Meisterschaft 1959

Hans Weilbächer, deutscher Meister mit der Eintracht, wird 85

Einmal durfte die Frankfurter Eintracht sich als beste deutsche Fußballmannschaft feiern lassen: 1959. Ein Mann aus Schwalbach war Teil jener Elf, die Offenbach besiegte. Im Jahr darauf spielte Hans Weilbächer vor einer Traumkulisse, die selbst heutige Profis nicht mehr erleben.

Da muss Hans Weilbächer gar nicht lange überlegen. Er antwortet, ohne zu zögern. Auf die Frage des Kreisblatt-Redakteurs, wie das Europapokal-Spiel der an diesem Donnerstag enden wird, entgegnet er am Telefon: „Wir sind zurzeit so stark, wir gewinnen 2:1.“ Ob sein Tipp zutrifft, erfährt der ehemalige Fußballspieler des Bundesligisten aus erster Hand: Er wird im Stadion dabei sein, so wie auch beim 7:1-Kantersieg am Freitagabend gegen Fortuna Düsseldorf und so wie eigentlich immer. Die späte Anstoßzeit des Europa-League-Spiels gegen Apollon Limassol FC (Zypern) um 21 Uhr schreckt Hans Weilbächer nicht ab. Er will im Stadion sein und die vermutlich wieder grandiose Stimmung aufsaugen.

„Man müsste noch mal zwanzig sein“! Dieses Lied aus den 50er Jahren hat für Hans Weilbächer seine besondere Bewandtnis. Denn als er 20 war, stand er als Fußballer von Eintracht Frankfurt im berühmten Notizbuch des „Chefs“, Bundestrainer Sepp Herberger.

Am heutigen Dienstag, 23. Oktober, feiert der Schwalbacher Hans Weilbächer seinen 85. Geburtstag. Für die Frankfurter Fußball-Anhänger ist er schon zu Lebzeiten eine Fußball-Legende. Denn er gehört zur Meistermannschaft von 1959.

Von den Fußballern, die damals zum Stamm der deutschen Nationalmannschaft zählten, lebt nur noch Horst Eckel (86), der Fußball-Weltmeister von 1954 vom 1. FC Kaiserslautern. Auch wenn Hans Weilbächer im WM-Aufgebot von 1954 und 1958 keine Berücksichtigung fand, schlug damals seine große Fußballerzeit. Im Tagebuch seines sportlichen Lebens steht mit neben der deutschen Fußballmeisterschaft das Endspiel um den Europapokal (1960) vermerkt.

Zu diesem Zeitpunkt war Hans Weilbächer sportlich im besten Alter von 25 und 26 Jahren. Seine sprichwörtliche, fußballerische Leistungsstärke, auf der Position des rechten Läufers, brachte ihm die Namensbezeichnung der „blonder Pfeil“ ein.

Nach dem Titelgewinn 1959 in der Fußball-Oberliga Süd steuerte er mit Eintracht Frankfurt in der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft, das Finale an. Dort stand der SGE ausgerechnet der Rivale vom Main, Kickers Offenbach, gegenüber. Das Main-Derby wurde am 28. Juni 1959 zum großen Finale im Berliner Olympiastadion. Nach einem dramatischen Spiel siegte Eintracht Frankfurt 5:3 – 2:2 war der reguläre Spielstand. Es folgte die Verlängerung. Unvergesslich war dann die Heimkehr und der Empfang in der Mainmetropole. Im nächsten Jahr hätte Eintracht Frankfurt allen Grund dazu, den 60. Jahrestag der deutschen Meisterschaft zu feiern. Im Europapokal 1959/60 erreichte Eintracht Frankfurt, mit Hans Weilbächer, nach Spielen gegen Young Boy Bern, Wiener Sport-Club und Glasgow Rangers das große Finale, mit Real Madrid als berühmten Gegner. Die deutsche Fußballwelt stand Kopf! Als Schauplatz stand am 18. Mai 1960 die Arena in der schottischen Hauptstadt Glasgow im Blickpunkt, 130 000 Zuschauer bildeten die Traumkulisse. „Auch wenn das Spiel gegen die ,Königlichen‘ 3:7 verloren ging, flogen uns die Herzen der deutschen Fußballfans zu“, erinnert sich Hans Weilbächer an die Rückkehr seiner Mannschaft in Frankfurt am Main. Wie war es, vor so einer Kulisse zu spielen? „Das kann man nicht beschreiben.“ Zum Vergleich: Das aktuell größte deutsche Fußballstadion steht in Dortmund. Es fasst gut 81 000 Besucher. Wenn die Eintracht heutzutage zu Hause spielt, sind maximal 51 000 Zuschauer im Stadion.

In 241 Länderspielen war der Fußballer für Eintracht Frankfurt am Ball und schoss 48 Tore. In die deutsche Nationalmannschaft wurde Hans Weilbächer einmal berufen: am 28. Mai 1955 beim 2:1 gegen Irland in Hamburg. „Beim Start der Bundesliga 1963 zählte ich zum Kader der Bundesliga-Mannschaft von Eintracht Frankfurt“, erzählt Weilbächer, der noch fit ist, aber eine leichte Hörschwäche hat. „Ich gab aber meinen Beruf als Kalkulator bei der Hoechst AG den Vorzug. Meine Fußballkarriere klang sodann aus“, erläutert der frühere Fußballer seine damalige Entscheidung.

Seit 1965 lebt Hans Weilbächer mit seiner Frau Inge in seinem Haus im Süden der Stadt Schwalbach. Seine Ehefrau ist ihm seit Jahrzehnten eine vertraute Partnerin.

In der Zeit nach dem Fußball wurde der Tennissport seine Leidenschaft und der Tennisclub Sportfreunde Schwalbach mit dem Clubhaus sowie der Platzanlage am Erlenborn seine Heimstätte. In der Freitagsrunde in der Tennis-Gaststätte ist er stets ein gerngesehener Gast. Mit seinem Tennis-Sportkameraden Klaus Stöcklin, dem früheren Leiter des städtischen Planungs- und Bauamtes der Stadt Schwalbach, besucht er heute noch gern die Bundesliga-Heimspiele von Eintracht Frankfurt.

Groß war bei Hans Weilbächer die Freunde über den Gewinn des DFB-Pokals gegen den FC Bayern München im Berliner Olympia-Stadion: Im Mai dieses Jahres entzauberte die Eintracht den hohen Favoriten im Endspiel mit 3:1 – in jener Stadt, wo auch er, Hans Weilbächer, vor fast 60 Jahren, seinen größten sportlichen Erfolg feierte. Gefeiert wird heute übrigens im familiären Kreis.

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