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Wegen eines Wasserschadens ist die neue Asylunterkunft an der Straße ?Am Erlenborn? in Schwalbach unbewohnbar geworden.

Kritik an Krisenbewältigung

„Für die Bewohner ist es ein Drama“

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Die Häuser „Am Erlenborn“ waren erst vor einem guten Jahr bezogen worden. Nun werden die Menschen auf mehrere Orte im Kreis gerecht verteilt.

Damit hat niemand gerechnet: Die Unterkunft für Flüchtlinge „Am Erlenborn“, die 2016 neu gebaut worden ist und erst zum Jahreswechsel 2017 bezogen wurde, ist schon nicht mehr nutzbar. Ein Wasserschaden hat nach Auskunft des Main-Taunus-Kreises offenbar beide Gebäude so stark beeinträchtigt, dass sie unbewohnbar sind und umfassend saniert werden müssen. Von außen wirkt alles ordentlich. Drinnen sieht es wohl anders aus.

Die beiden zweistöckigen Häuser in Modulbauweise gehören dem Kreis. Die 71 Flüchtlinge, die dort derzeit wohnen, müssen auf andere Quartiere umverteilt werden. „Als Feuchtigkeitsschäden sichtbar wurden, hatten wir im Dezember 2017 erstmals Gutachter dort. Die Schadensanalyse ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Deshalb können wir noch nicht sagen, ob es sich um Baumängel oder andere Ursachen handelt. Falls sich Verantwortliche feststellen lassen, werden wir diese natürlich in die Pflicht nehmen“, sagte Kreis-Pressesprecher Johannes Latsch gestern auf Anfrage. „Erst wenn die Schadensursache geklärt ist, lässt sich auch das Ausmaß der Sanierung benennen.“

Die Flüchtlinge jedenfalls trifft es hart. Sie müssen Anfang Februar ausziehen. Nach schlimmen Erlebnissen in der Heimat und auf der Flucht, haben sie gerade erst in Schwalbach eine Art Zuhause aufgebaut, jetzt müssen sie wieder Koffer packen. Der Erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Kollmeier und der Kreisbeigeordnete Johannes Baron haben betont, dass bei der Verteilung zwei Kriterien relevant waren: Die Bewohner werden auf verschiedene Orte verteilt, um nicht eine Kommune überzubelasten. Die persönlichen Bedingungen der Erlenborn-Bewohner werden dabei aber besonders berücksichtigt, um sie nicht mehr als nötig aus ihrem neuen sozialen Umfeld herauszureißen. Darauf weist Latsch noch einmal hin. Aufnahmekommunen sind Hattersheim, Flörsheim, Hochheim, Eschborn, Sulzbach, Bad Soden, Kelkheim und Eppstein.

Auch für die Stadt kommt das Ganze überraschend. „Wir unterstützen den Kreis, wo wir es können“, sagt Bürgermeisterin Christiane Augsburger. Jugend- und Sozialamtsleiterin Brigitte Wegner betont: „Für die Bewohner ist es schon ein Drama, die Unterkunft verlassen zu müssen, die ihr neues Zuhause war. Kreis und Stadt tun aber alles, um den Umzug für die Bewohner sozialverträglich zu gestalten.“ Auch Klaus Stukenborg, Sprecher der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, lobt die Mitarbeiter von Kreis und Stadt für ihren Einsatz. Einen Kritikpunkt hat er aber: „Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer wurden erst Mitte letzter Woche informiert. Das ist zu spät. Gerade als Flüchtlingshelfer, die alle Personen in den Unterkünften gut kennen, hätten wir uns gewünscht, in den Verteilungsprozess eingebunden zu sein. So ergeben sich nun Härtefälle“, sagt er. „Die Bewohner haben ad hoc nach der Information neue Adresszettel erhalten. Das hätte man schonender handhaben können“, sagt Stukenborg. Latsch betont: „Wenn die Flüchtlingshilfe Schwalbach noch Nachbesserungsbedarf in Einzelfällen bei der neuen Unterbringung von Flüchtlingen sieht, haben wir da ein offenes Ohr.“ Die Informationspolitik verteidigt er aber: „Nach der Feststellung des Schaden und der Erkenntnis, dass die Bewohner die Unterkunft verlassen müssen, mussten wir erst mal logistisch klären, wie das möglich ist. Da konnten wir nicht jeden Beteiligten sofort involvieren.“

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