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Pfarrerin Christine Gengenbach, Eva Witte und Bürgermeister Alexander Immisch (Dritte bis Fünfte von links) bei der Eröffnung des Familienzentrums.

Limesgemeinde

Familienzentrum eröffnet - und wieder geschlossen

  • vonBarbara Schmidt
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Offizieller Titel für das, was schon längst praktiziert wird. Wegen Corona war ein Fest nicht möglich.

Schwalbach -"Unsere Gemeinde hatte früher einmal 4000 Mitglieder, heute sind es noch um die 1500", sagt Brigitte Säuberlich, die Stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Limesgemeinde. Menschen, die neu in die Limesstadt zögen, seien nur noch selten evangelisch, ergänzt Pfarrerin Christine Gengenbach.

Beinahe paradox: Das Gemeindezentrum wird heute stärker genutzt denn je - zumindest, wenn nicht gerade Lockdown ist. Denn die evangelischen Christen haben daraus längst ein offenes Haus gemacht, einen Treff für ganz viele Gruppen, die sich hier zu unterschiedlichen Aktivitäten zusammenfinden.

Mit der Aufnahme gibt es Fördermittel

"Im Grunde waren wir schon längst Familienzentrum. Jetzt sind wir es auch offiziell", bringt Pfarrerin Gengenbach auf den Punkt, was mit dem neuen Titel des Hauses verbunden ist. Im Februar bereits hat die evangelische Gemeinde den Bescheid erhalten, dass das Land Hessen den Antrag auf Aufnahme in die wachsende Reihe der Familienzentren bewilligt hat.

Verbunden ist das mit der Zuweisung von Fördermitteln. 13 000 Euro hat die Gemeinde bereits erhalten. Die kann sie tatsächlich gut gebrauchen. Das mehr als 50 Jahre alte Zentrum sei in die Jahre gekommen, sagt Gengenbach. Da muss manches investiert werden. Und die laufenden Kosten sind hoch. "Allein 20 000 Euro Heizkosten haben wir jedes Jahr", weiß Brigitte Säuberlich. Dazu muss eine halbe Hausmeisterstelle bezahlt werden, die Pflege der Außenanlagen schlägt obendrein zu Buche. Auch Gabi Wentzell hat als Verwaltungskraft der Gemeinde viel Arbeit mit der Vergabe der Räume, die auch für private Feiern angemietet werden können.

Wie viele Gruppen insgesamt das Haus nutzen, dazu hat die Kirchengemeinde eine kleine Ausstellung zusammentragen lassen. Rund 35 Plakate geben Einblick in die Aktivitäten. Das reicht vom Gottesdienst, dem Kirchenvorstand, den Konfirmanden oder dem Kirchenchor über Seniorentreff, Fotokreis, Zeichengruppe, Internationale Begegnungs-Oase oder Mittagstisch bis zur Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, zum BUND, zur koreanischen Heilig-Geist-Gemeinde und Selbsthilfegruppen für psychisch Kranke.

Schade, dass die Ausstellung am Samstag mit Rücksicht auf die aktuelle Corona-Lage nur den ganz Wenigen vorbehalten blieb, die auch am kleinen offizielle Akt teilnahmen, in dem das Familienzentrum seinen Titel erhielt. "Dass wir es heute eröffnen und gleichzeitig schließen müssen, finde ich unglaublich traurig", sprach Eva Witte, Referentin für die Arbeit mit Familien, aus, was die Gastgeber bewegte, die viel lieber alle Nutzer zu einem großen Fest eingeladen hätten.

Glücklich über die Auszeichnung

Bürgermeister Alexander Immisch immerhin war am Samstag dabei und zeigte sich "sehr glücklich", dass die Kirchengemeinde diese Auszeichnung erhalten habe. Das Haus habe er selbst schon vor vielen Jahren als offen für allerlei Aktivitäten erlebt, wie etwa die 1971 gegründete Schülerhilfe. Nun sei die Frage, wie es auch in Zukunft finanziert werden könne.

Immisch weiß um die Sorgen der schrumpfenden Kirchengemeinde, für die auch die Zuweisungen aus der Kirchensteuer entsprechend geringer werden. "Da werden wir in Gespräche kommen müssen", sieht der Bürgermeister eine Mitverantwortung der Stadt, auch wenn diese die Corona-Folgen in der eigenen Kasse zu spüren bekommt.

Café-Idee vorerst ausgebremst

Die Pandemie hat bisher übrigens auch die Umsetzung einer Idee "ausgebremst", so Pfarrerin Gengenbach, die das Zentrum, zu dem auch die Kita "mittendrin" gehört, für die Limesstadt-Bewohner noch anziehender machen soll: Ein Café, in dem Menschen mit Handicap mitarbeiten, soll zum Mittelweg hin eingerichtet werden. Im Augenblick geht das nicht - wie so vieles. Doch die aktiven Frauen, die das Familienzentrum Evangelische Limesgemeinde vorantreiben, sind sich mit ihrer Pfarrerin einig, die sagt: "Wir machen das Beste mit dem, was wir haben."

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