Die Masken verbergen die Freude der Kapellen-Sympathisanten über die Rückkehr der Marienfigur. Die Madonna gibt wieder ein schmuckes Bild ab.
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Die Masken verbergen die Freude der Kapellen-Sympathisanten über die Rückkehr der Marienfigur. Die Madonna gibt wieder ein schmuckes Bild ab.

Kapelle

Die Rückkehr der Marienfigur

Gut gelungen: Ein Fachmann hat die Hände rekonstruiert, die ein Vandale ihr abgeschlagen hatte.

Schwalbach -Die Übergänge sind geschmeidig. Irgendwelche Bruchstellen zeichnen sich nicht ab. Die Hände der Madonna und deren Arme gehen fließend ineinander über. Dass ein fingerfertiger Fachmann sie filigran nachgebildet und die mutwillige Beschädigung der Hände unsichtbar gemacht hat, erkennt mit bloßem Auge niemand. Der Experte, der die Hände schnitzte, entspringt der Restaurierungswerkstätte Onnen, die im oberfränkischen Hirschaid beheimatet ist. Das bei Bamberg ansässige Unternehmen ist darauf spezialisiert, Kunst- und Kulturdenkmäler zu erhalten und instand zu setzen.

Die Marienfigur steht in der Kapelle am Alten Friedhof. Die Kapelle ist ein Kleinod, das sich großer Beliebtheit in Schwalbach erfreut. Tagsüber lädt sie dazu ein, das Innere zu erkunden, sich niederzulassen, die Gedanken schweifen zu lassen oder zu beten. Eine Gruppe von Ehrenamtlichen um Anne Grabisch schließt täglich auf und zu - bei Wind und Wetter, werktags, sonn- und feiertags. Gelegentlich stoppen Pilger und Ausflügler an der Kapelle, um innezuhalten.

Gemeinde installiert Videoüberwachung

Umso größer war die Betroffenheit, als im Juli 2020 jemand mutwillig die Hände der Figur abschlug und mitnahm. Wer dahintersteckte, ist unklar. Dann passierte etwas, womit bei der katholischen Gemeinde kaum jemand rechnete: Aus allen Ecken trudelten Angebote ein, die Sanierung finanziell zu unterstützen.

Michael Molter, der Vorsitzende des Verwaltungsrats, berichtet, er sei "beeindruckt von der Spendenbereitschaft". Fast 6900 Euro kamen nach Angaben der Gemeinde in den vergangenen Monaten zusammen. Ein Herr habe 1000 Euro spendiert. Federführend war der hoch engagierte Verschönerungsverein um den Vorsitzenden Dieter Kunze. Mit Birgit Gaukler, die dem Kapellen-Team angehört, initiierte der Verein im August eine Benefizveranstaltung, die allein gut 1000 Euro einbrachte. Alles in allem, vermeldet Molter, sei sogar mehr Geld eingegangen, als für die Restaurierung und den Einbau einer Videoüberwachung nötig seien. Die Kosten betragen rund 4000 Euro.

Im Spätsommer 2020 trat die Marienfigur ihre Reise in die Nähe von Bamberg an. Da der Holzschnitzer gut zu tun hatte und erst im Winter dazu kam, die Hände nach Fotovorlagen zu rekonstruieren und den Korpus zu überarbeiten, verzögerte sich ihre Rückkehr bis zu diesem Monat. Gestern trafen sich Kapellen-Sympathisanten und Spender, um die erneuerte Figur zu "begrüßen".

Schon mehrfach hat sich der Verschönerungsverein um die 1894 errichtete Kapelle verdient gemacht. Als sie in den 1970er Jahren einsturzgefährdet war, gab er die Parole "Rettet die Alte Kapelle" aus. Erfolgreich kämpfte er für die Instandsetzung und veranlasste, das im neogotischen Stil angelegte Rechteck-Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Auch in den 90er Jahren waren es die "Verschönerer", die sich für eine Restaurierung einsetzten.

Der Schwalbacher Baumeister Johann Elzenheimer stiftete die Kapelle vor 127 Jahren. Sie ist heute eines der Wahrzeichen Schwalbachs, das zahlreiche Ehrenamtliche hegen und pflegen, wie der Verwaltungsratvorsitzende betont. Sie sperren nicht "nur" auf und zu: Sie machen sauber und schauen nach dem Rechten.

Michael Molter erwähnt, die Videoüberwachung in der katholischen Kirche habe sich bewährt. Es gab einen Vandalismus-Fall. Dank der Aufzeichnungen fand die Polizei heraus, "wer's war". Daher sah sich die Gemeinde ermutigt, nun auch die Kapelle per Video zu überwachen. ask

Wiederhergestellt und gut gelungen: die linke Hand der Figur.

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