+
Michael Göbel, Rózsa Hülsemann, Christl Bauer und Gaby Stichel engagieren sich gerne in der Flüchtlingshilfe.

Ehrenamt

Flüchtlingshilfe hat viele Gesichter

  • schließen

Auch wenn nicht mehr so viele Flüchtlinge wie 2015 nach Schwalbach kommen, so ist die Arbeit der Flüchtlingshilfe nach wie vor dringend nötig. Die Helfer bringen Asylbewerber mit Arbeitgebern zusammen, fördern das Deutsch-Lernen und vieles mehr.

„Unsere älteste Helferin Annemarie Schuster ist 80 Jahre alt. Sie kümmert sich darum, Kindern etwas Schönes zu bieten. Mit einigen Teenagern war sie gerade auf dem Altstadtfest“, erzählen Michael Göbel, Rózsa Hülsemann, Christl Bauer und Gaby Stichel. Die Unterstützung für Geflüchtete hat bei der Flüchtlingshilfe Schwalbach viele Gesichter. Die Hilfe ist kompetent und im menschlichen Miteinander verankert. Hier engagieren sich Bürger aus Überzeugung.

Im Frühjahr 2015, als die Flüchtlingswelle Europa geballt erreichte, gründete sich die „Flüchtlingshilfe“ spontan. „Bei der ersten Versammlung waren ad hoc 90 Leute da“, erinnert Rózsa Hülsemann. Ein harter Kern hat sich herausgebildet. Die ersten Flüchtlinge wurden in einem Zelt-Camp am Naturbad untergebracht, die Unterkünfte waren noch nicht gebaut. „Am Anfang war es reine Nothilfe. Es fehlte an allem“, sagt Hülsemann. „Wir hatten das Glück, mit Hilfe der Deutsch-Ausländischen-Gemeinschaft Schwalbach (DAGS) strukturiert themen- und bedarfsorientiert an das Hilfsprojekt heranzugehen“, sagt Michael Göbel.

Es ist bekanntlich der frühere Stadtpolitiker Klaus Stukenborg, der die DAGS und die Flüchtlingshilfe leitet. „Hilfe für Geflüchtete ist dynamisch, Bedarfe ändern sich, darauf gehen wir ein. Zunehmend geht es um die Integration von Flüchtlingen über Sprache, Beruf und Wohnen“, sagt Göbel. Denn wer glaubt, die Lage habe sich beruhigt und für die Flüchtlingshilfe gäbe es nichts mehr zu tun, der irrt sich. Auch neue ehrenamtliche Helfer und andere Arten der Unterstützung werden gebraucht.

Michael Göbel und Rózsa Hülsemann koordinieren das Thema „Arbeit“. Sie bringen Flüchtlinge und Arbeitgeber zusammen. „Viele Flüchtlinge zeigen Eigeninitiative, um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu erhalten, selbst mit unserer Unterstützung ist das nicht immer einfach“, sagen beide. Rund 35 Flüchtlinge sind nachhaltig versorgt: Sie absolvieren Langzeitpraktika, haben in Ausbildungsberufen angedockt oder sind schon in festen Arbeitsverhältnissen. „Oft sind es mittelständische Schwalbacher Betriebe, die Bereitschaft zeigen, Geflüchteten eine Chance zu geben, und alle sind bisher sehr zufrieden. Wir wünschen uns aber ein stärkeres Engagement der großen, international tätigen, ortsansässigen Unternehmen“, sagen Göbel und Hülsemann.

Die Helfer müssen oft hartnäckig sein. Das Beispiel eines sehr engagierten 40-jährigen Flüchtlings zeigt das: Er wollte den Beruf des Pflegers ergreifen und hatte schon in einem hiesigen Krankenhaus erfolgreich gearbeitet, scheiterte aber bei Prüfungen lediglich an der Sprachbarriere – inzwischen hat er im EVIM-Seniorenzentrum im Europaring Fuß gefasst. Der Erwerb der deutschen Sprache ist ein zweites wichtiges Aktionsfeld der Flüchtlingshilfe. „Die Sprache ist der Schlüssel zu allem“, sagen die Helfer.

Unabhängig von offiziellen Deutsch-Kursen fördern sie das Deutsch-Lernen und die gegenseitige Sensibilität für die fremden Kulturen und Gebräuche. In „Sprach-Tandems“, die Christl Bauer und Gaby Stichel organisieren, finden sich Schwalbacher und geflüchtete Neu-Schwalbacher zusammen, einfach um Deutsch zu sprechen und voneinander zu lernen. Das kann ganz frei organisiert werden. „Das gibt uns viel zurück, und manchmal entstehen Freundschaften daraus“, sagen Bauer und Stichel.

Manchmal ist es die Liebe zu Tieren oder das Faible für die Feuerwehr, was sofort verbindet. Das Gleiche gilt für die Patenschaften im Rahmen der Flüchtlingshilfe. Die vier Flüchtlingshelfer betonen, dass die Integration der Geflüchteten in Schwalbach viele Mütter und Väter hat.

„Ganz wichtig ist die Vernetzung. Sei es die Stadt Schwalbach, das Jobcenter in Hofheim, das Dekanat Kronberg oder andere – ohne die gute Zusammenarbeit mit institutionellen und behördlichen Ansprechpartnern würde vieles nicht gehen“, sagen die Helfer.

Was die Flüchtlingshilfe unter anderem braucht, sind Anbieter von Ausbildungs- und Arbeitsplätze und deutschsprachige Interessenten für die „Sprach-Tandems“. „Da einige Flüchtlinge anerkannte Asylbewerber sind, die auf eine Wohnung warten, sammeln wir auch Möbel. Dafür bräuchten wir gegen kleines Entgelt einen Lagerraum“, ergänzen die Helfer noch. Wer die Flüchtlingshilfe unterstützen will, kann mit Klaus Stukenborg unter (0 61 96) 8 44 68 oder 01 72 / 6 7 30 81 Kontakt aufnehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare