+
Auf diesem Parkplatz neben dem Tennisclub-Domizil ?Am Erlenborn? soll die Gemeinschaftsunterkunft erreichtet werden.

Warnschuss von Baron

Flüchtlinge neben dem Tennisplatz

  • schließen

Die Suche hat sehr lange gedauert, aber jetzt ist die Stadt Schwalbach fündig geworden: Die zweite Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber soll „Am Erlenborn“ entstehen. Gestern hat die Bürgermeisterin Einzelheiten zu dem Vorhaben bekanntgegeben. Mit dem Kreis gibt’s dennoch Ärger.

Während die Gemeinschaftswohnanlage für 40 Asylbewerber an der Frankenstraße kurz vor dem Baubeginn steht (wir berichteten), war die Suche nach einem entsprechenden Standort im alten Ort schwieriger. Jetzt ist es offiziell: Der Magistrat schlägt vor, die vorgesehene, zweite Gemeinschaftsunterkunft für weitere 40 Flüchtlinge auf dem Grundstück an der Straße „Am Erlenborn“ am Rande des alten Ortsteils zu bauen. Das Grundstück befindet sich direkt neben dem Tennisgelände. Der Tennisclub nutzt es derzeit als Parkplatz.

„Vom Kreis als Bauherrn der Anlage wird dieser Standort als geeignet angesehen. Das haben wir vorab geprüft“, betonte Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) gestern vor der Presse. Auch der Tennisclub Sportfreunde sei über das Vorhaben informiert. Augsburger weiter: „Der Tennisclub hat Bedenken geäußert, dass der Spielbetrieb eine Lärmbelästigung für die geplante Unterkunft darstellen könnte, und befürchtet Einschränkungen seines Betriebes. Wir lassen das in einem Lärmgutachten untersuchen, das bald vorliegen soll.“

Das rund

1000 Quadratmeter

große Grundstück für das zweite Flüchtlingsdomizil ist Eigentum des Landes Hessen und an die Stadt Schwalbach verpachtet. Die Kommune hat es ihrerseits als Parkplatz an den Tennisclub unterverpachtet. Das Land habe gegen die geänderte Nutzung des Grundstücks nichts einzuwenden, betonte Augsburger. Um das Projekt umzusetzen, soll ein Pachtvertrag mit einem jährlichen Pachtzins von 2750 Euro zwischen Stadt und Main-Taunus-Kreis auf fünf Jahre geschlossen werden.

„Die Unterkunft wird baugleich mit der Unterkunft an der Frankenstraße sein. Das spart Planungsaufwand und Zeit“, sagte die Leiterin des städtischen Bauamtes, Heike Hochheimer. Wenn alle nötigen Entscheidungen jetzt zügig getroffen würden und ein schneller Baubeginn erfolge, könne die Flüchtlingsunterkunft „Am Erlenborn“ Anfang Oktober bezugsfertig sein.

Zu dem Gesamtpaket gehört auch, dass für den Tennisclub ein

Ersatz-Parkplatz

auf der anderen Seite des Club-Geländes geschaffen werden soll. Dazu muss die Stadt jedoch erst ein 572 Quadratmeter großes Grundstück, das in Privateigentum ist, für rund 54 000 Euro kaufen. In der kommenden Woche wird der Haupt- und Finanzausschuss sowohl über den Standort „Am Erlenborn“ als auch über den Grundstücksankauf für den

Ersatz-Parkplatz

sprechen. Ein schneller Beschluss scheint angeraten, denn der Main-Taunus-Kreis macht aktuell Druck auf Schwalbach.

Bürgermeisterin Augsburger bestätigte am Mittwoch, dass sie am 29. April dieses Jahres per Mail ein Schreiben des Kreisbeigeordneten Johannes Baron (FDP) erhalten und darüber auch die fünf Stadtverordneten-Fraktionen informiert habe. Baron weise darauf hin, dass Schwalbach mit einer Aufnahmeverpflichtung von gegenwärtig 85 Asylbewerbern im Rückstand sei. Lediglich 18 Flüchtlinge seien bisher in Wohnungen untergebracht. Faktisch werde Schwalbach dafür getadelt, die Unterbringung von Asylbewerbern zu verschleppen.

„Wir werden aufgefordert, Räumlichkeiten zu nennen, die innerhalb einer zweiwöchigen Vorbereitungszeit zur Unterbringung von Asylbewerbern hergerichtet werden können“, sagte Augsburger. Baron kündige an, bis zu 85 Asylbewerber nach Schwalbach zu schicken, noch bevor die beiden Gemeinschaftswohnanlagen fertig sind, in denen 80 von ihnen untergebracht werden sollen, so die Rathauschefin. Dass eine mögliche provisorische Lösung auf ein Feldbett-Lager im Bürgerhaus hinauslaufen wird, schließt Augsburger zumindest nicht gänzlich aus. „Ich nehme die Ankündigung des Kreisbeigeordneten Baron sehr ernst. Wir müssen mit allem rechnen und auf alles vorbereitet sein“, sagte sie.

Die Bürgermeisterin hob hervor, dass Schwalbach seine Verpflichtungen erfülle. Mit einer Gemarkungsgröße von nur sechseinhalb Quadratkilometern, die bereits dicht besiedelt sei, sei die Grundstückssuche für Unterkünfte in Schwalbach eben schwerer als in anderen Kommunen.

Empört über den Vorstoß Barons zeigt sich der Grünen-Stadtverordnete Thomas Nordmeyer. Er wirft seinerseits dem Main-Taunus-Kreis vor, dass die Asylbewerber-Anlage in der Frankenstraße schon seit Monaten fertig sein könnte, wenn der Kreis schneller gebaut hätte. Außerdem besitze der Kreis selbst Grundstücke in Schwalbach, etwa den Parkplatz neben der Albert-Einstein-Schule, die für eine Asylbewerberunterkunft genutzt werden könnten, teilte Nordmeyer mit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare