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„Es wäre ein Hingucker“

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Eine Aufnahme der Burg im Schwalbacher Ortskern. Die ursprüngliche Burg aus dem Mittelalter wurde im Jahr 1622 während des 30-jährigen Krieges fast völlig zerstört. Um 1660 findet dann ein Wiederaufbau statt - im Stile der Renaissance.
Eine Aufnahme der Burg im Schwalbacher Ortskern. Die ursprüngliche Burg aus dem Mittelalter wurde im Jahr 1622 während des 30-jährigen Krieges fast völlig zerstört. Um 1660 findet dann ein Wiederaufbau statt - im Stile der Renaissance. © Stadtarchiv Schwalbach

Stadtarchivar Michael Kaminski äußert sich zu einem möglichen Nachbau der Schwalbacher Burg.

Schwalbach -Es ist eines der am meisten diskutierten Themen aktuell in Schwalbach, vor allem im alten Teil des Ortes: Die Geschäftsaufgabe der Firma Moos und der damit verbundene Verkauf des rund 10 300 Quadratmeter großen Grundstücks im Ortskern von Alt-Schwalbach. Wie berichtet, plädieren die Koalitionsparteien aus SPD und CDU dafür, die alte Burg an dieser Stelle nachzubauen. „Grundsätzlich ist das möglich“, erklärt Stadtarchivar Michael Kaminski im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es gibt alte Pläne und Fotos für einen Nachbau“, sagt er. Er als Stadtarchivar würde einen solchen Nachbau begrüßen. „Das wäre natürlich ein Hingucker, der die Stadt Schwalbach noch attraktiver machen würde.“

Erstmals erwähnt worden ist die Schwalbacher Burg um das Jahr 1345. Doch sie ist noch älter, wie der Stadtarchivar erklärt: „Der Kern der Burg ist wohl schon im 13. Jahrhundert entstanden“, erklärt er. Im Jahr 781 sei Schwalbach erstmals urkundlich genannt worden. „Ein Ritter namens Starcfrit und seine Mutter Mechthilt machen dem Kloster Lorsch an der Bergstraße eine Schenkung“, so Kaminski. Sie habe 70 Joch Ackerland, eine Wiese und zwei Bauernhöfe in „villa Sualebach“ umfasst.

Im Dreißigjährigen Krieg zerstört

Für viele Jahrhunderte sei Schwalbach ein kleines Dorf von bäuerlichem Charakter mit kaum mehr als 200, höchstens 300 Einwohnern geblieben. „Es befindet sich immer in Abhängigkeit von fremden Herren, deren Vertreter als Vögte oder Schultheißen ihre Herrschaft, auch Gerichtsbarkeit, in der Burg Schwalbach ausübten“, so der Stadtarchivar weiter. Seit 1635 gehöre Schwalbach, nun endgültig, zum Kurfürstentum Mainz. Während des Dreißigjährigen Krieges wird die Burg von Braunschweigischen Truppen im Jahre 1622 fast völlig zerstört. Um 1660 findet dann ihr Wiederaufbau statt, allerdings im Renaissancestil.

„Im Jahr 1669 kommt die Burg in den Besitz der Herren von Greiffenclau“, erklärt Kaminski. Anschließend, im Jahr 1819, wird die Anlage herzoglich nassauisches Domänegut, nach 1866 dann ein Kameralhof, der von verschiedenen Pächtern bewirtschaftet wurde - von 1880 bis 1930 war es laut Kaminski der Ökonomierat Wilhelm Lindheimer.

Kultur gepaart mit Wohnraum

Baufällig geworden und im Zweiten Weltkrieg durch Bomben beschädigt, wurde sie vom Landeskonservator, obwohl als „sehr wertvoll“ beurteilt, zum Abriss freigegeben, da weder Land noch Kreis oder Gemeinde die Mittel zur Erhaltung besaßen, so der Stadtarchivar weiter. Der Abriss erfolgte dann in den Jahren 1959 und 1960. Das Höchster Kreisblatt titelte damals: „Schwalbach verliert eine Sehenswürdigkeit“.

Diese Sehenswürdigkeit soll nun laut Mehrheitsbeschluss der Stadtverordnetenversammlung wieder aufgebaut werden. „Idealerweise mit öffentlich nutzbaren Räumen zum Beispiel für Ausstellungen, Veranstaltungen und auch private Feierlichkeiten“, heißt es in dem Antrag, den die beiden Koalitionsparteien kürzlich beschlossen haben. Außerdem sehen die SPD und die CDU dort „öffentliche Begegnungsräume rund um die Burg“ sowie die Möglichkeit, Wohnraum zu schaffen.

Eine solche Mischung aus kultureller Nutzung und Wohnraum findet auch Stadtarchivar Kaminski ansprechend. „Die Burg gehörte für viele Schwalbacher Bürger zu ihrer Identität“, erklärt er. Mit einem Nachbau könnte ihnen davon etwas wiedergegeben werden. Teile der Burg seien nach wie vor auf dem Gelände des Baustoffhandels Moos erhalten, so etwa Nebengebäude sowie Mauern.

Kritik ernten SPD und CDU unterdessen von den beiden Oppositionsparteien der Grünen und der FDP & Freien Bürger für ihre Pläne rund um den Wiederaufbau der Burg. „Wir sind doch nicht in Disneyland“, findet etwa Grünen-Fraktionsvorsitzende Barbara Blaschek-Bernhardt.

Stadtarchivar Michael Kaminski
Stadtarchivar Michael Kaminski © Carolin-Christin Czichowski
Ein Zeitungsausschnitt aus dem Höchster Kreisblatt von 1956 über den geplanten Abriss der Schwalbacher Burg.
Ein Zeitungsausschnitt aus dem Höchster Kreisblatt von 1956 über den geplanten Abriss der Schwalbacher Burg. © Stadtarchiv Schwalbach

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