Astrein ist er zu erkennen: Ein polnischer Künstler hat den neuen Ehrenbürger Günter Pabst im Stile einer Karikatur gezeichnet.
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Astrein ist er zu erkennen: Ein polnischer Künstler hat den neuen Ehrenbürger Günter Pabst im Stile einer Karikatur gezeichnet.

Auszeichnung

Dieser Kopf steht für deutsch-polnische Aussöhnung

  • Andreas Schick
    VonAndreas Schick
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Günter Pabst, Neu-Ehrenbürger der Partnerstadt Olkusz, freut sich, "auf seine alten Tage so gefeiert zu werden". Zur Ernennung gab es einen Festakt mit Dankesreden und Musik.

Schwalbach -Bedenklich ist die politische Lage im Nachbarland Polen, vielleicht sogar besorgniserregend. Die nationalkonservative Regierungspartei PiS beschneidet die Pressefreiheit und macht sich an der Gewaltenteilung zu schaffen, indem sie die Unabhängigkeit der Justiz angreift. Sie nimmt Spannungen mit der hoch bürokratisierten Europäischen Union (EU) hin, die Macken hat, aber doch ein Grundgerüst mit demokratischen Werten bildet und Frieden garantiert.

Wenn der Polen-Kenner und Schwalbacher Bürger Günter Pabst gen Osten blickt, ist er hin und her gerissen. Einerseits missfallen ihm all die von höchster Stelle gesteuerten Entwicklungen, die der Rechtsstaatlichkeit zuwiderlaufen. Andererseits, so betont der neue Ehrenbürger von Schwalbachs polnischer Partnerstadt Olkusz, sei Polen jenes Land im Staatenverbund "mit der höchsten Zustimmung zur EU". Pabst spricht von "mehr als 80 Prozent". Das mache ihm Hoffnung, dass die Regierung früher oder später doch klein beigeben und den Konflikt mit der EU beilegen werde. Schöner Zufall: Während das Kreisblatt mit Günter Pabst telefoniert, demonstrieren zehntausende Polen für den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union. Nach dem umstrittenen Urteil des polnischen Verfassungsgerichts zum EU-Recht hatte der frühere EU-Ratspräsident Donald Tusk von der oppositionellen Bürgerplattform zu den Protesten aufgerufen.

"Sehr gerührt, mehr als beeindruckend"

Gerade erst besuchte eine kleine Delegation um Bürgermeister Alexander Immisch und Stadtverordnetenvorsteher Günter Pabst die ehemalige Silber-Bergwerksstadt Olkusz, mit der Schwalbach seit 1997 liiert ist. Wer sich in Polen umsehe, entdecke überall Orte, an denen EU-Geld klebe, sagt er. Straßen, Museen, Kirchen - viele Sanierungen, Bauten und Projekte seien nur möglich, weil Geld aus Brüssel fließt. Pabst: "Olkusz weiß, was es an der EU hat."

Die Schwalbacher erlebten nachdenkliche und fröhliche Momente in ihrer Partnerstadt. Der 17. September ist in Polen ein besonderer Tag. Es wird an den Einmarsch der Sowjets 1939 gedacht. Pabst: "Vor dem Denkmal der gefallenen Helden und der von den Deutschen ermordeten Menschen gedachten wir gemeinsam der Toten und legten einen Kranz nieder." Darauf hieß es: "Wir erinnern und gedenken". Pabsts Ernennung zum Ehrenbürger krönte den Aufenthalt, der den Kommunalpolitiker aus Schwalbach in seiner Einschätzung bestärkte, dass die politische Großwetterlage "keinen Einfluss auf unsere gute Beziehung zu Olkusz hat".

Das deutsch-polnische Verhältnis war nach dem Zweiten Weltkrieg zerrüttet. Es besserte sich Zug um Zug. Pabst sagt, die Aussöhnung mit Deutschland sei "ganz weit gekommen", während in Polen allerorten Angst vor Russland zu spüren sei. Dass er als Deutscher nun Ehrenbürger einer polnischen Stadt sei, hält Pabst für "bemerkenswert". Eigens zu seiner Ernennung zelebrierte Olkusz einen famosen Festakt mit Reden, Danksagungen, Musik und reichlich Lob für einen Mann, über den die Zeitung "Gazeta Krakowska" schreibt: "Günter Pabst ist ein sozialer Aktivist, dessen Mission die Arbeit auf dem Gebiet der polnisch-deutschen Aussöhnung ist. Er organisierte unzählige Veranstaltungen, immer voller Drang und Initiativen, um die polnisch-deutsche Freundschaft aufrechtzuhalten und zu vertiefen." Pabst sei eine Person, die "in Menschen Werte findet und die Leute miteinander verbinden kann". In der Sondersitzung des Stadtrats wurden sogar die Nationalhymnen beider Länder abgespielt. Der 76 Jahre alte Pabst berichtet, er sei "sehr gerührt" gewesen. "Das war mehr als beeindruckend." Es sei ein schönes Gefühl, "auf seine alten Tage so gefeiert zu werden".

Mit seiner Meinung zur hohen Politik Polens habe er niemals "hinterm Berg gehalten", sagt der Ehrenbürger, der in Schwalbach den rund 80 Mitglieder starken Arbeitskreis Olkusz leitet. Trotz seiner kritischen Worte sei der Beschluss im Stadtrat, ihm die Ehrenbürgerschaft anzutragen, seines Wissens einstimmig gefallen. Selbst die PiS-Abgeordneten stimmten folglich zu. Sie haben laut Pabst keine Mehrheit im Stadtrat, der so etwas wie die Stadtverordnetenversammlung ist. ANDREAS SCHIck (MIT AFP)

Bürgermeister Alexander Immisch, Jan Kucharzyk, Vorsitzender des Olkuszer-Stadtrates (vergleichbar: Stadtverordnetenvorsteher), Günter Pabst und Roman Piasnik, Bürgermeister von Olkusz (von links).

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