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Der Marktplatz in Schwalbach wird seit einiger Zeit Videoüberwacht

Prozess

Geht die Polizei in Schwalbach übertrieben hart vor?

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Es ist ruhiger geworden in Schwalbach, seit die Polizei verstärkt Präsenz zeigt. Die meisten Bürger der Stadt finden das gut, ein 33 Jahre alter Mann nicht. Er stand jetzt wegen Beleidigung und Widerstands gegen Polizeibeamte vor Gericht.

Hessen/Schwalbach - Es ist der 7. April 2018, spätabends in Schwalbach. Anwohner des Westrings beschweren sich über Ruhestörung. Die Polizei kommt, trifft eine Gruppe junger Leute an, die sich fluchtartig auflöst. Übrig bleibt ein Sulzbacher (33), der zufällig des Weges kam, sich aber wegen des seiner Meinung unangemessenen Polizeieinsatzes über die Beamten lustig machte, den Polizisten „den Vogel zeigte“ und sie fragte, ob sie denn nichts Besseres zu tun hätten, „als kleine Kinder zu kontrollieren“ (Im vergangenen Jahr kam es in Schwalbach zu einer beunruhigenden Brandserie). Die Beamten befassten sich daraufhin mit dem aufmüpfigen Mann, der sich der Kontrolle zunächst widersetzte, seinen Ausweis dann aber doch herausrückte.

Angeklagter baute sich wie ein Boxer vor den Polizisten am Westring in Schwalbach auf

Die Sache wäre damit erledigt gewesen, hätte der Mann nicht eine drohende Haltung gegenüber den von Bereitschaftspolizisten unterstützten Streifenbeamten eingenommen. Es kam, so wurde es vorm Königsteiner Amtsgericht deutlich, zu massiven Beleidigungen, die weit unter die Gürtellinie zielten. 

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Offenbar hat der Mann, so sah es das Gericht, etwas falsch verstanden: Ein Bereitschaftspolizist hatte sich beim Verlassen des Transporters vorsichtshalber mit einem „Mehrzweckstock“ bewaffnet. Der Angeklagte will es mit der Angst bekommen haben, dass er nun mit dem Stock vermöbelt würde, was aber gar nicht die Absicht der Beamten war. Jetzt machten sich die später ermittelten 1,49 Promille Alkohol bemerkbar. 

Nach der Schilderung eines Polizisten im Zeugenstand nahm der Mann „Boxer-Haltung“ ein, er versuchte, den Beamten einen Faustkampf „Mann gegen Mann“ aufzuzwingen. Die Polizisten hielten es für angebracht, den Mann in Gewahrsam zu nehmen. Das gestaltete sich jedoch schwierig. Drei Beamte waren nötig, den schwergewichtigen, aggressiv mit den Armen herumfuchtelnden Sulzbacher niederzuringen, ihm Handschellen anzulegen und ihn in den Streifenwagen zu verfrachten. 

Westring Schwalbach: Situation wurde immer brenzliger

„Die Luft war zum Schneiden“, beschrieb der Beamte die immer brenzliger werdende Situation am Schwalbacher Westring. Wie ein von der Körperkamera („Bodycam“) eines Beamten aufgezeichnetes Video zeigte, war der Mann offenbar noch so bei Sinnen, dass er die Maßnahme begriff. Auch war zu hören, wie er „Brigade, Brigade, asozial“ brüllte und jammerte, er spüre wegen der zu stramm sitzenden Handschellen seine Finger nicht mehr. Die Polizisten legten ihm bequemere Einwegfesseln an, wohl auch, weil der Mann sich etwas zu beruhigen schien. 

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Auf der Polizeistation habe der Mann dann den „sterbenden Schwan“ gegeben und nach Luft gerungen, so dass die Beamten einen Arzt alarmierten, der wegen der Blutentnahme aber ohnehin kommen musste. Atemnot habe der Doktor aber nicht feststellen können, so der Beamte.

Westring Schwalbach: Angeklagter gibt zu, überreagiert zu haben

Im Prozess ließ der Angeklagte Einsicht in sein Fehlverhalten erkennen, er habe wohl überreagiert. So berechtigt die Polizeikontrollen in Schwalbach im Allgemeinen auch seien, in diesem Fall habe er sie, sicher subjektiv, aber für übertrieben gehalten. Man könne heute zu bestimmten Zeiten kaum noch durch Schwalbach laufen, ohne kontrolliert zu werden, sagte er. Deshalb sei er ausgerastet. Das hatte damals wohl auch damit zu tun, dass er zuvor reichlich Alkohol zu sich genommen hatte.

Der Mann ist wegen gefährlicher Körperverletzung mehrfach vorbestraft und auch schon zu Haftstrafen verurteilt worden, was aber viele Jahre zurückliegt. Deshalb fiel die Entscheidung des Gerichts mit einer Geldstrafe von 500 Euro auch eher glimpflich aus – 50 Tagessätze zu je 10 Euro. Der zweite Wert verrät, dass es um die Einkünfte des Mannes nicht zum Besten bestellt ist.

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