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Fritz Walter (1920 bis 2002).

Sport

Ein Fußballidol in Schwalbach

Ein Zeitzeuge erinnert sich: Ex-Standesbeamter Peter Lorenz war dabei, als sich Fritz Walter 1988 ins Goldene Buch eintrug.

Schwalbach -Plötzlich stand er in Schwalbach. Leibhaftig. Authentisch. Bescheiden. Unkompliziert. Fußball-Legende Fritz Walter, der am 31. Oktober 100 Jahre alt geworden wäre, befand sich im Mai 1988 auf einer Werbetour für die Fußball-Europameisterschaft, die damals in Deutschland ausgetragen wurde. Sein Weg führte ihn auch nach Schwalbach. Ein Mann, der den Besuch des Fußballidols und -weltmeisters von 1954 erlebte, ist Peter Lorenz, der frühere Standesbeamte, der unter dem Kürzel "pelo" heute noch gelegentlich fürs Kreisblatt schreibt.

Lorenz erinnert sich, wie Fritz Walter ins Rathaus kam: "Dort empfing ihn am 27. Mai 1988 der damalige amtierende Verwaltungschef, Erster Stadtrat Ralf Neumann. Bei diesem Empfang trug er sich in das Goldene Buch der Stadt Schwalbach am Taunus ein. Ein feierlicher Moment, der heute zur aufgezeichneten Stadtgeschichte zählt." Das Dokument liegt vor ( siehe Abbildung rechts ).

Peter Lorenz schätzt Fritz Walter und freut sich, "dass ich bei Begegnung 1988 im Schwalbacher Rathaus persönlich anwesend war und als Zeitzeuge von diesem Ereignis berichten kann". Was schätzte der ehemalige Verwaltungsmitarbeiter an ihm? "Fritz Walter war prominent, in seinem Leben blieb stets bescheiden. Was ihn von der heutigen Sportprominenz unterscheidet, war seine persönliche Lebensauffassung, immer Mensch zum Anfassen zu sein. Stark war sein Engagement für die Stiftung für gestrauchelte junge Menschen, die seinen Namen trug."

Erinnerungen ans Wunder von Bern

Fritz Walter in Schwalbach, das war schon was. Lorenz: "Er stand im Mittelpunkt des Geschehens. Mit seiner Person wurden die Erinnerungen wach, die auf den denkwürdigen Tag des WM-Endspiels am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorf-Stadion zurückschauen ließen. Eine Sensation: Deutschland schlug den haushohen Favoriten Ungarn mit 3:2 und wurde Fußballweltmeister." Das Spiel ging als Wunder von Bern in die Fußballgeschichte ein. Fritz Walter spielte für den 1. FC Kaiserslautern, der heute um den Klassenverbleib in der Dritten Liga kämpft. Der Fußballer führte die deutsche Elf 1954 in der Schweiz als Spielführer zum Titel. Mit seinem Verein errang er 1951 und 1953 die deutsche Meisterschaft. 61 Mal trug er das Nationaltrikot. Noch zu seinen Lebzeiten erhielt das Stadion am Betzenberg in seiner Heimatstadt Kaiserslautern die Bezeichnung Fritz-Walter-Stadion. Zum 65. Geburtstag wurde Fritz Walter diese Ehre zu teil. Er zählt zu den Ehrenspielführern der deutschen Fußballnationalmannschaft. Dass der Fußballer morgen 100 Jahre alt geworden wäre, nimmt die Deutsche Post zum Anlass, ihn mit einer Sonderbriefmarke zu würdigen.

Trompetenklänge bei der Bestattung

Als Spieler blieb Fritz Walter seinem Stammverein, den "Roten Teufeln", immer treu. Die Angebote von ausländischen Top-Clubs lehnte er ab. 1958 nahm er an der Fußball-WM in Schweden teil. Fritz Walter beschloss Ende der 50er Jahre seine Fußballkarriere. Mit seiner Ehefrau Italia war der Sportler mehr als 50 Jahre verbunden. Sie starb im Dezember 2001. Ihren Tod konnte der prominente Mann nicht überwinden: Er starb am 17. Juni 2002 im Alter von 81 Jahren. An seinem Sarg spielte der bekannte Star-Trompeter Walter Scholz die musikalische Weise "Il Silenzio". hk

Peter Lorenz.

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