer Waldkindergartengruppe und einer Kinderbetreuungs-Kooperation mit dem EVIM-Seniorenzentrum neue Wege beschritten.

„Auch die Versorgung für Grundschüler im Hortbereich bauen wir aus. Allerdings stoßen wir hier an räumliche Grenzen“, erwähnt Augsburger. Der Platz für Schulkinderhäuser und Dependancen sei nicht endlos.

Augsburger plädiert dafür, „dass die Grundschulen sich in Richtung Ganztagsschulen entwickeln“. Ebenso sind Areale für neuen Wohnraum in Schwalbach beschränkt. „Große Bedeutung haben daher die behutsame Entwicklung der letzten Flächenreserven wie Am Flachsacker“, sagt sie.

Augsburger kündigt an, dass die Stadt vermehrt Belegungsrechte für Sozialwohnungen kaufen und Sozialbindungen verlängern will. Dafür hatten auch die Grünen plädiert.

Hohe Wellen schlugen zuletzt die Vandalismus-Fälle am unteren Marktplatz. „Ja, wir haben Sachbeschädigungen, aber keine akute Gefährdungslage für Personen“, ist Augsburgers Einschätzung. Die Lage am Marktplatz hat für sie dennoch Priorität. Sie sieht es als Gesamtpaket, die geplante Umgestaltung des unteren Marktplatzes mit sicherheitsfördernden Maßnahmen zu kombinieren. Diskutiert werden politisch aktuell eine Videoüberwachung und Wachdienste.

Die Gestaltungssatzung für den Alten Ortskern liegt ihr ebenso am Herzen. In Augsburgers Amtszeit hat sich Schwalbach zur finanziell leistungsstärksten MTK-Kommune nach Eschborn entwickelt. „Das haben wir alleine der Gewerbesteuer zu danken“, sagt sie. Für die Wirtschaftsförderung hat sie eigens eine Mitarbeiterin eingestellt.

Unermüdlich verweist die Sozialdemokratin darauf, dass Schwalbach einen defizitären Haushalt hat und vom Kommunalen Finanzausgleich gebeutelt werde. „Ohne die Gewerbesteuern, die jederzeit einbrechen können, sind wir arm“, weiß Augsburger. Da es keinen Ersten Stadtrat gibt, hat die Bürgermeisterin den Amtsleitern viel Verantwortung übertragen und die Verwaltung modernisiert. Augsburger hat oft 14-Stunden-Tage. Ehemann Herbert Mai, der bekannte Ex-Gewerkschaftsführer und frühere Fraport-Arbeitsdirektor, sowie die Familie und Freunde sind ihre Kraftquellen und machen möglich, „dass ich im Amt voll da bin“, sagt sie. Mit Herbert Mai wohnt sie in der Ringstraße – fast in Sichtweite ihres Geburtshauses in der Hardtbergstraße.

Eins hat in ihrer zweiten Amtszeit noch für Aufregung gesorgt: das Mäuerchen, das sie zwischen dem Bach und dem Haus der Vereine errichten ließ. Richtig Prügel gab es von der CDU/Grüne-Opposition dafür. Die meisten Bürger, die die Mauer im Bau noch kritisch sahen, fänden sie inzwischen schön, sagt Augsburger. Ihre Mutter Rosemarie allerdings mag die Mauer immer noch nicht.

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