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Freiwillige sorgen für eine saubere Stadt

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Von: Esther Fuchs

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Sie trugen Signalwesten. Die Boulespieler und Mitglieder des Türkischen Kulturvereins trafen sich zufällig beim Müllsammeln. Sieben Gruppen mit 115 Helfern sammelten in "ihrer" Stadt Dreck auf und stopften ihn in blaue Säcke.
Sie trugen Signalwesten. Die Boulespieler und Mitglieder des Türkischen Kulturvereins trafen sich zufällig beim Müllsammeln. Sieben Gruppen mit 115 Helfern sammelten in "ihrer" Stadt Dreck auf und stopften ihn in blaue Säcke. © EFX

115 Helfer sammeln rund 5,5 Kubikmeter Müll ein, den andere achtlos weggeworfen haben. Dieses Bürgerengagement in Schwalbach gibt es seit 20 Jahren.

Schwalbach -Michael Salkovic nimmt Greifzange, Müllbeutel und Handschuhe aus dem Kofferraum seines Kraftfahrzeugs. Am Parkplatz Naturbad Wilhelm-Leuschner-Straße trifft er am Samstagmorgen vier seiner Boulefreunde und andere Helfer. Es ist Jubiläums-Putztag in der Stadt. Eine saubere Sache, findet Salkovic. Seit 20 Jahren beseitigen Ehrenamtliche einmal jährlich Müll und Unrat aus den öffentlichen Anlagen.

Michael Salkovic, Hans Witt, Berthold Bannert und Wilfried Bilmann, die sonst montags und freitags auf dem Bouleplatz im Europapark sportliche Abwechslung suchen, sind seit vielen Jahren aktive Müllsammler. Auf Einladung der Stadt sind die agilen Herren hier nicht minder sportlich bei der Sache. Die Metallkugeln tauschen sie gegen metallene Greifzangen. Selbstverständlich auch zum Jubiläum. 2022 feiert "Sauberhaftes Hessen" 20 Jahre Bürgerengagement.

"Das Wetter spielt mit. Das ist doch super", sagt Michael Salkovic gut gelaunt. Er ist Bezugsperson seiner Gruppe und bei Achim Lürtzener angemeldet. Lürtzener hat vonseiten der Stadt dieses Jahr zum ersten Mal die Organisation des Stadtputztags übernommen.

Coronabedingt musste Lürtzener den bewährten Ablauf ändern. Nach einjähriger Pause starten Kontaktpersonen gruppenweise von verschiedenen Orten aus und sammeln zweieinhalb Stunden Müll. Diese Bezugspersonen haben Lürtzeners Kontaktdaten die des Betriebshofs. "Wir haben Vereine, Familien und engagierte Bürger zum Mitmachen eingeladen", erklärt Achim Lürtzener. "Früher klang die Aktion bei Speis und Trank am Betriebshof aus. Das geht leider im Moment nicht", ergänzt er.

Gutschein als Dankeschön

115 Helferinnen und Helfer sind am Start. Sie erhalten dieses Jahr als symbolisches Dankeschön einen kleinen Gutschein der Stadt und des Gewerbevereins am Ende der Aktion. Sieben Gruppen haben sich angemeldet. Neben den Boulespielern machen Monika Schwarz und die "(Ur-)alten Putzteufel", Renate Grossmann, Marcus Behrens, Bürgermeister Alexander Immisch samt Teams sowie der Marokkanische und der Türkische Kulturverein mit.

Die Boulespieler nehmen sich den Kinderspielplatz am Naturbad, den Bouleplatz und das umliegende Europaparkareal vor. In ihren gelben Warnwesten sind sie nicht zu übersehen Auf der Wiesenfläche am Parkplatz kommt Besuch vorbei. Emrah Nasir, Harun Egerci und anderen Mitglieder des Türkischen Kulturvereins. Eine kleine Strecke läuft man zusammen. Danach teilen sich die Wege wieder. Fahri, Ilyas und Kumpel Mehmet sind zwischen Neun und Zehn und auch mit von der Partie. Fahri lobt die Aktion. Mit den Freunden sei er ohnehin gerne draußen unterwegs "Da kann ich auch nebenbei Müll sammeln", findet er. Zigarettenstummel, Kaffeebecher, Corona- Schutzmasken und Plastikabfälle landen in seiner Tüte.

Autoreifen illegal in der Natur entsorgt

Margit Reiser-Schober besucht mit dem Fahrrad ihren Kollegen Achim Lürtzener, der das Handy in Bereitschaft am Ohr hält. "Das Dosenpfand hat sich bewährt. Seit es das gibt, finden wir kaum noch Dosen", berichtet die städtische Angestellte. In den zwei Jahrzehnten Stadtputztag hätte man immer wieder obskure Sachen gefunden, erinnern sich die städtischen Mitarbeiter. Bürostühle, alte Fahrräder, ein Moped und alte Autoreifen seien illegal in der Natur entsorgt worden.

Dieses Jahr fallen etwa 5,5 Kubikmeter Müll an. Zu Zigarettenstummel, Kronkorken, leeren Glasflaschen, Einwegbechern und Pizzakartons gesellen sich eine Küchenspüle, ein Rasenmäher, eine Faltmatratze, ein Sofa, ein Teppich, ein Fahrradlenker, mehrere Radkappen und ein Autoreifen. Der Marokkanische Kulturverein um Ahmed El Kaddouri mit knapp 40 Helfern hatte die 15 zugeteilten Säcke schnell gefüllt und orderte im Betriebshof Nachschub. Der Stadtputztag stellte sich also als voller Erfolg heraus.

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