Die Mutter Krauss im Herzen von Schwalbach hat neue Eigentümer. Nun soll sie umgebaut und umgestaltet werden; wobei der Denkmalschutz Grenzen setzt.
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Die Mutter Krauss im Herzen von Schwalbach hat neue Eigentümer. Nun soll sie umgebaut und umgestaltet werden; wobei der Denkmalschutz Grenzen setzt.

Traditionsgaststätte

Interessante Aussichten für Mutter Krauss

Ambitioniertes Konzept: Käufer planen mit gutbürgerlicher Küche, Patisserie, Wintergarten und Co-Living.

Schwalbach -Für alle Liebhaber der "Mutter Krauss" war es eine Hiobsbotschaft, als die Traditionsgaststätte mit Hotel im vergangenen Jahr nach dem Tod des langjährigen Betreibers Marco Vogel geschlossen wurde. Die Gerüchteküche brodelte seitdem und die Sorgen waren groß, dass die "Mutter Krauss" nicht erhalten bleiben könnte.

Vogels Erbengemeinschaft bot die Immobilie zum Verkauf an und ein Insolvenzverfahren wurde eröffnet. Die Sprecherin der Erbengemeinschaft, Andrea Schwabe, versprach damals jedoch, es werde ein Käufer gesucht, der die historische Bedeutung der Mutter Krauss zu schätzen wisse, und der dort weiterhin eine Gaststätte betreiben werde.

Das ist offenbar gelungen. Fünf Familien aus dem Rhein-Main-Gebiet haben die "Mutter Krauss" gekauft und wollen dort ein ambitioniertes Konzept verwirklichen. "Unserer Konzept für die Mutter Krauss soll Tradition und Moderne verbinden und verknüpft zeitgemäßes Wohnen mit Gastronomie und Kultur", sagt der Sprecher der Investoren, Anastasios Papakostas.

Als Sohn griechischer Einwanderer wohnt er selbst unweit der "Mutter Krauss" und lebt seit über 30 Jahren in Schwalbach. "Schwalbachs Freud und Leid ist mein Freud und Leid. Deshalb wollen meine Mitstreiter und ich die Mutter Krauss in eine gute Zukunft führen", sagt Papakostas. "Unsere Idee ist dabei auch über das Crowdfunding, die Bürger als Kleinanleger in unser Projekt zur Mutter Krauss einzubeziehen", sagt der gelernte Investmentbanker, für den soziale Aspekte zählen, wie er betont. Diverse Immobilienprojekte habe er bereits realisiert.

Grundbucheintrag steht noch aus

Das Budget der Investoren um Papakostas "liegt bei 3,3 Millionen Euro", sagt er. Für 1,7 Millionen Euro wurde im Frühjahr der Kaufvertrag unterschrieben, der Grundbucheintrag stehe aber noch aus. Erst dann können Bauanträge für die geplante Umgestaltung gestellt werden. "Wir planen keine massiven baulichen Veränderungen, lediglich Umbauten", sagt Papakostas. Es bestehe denkmalschutzrechtlich "Ensembleschutz" für die Gebäude.

Im umgestalteten Restaurant der Mutter Krauss soll weiterhin "gutbürgerliche Küche" angeboten werden, wobei auf regionale und fair gehandelte Produkte zur Herstellung der Speisen geachtet werde. Hochwertiges Fleisch, Veganes und Hessisches wie Apfelwein und Grüne Soße werde auf der Karte stehen. Das Restaurant soll von Hartmut Truntschka geführt werden, der diese Aufgabe schon an einer der ersten Adressen in Berlin, im Hotel Adlon, ausgefüllt habe.

Ein Snob-Schuppen soll die "Mutter Krauss" aber nicht werden: Papakostas sind angemessene, aber bezahlbare Preise wichtig. Auch den Biergarten wird es weiterhin geben. Er soll um einen Wintergarten erweitert werden.

Moderne Wohngemeinschaften

Im Torbogenhaus, das die Eigentümer von der Stadt dazu pachten, wird es eine Neuheit geben: In der Kutscherstube im Erdgeschoss soll eine "Patisserie" eingerichtet werden, die auch Mutter-Krauss-Pralinen herstellen soll. Im Obergeschoss des Torbogenhauses sollen Kulturveranstaltungen organisiert werden.

Die auffälligste Veränderung ist, dass der klassische Hotelbetrieb eingestellt wird. Geplant ist, die früheren Hotelzimmer zu kleinen Appartements - ergänzt durch Gemeinschaftsräume - umzubauen, um dort das inzwischen immer beliebtere Modell "Co-Living" als Lebensstil für Mieter zu ermöglichen. "Diese modernen Wohngemeinschaften verbinden individuelle Privaträume mit Gemeinschaftsbereichen zum Treffen, Arbeiten oder für die Fitness", sagt Papakostas. Zielgruppe sind unter anderem Firmen, die für Mitarbeiter ein temporäres, modernes Wohnumfeld suchen. Der Innenhof und Serviceangebote sollen den Bewohnern außerdem zur Verfügung stehen.

Die Familie Krauss würde wohl manches in ihrem Lebenswerk wiedererkennen und über manches staunen, was nun vorgesehen ist. Als Ignatius Krauss im Jahr 1799 die Gaststätte "Zum Hirschen" kaufte, die seine Nachkommen in Mutter Krauss umbenannten und bis ins Jahr 1955 betrieben, hat er nicht wissen können, dass sein Familienname bis heute in Schwalbach etwas zählt. "Den Namen Mutter Krauss behalten wir natürlich bei", sagt Anastasios Papakostas. ku

Hier ging es schon vor Jahrhunderten in die Gaststätte.
Auf einer Tafel wird die Historie des Gebäudes erklärt.

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