Günter Pabst vor der Sitzung am Donnerstag.
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Günter Pabst vor der Sitzung am Donnerstag.

Politik

Günter Pabst ist jetzt Parlamentschef

  • VonKristiane Huber
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Wie aus einem Protestler von früher der "Erste Bürger" der Stadt Schwalbach wurde.

Schwalbach -"Von den Treppenstufen zum Platz auf der Bühne" - so umschreibt Günter Pabst selbst seine ganz eigene kommunalpolitische Geschichte in Schwalbach in seiner Rede nach seiner Wahl zum neuen Stadtverordnetenvorsteher in der konstituierenden Sitzung des Parlamentes am Donnerstagabend. Denn aus dem Protestler von früher ist nach fast 40 Jahren der "Erste Bürger" der Stadt geworden.

1982 stand Günter Pabst mit anderen Eltern auf den Stufen der Bürgerhausbühne, um während einer Parlamentssitzung für den Verbleib der "Freien Kinderschule" in Schwalbach zu demonstrieren. Der Protest für das Elternprojekt war vergeblich, doch Pabst und einige Mitstreiter beschlossen, ihren Frust in politisches Engagement umzuwandeln und gründeten die Unabhängige Liste (UL), die zwischen 1986 und 2016 lange in einer Koalition mit SPD und FDP die Geschicke Schwalbachs mitgestaltete. Als sich die UL auflöste, entschied der politisch heimatlos gewordene Günter Pabst, als Parteiloser auf der SPD-Liste zu kandidieren. Seit 2016 arbeitet Pabst für die SPD, die ihn als stärkste Fraktion für das ranghöchste Ehrenamt der Stadt vorgeschlagen hat, im Magistrat mit. Eigentlich hätte Pabst, der mit 76 Jahren der älteste und langjährigste Mandatsträger ist, die Sitzung gleich selbst leiten können, doch das musste aus formalen Gründen zunächst Josef Nickel (SPD) als Zweitältester übernehmen.

Eine Gegenkandidatur zu Pabst gab es nicht. Von den 37 Stadtverordneten stimmten in geheimer Wahl 27 für Pabst; bei drei Enthaltungen erhielt er sieben Gegenstimmen. Damit hat der erste Test für CDU und SPD geklappt, die derzeit Koalitionsverhandlungen führen, und zusammen 24 Stimmen (Sitze) in die Waagschale werfen, die Günter Pabst wohl komplett zugeflossen sind. Eine weitere Ja-Stimme hat er mutmaßlich von dem Vertreter der "Eulen" erhalten, auf deren Liste seine Ehefrau Gundula Lohmann-Pabst kandidierte. Dass er über politisches Kalkül hinaus weitere Zustimmung und Enthaltungen verbuchen kann, dürfte Anerkennung für sein großes, breitgefächertes gesellschaftlichen Engagement in vielen Vereinen und Organisationen sein. Pabst, ein Kämpfer gegen Rassismus und Antisemitismus und für europäische Völkerverständigung, begrüßte besonders den ehemaligen Europa-Abgeordneten Thomas Mann (CDU) als Mitglied im neugewählten Stadtparlament. Desgleichen freute er sich über die jungen und neuen Mandatsträger, denen er "Mut, Entschlossenheit und Geduld" wünscht, die man in der Kommunalpolitik brauche. Pabst bedankte sich für das Vertrauen und versprach, sein Amt "politisch neutral, objektiv und sachlich" auszuüben. Wer den meinungsstarken Mann kennt, dessen Herz eher links schlägt, weiß, was ihm dieses Versprechen abverlangt. Als aufrechter Demokrat wird er dies jedoch meistern. So appelliert Pabst an das Stadtparlament: "In einer lebendigen Demokratie gehört der politische Streit dazu. Der Streit muss aber fair und im gegenseitigen Respekt ausgetragen werden." Die Aufgabe aller Kommunalpolitiker sei, "das Beste für Schwalbach zu tun".

Der neue Stadtverordnetenvorsteher benannte auch die Herausforderungen, die er für Schwalbach sieht. Die Finanzsituation gehört dazu. Ohne es konkret zu benennen, meint Pabst damit die Folgen der "Greensill-Bank-Pleite" und des Abschieds eines Top-Steuerzahlers wie Samsung im Jahr 2024. Zudem habe Schwalbach große Projekte wie die Feuerwehrumsiedlung zu bewältigen. Pabst verweist aber darauf, dass auch der Klimaschutz und das Zusammenleben der Kulturen bei aktuellen Problemen einen hohen Stellenwert habe.

Pabsts Stellvertreter wurden mit Axel Fink (CDU), Katja Lindenau (Grüne), Yvonne Storch (FDP) und Alexandra Scherer (SPD) einstimmig gewählt. Dann musste Günter Pabst Einweghandschuhe anziehen, um die neuen Magistratsmitglieder, die ebenso ausgestattet wurden, per Handschlag zu begrüßen, wie es die HGO wohl selbst in Corona-Zeiten vorsieht. Die Vereidigung, die alle gleichzeitig mitsprachen, und die Urkundenvergabe erfolgte durch Bürgermeister Alexander Immisch (SPD), der auch Günter Pabst eine "glückliche Hand" als Stadtverordnetenvorsteher wünschte. Den neuen ehrenamtlichen Teil des Magistrats bilden Monika Maier, Sonja Waschke und Eberhard Kramer für die SPD, zusammen mit Norbert Wielens, Angelika Roitzheim und Roland Winter von der CDU. Die Grünen entsenden Jochen Zehnter und Andreas Günkel in das Gremium, das Walter Korn von der FDP & Freie Bürger vervollständigt.

Mit Jörg Janata (SPD), Andreas Meyer (SPD) und Michael Müller (FDP & Freie Bürger) gibt es drei Nachrücker ins Parlament.

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