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Die Erbengemeinschaft möchte das Anwesen verkaufen und den Restaurant- und Hotelbetrieb nicht weiterführen.

Traditionsgaststätte

Erbengemeinschaft verkauft "Mutter Krauss"

  • vonKristiane Huber
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Verhandlungen laufen: Drei potenzielle Käufer sind derzeit im Rennen.

Schwalbach -Schwalbach ohne die Traditionsgaststätte "Mutter Krauss" ist für viele kaum vorstellbar. Schon in einem historischen Ortsplan des Stadtarchivs aus dem Jahr 1668 ist am Standort der "Mutter Krauss" in der heutigen Hauptstraße 13 ein Wirtshaus markiert, das damals "Zum Hirschen" hieß. Durch alle Zeiten und Wirren hindurch wurden seither auf dem dortigen Anwesen Gäste bewirtet und auch beherbergt. Die "Mutter Krauss" ist daher weit über die Grenzen Schwalbachs auch als moderner Restaurant- und Hotelbetrieb bekannt.

Jetzt ist die "Mutter Krauss" dichtgemacht - und das nicht wegen der Corona-Auflagen zur Schließung der Gastronomie. Seit dem Tod des Betreibers Marco Vogel im Februar 2020 kocht die Gerüchteküche in Schwalbach, dass die "Mutter Krauss" möglicherweise nicht mehr als Gasthaus und Hotel weitergeführt wird. Fakt ist, dass die Immobilie von der Erben- und Eigentümergemeinschaft - dabei handelt es sich um die vier Kinder von Marco Vogel - zum Kauf angeboten wird. Die Vermarktung der "Mutter Krauss" hat die MSI-Immobiliengruppe, die auch in Bad Soden ansässig ist, übernommen.

In einem Bieterverfahren, das bereits beendet ist, war der Startschuss mit einem Kaufpreis für die "Mutter Krauss" mit 1,9 Millionen Euro über das Internet verbreitet worden. Andrea Schwabe, die Sprecherin der Erbengemeinschaft der "Mutter Krauss" äußert sich nun auf Anfrage dieser Zeitung erstmals öffentlich zur Zukunft des Traditionsbetriebes. Sie vertritt in der Erbengemeinschaft ihren gemeinsamen minderjährigen Sohn mit Marco Vogel.

Andrea Schwabe sagt: "Die Erbengemeinschaft möchte das Anwesen verkaufen und will den Restaurant- und Hotelbetrieb nicht selbst weiterführen. Wir werden die Immobilie jedoch nicht an den Höchstbietenden verscherbeln. Unser Anliegen ist ganz klar, einen Käufer zu finden, der die ,Mutter Krauss' als Gaststätte und Hotel zukunftsorientiert und nachhaltig weiterbetreibt."

Lob für gute Informationspolitik

Drei potenzielle Käufer, durchaus mit regionalem Bezug, seien derzeit im Rennen, betont Andrea Schwabe. Sie geht davon aus, dass die Kaufverhandlungen bis Mitte Januar 2021 abgeschlossen sind. Unabhängig davon ist das Insolvenzverfahren, das bezüglich der bisherigen Betreibergesellschaft eröffnet wurde, über die Marco Vogel die Geschäfte der "Mutter Krauss" abwickelte.

Bürgermeister Alexander Immisch (SPD) lobt Andrea Schwabe und die Erbengemeinschaft für ihre gute Informationspolitik. "Frau Schwabe hält mich stets auf dem Laufenden", sagt Immisch. Eine Intervention der Stadt, um die "Mutter Krauss" zu bewahren, hält er angesichts der Absichten der Erbengemeinschaft derzeit nicht für notwendig. Die CDU fordert jedoch eine solche Intervention. Die CDU bringt jedoch sehr schön auf den Punkt, was die "Mutter Krauss" für Schwalbach bedeutet. "Die ,Mutter Krauss' ist mit ihrer langen Geschichte, ihrer zentralen Altstadtlage, ihrem denkmalgeschützten Torbogenhaus, dem urigen Gastraum und dem großen schönen Sommergarten ein identitätsstiftendes Stück Schwalbach, ein Traditionshaus mit einer Anziehungskraft auch weit über unsere Stadtgrenzen hinaus", betont CDU-Parteichef Axel Fink.

Die "Mutter Krauss" war nicht nur in Privatbesitz, sondern hat zwischenzeitlich auch mal der Stadt gehört. Das Torbogenhaus, das zu dem Gebäudeensemble gehört, ist immer noch im Besitz der Stadt. Das 1187 Quadratmeter große Grundstücke weist Bauelemente aus verschiedenen Zeiten, darunter auch uraltes Fachwerk aus, und wurde um Neubauten ergänzt und am Anfang der 2000er Jahre saniert. 400 Sitzplätze hat das Restaurant und 24 Zimmer das Hotel.

Lange ansässige Familie

Und woher kommt der Name? Ein Ignatius Krauss erwarb das Gasthaus "Zum Hirschen" im Jahr 1799. Die Familie Krauss behielt das Gasthaus über eineinhalb Jahrhunderte bis ins Jahr 1955. Die Namensgeberin und eigentliche "Mutter Krauss" ist Elisabeth Krauss, geborene Weil (1851-1936). Auch die Weils waren eine lange in Schwalbach ansässige Familie. Den hausgekelterten Äppelwoi soll selbst Fürst Bismarck gekannt und geschätzt haben. Wie es mit der "Mutter Krauss" weitergeht, wird in Schwalbach intensiv verfolgt werden. Das Parkhaus in der Nähe, in der auch Gäste von "Mutter Kraus" ihre Autos abstellten, soll zu einem Wohnhaus mit Parkplätzen umgebaut werden.

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