Stadtbücherei Schwalbach

Enorme Vielfalt beim interkulturellen Poetry-Slam-Workshop

  • schließen

Zum Abschluss zeigten 14 Jugendliche, was sie von Dominique Macri gelernt haben – und wieviel Fantasie sie beim kreativen Schreiben ihrer Texte mitbringen.

Drei Tage lang haben sie an ihren Texten gefeilt. Vieles ausprobiert, Vieles verworfen und schließlich viel Überraschendes und ganz Persönliches zustande gebracht. Alleine und im Team. 14 Jugendliche haben jetzt in der Stadtbücherei vor Publikum gezeigt, was sie in einem Poetry-Slam-Workshop spielerisch gelernt haben.

Den Workshop hat die Stadt mit ihrem Jugendbildungswerk, der Bibliothek und der Kulturkreis GmbH in Zusammenarbeit mit der Albert-Einstein-Schule (AES) im Rahmen der Interkulturellen Wochen organisiert. Das Besondere daran war, dass der Großteil der jungen Poeten seine Wurzeln rund um die Welt hat und die deutsche Sprache erst erlernt. Bei den Ergebnissen waren die Vorträge auf Deutsch daher besonders beeindruckend.

Die Jugendlichen haben jedoch auch Textpassagen in ihren Muttersprachen eingeflochten, was dem Ganzen eine besondere Würze gab. Das deutsche Publikum konnte sich mal fühlen wie Einwanderer oder zeitweise wie ausländische Gäste ohne Sprachkenntnisse: Es verstand Teile der Darbietung nicht. Da gab es aber Hilfe, denn Manches wurde übersetzt. Eine schöne Gemeinschaftsleistung der Jugendlichen, die auch im Team wechselseitig verschiedene Parts vortrugen.

Schöner als Jeong-in Choi und die Schwestern Sieun und Yeeun Park, die aus Südkorea stammen, kann man kaum über die Liebe sprechen. Kurz, knackig, humorvoll servierten sie dem Publikum auf Deutsch erst eine öde Welt, in der alles nervig ist – egal ob Regen oder Sonnenschein – aber sobald es ein „Du“ gibt, sobald es „Dich“ gibt, wird alles gut.

Viele Workshop-Teilnehmer besuchen die Deutsch-Intensivklassen der AES. Lehrerin Helena Schmitt gehört zu den Projektkoordinatoren. Bei Jugendbildungswerk-Leiter Achim Lürtzener liefen die Fäden zusammen. „Die jungen Workshop-Teilnehmer hatten extrem unterschiedliche Sprachniveaus im Deutschen. Es ist toll, was dabei herausgekommen ist“, sagt er.

Die 11- bis 17-Jährige hatten den Mut, auf die „Bühne“ zu gehen. Für den Workshop wurde die Fachfrau Dominique Macri engagiert. Sie ist Trainerin für Improvisationstheater und Poetry Slam – Gebiete, auf denen sie selbst auch als Akteurin erfolgreich ist. „Poetry Slam darf fast alles“, sagt sie. Lyrik, Kurzgeschichten, Überzeugungsreden mit Performance und vieles mehr passt in das Genre.

Das geschriebene Wort und der freundschaftliche Dichterwettstreit sind die Basis. „Improvisation ist beim Poetry Slam eher nachrangig“, sagt Macri. „Beim Schwalbacher Workshop habe ich – ähnlich wie beim Kreativen Schreiben – bestimmte Themen als Rahmen angeboten“, sagt sie. Deshalb gab es zum Beispiel viele Briefe aus der Zukunft an ein jüngeres Ich. Katastrophenszenarien und wundersame Rettungen, persönliche Erfahrungen, Ängste und Wünsche, nichts fehlte bei diesem „Potpourri“.

Gemeinsam etwas zu erzählen und auch Lampenfieber zu überwinden, war auch ein Lernziel, das die Jugendlichen gut gemeistert haben. Dynamisch war schon die Vorstellung mit Namen, Alter und Herkunftsland. Dass so viele Südkoreaner in der Workshop-Gruppe waren, hat damit zu tun, dass der Konzern Samsung seine Deutschlandzentrale in Schwalbach hat. Deshalb gehen viele Kinder der Mitarbeiter auf die AES. Sie müssen sich mit einer völlig neuen Kultur und Sprache auseinandersetzen. „Ich bin voller Hochachtung vor den Jugendlichen, die den Mut hatten, sich vor Publikum zu zeigen, obwohl sie sich im Deutschen auf unsicherem Terrain bewegen“, sagt Dominique Macri. Die Schwalbacher lobt sie für die Top-Organisation. „Wir hatten alles, was wir brauchten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare