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Mitarbeiter von Vitesco protestierten gestern Mittag vor dem Eingang des Unternehmens an der Sodener Straße 9 gegen den geplanten Stellenabbau.

Wirtschaft

Keine Einigung bei Vitesco

  • vonDavid Schahinian
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Geplanter Jobabbau - Die Mitarbeiter machen ihrem Unmut Luft. Bald soll es Gespräche mit einem Mediator geben.

Schwalbach -Die gestrige Mittagspause bei der Continental-Tochterfirma Vitesco an der Sodener Straße verlief unruhig: Autos fuhren hupend und blinkend im Kreis, über das Betriebsgelände schallten Trillerpfeifen, Rasseln und Signalhörner. Die Arbeitnehmer wollten zum einen ihrem Unmut über den geplanten Abbau von 178 Stellen am Standort Luft verschaffen - und zum anderen sich selbst gegenseitig Mut machen. Dafür waren auch Mitarbeiter von den Standorten Karben, Babenhausen und Rödelheim zur Unterstützung gekommen.

Gestern stand die sechste Verhandlungsrunde mit dem Arbeitgeber an. Die Gespräche seien "nach wie vor sehr schwierig", berichtete die Betriebsratsvorsitzende Carola Rühl in der Pause. "Wir kommen in den Verhandlungen keinen Meter weiter, es fehlt eine Struktur." Stattdessen werde Wortklauberei betrieben.

"Uns ärgert am allermeisten, wie wenig Bereitschaft da ist, qualifizierte Leute zu halten", ergänzte Michael Erhardt von der IG Metall. Die Belegschaft habe gemeinsam mit dem Betriebsrat und Wirtschafts-Sachverständigen Vorschläge gemacht, wie man Beschäftigung am Standort sichern kann. "Ein bisschen davon wird zugestanden, aber das ist im Vergleich zu den Möglichkeiten, die Continental hätte, um hier Geschäft reinzuziehen, sehr wenig."

Stattdessen werde man dazu gedrängt, über den Sozialplan zu reden. "Das ist meines Erachtens eine unwürdige Art und Weise, wie hier mit der Belegschaft umgegangen wird", so Erhardt. Daraufhin gab es Beifall der rund 30 Personen, die sich an der Protestaktion beteiligten. Den Anliegen mit größeren Ansammlungen Nachdruck zu verleihen, ist in diesen Zeiten schwer bis unmöglich. Schwalbach sei ein Entwicklungs- und Verwaltungsstandort, so Erhardt: Die meisten Mitarbeiter seien pandemiebedingt im Homeoffice.

Renditeziel von acht Prozent

Ziel sei es, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. Ein großer Konfliktpunkt sei besagter Sozialplan: "Da stellen wir uns, wenn es schon zu betriebsbedingten Kündigungen kommen sollte, mehr vor." Der jetzige Plan stamme von 2008 und sehe unter anderem eine Deckelung der Maximalabfindung vor. Die Summe wurde aber seit damals nicht mehr angepasst. "Das würde hier am Standort ein Drittel der Leute treffen." 22 der 178 Mitarbeiter finden eine andere Anbindung an Vitesco, erklärte Rühl (wir berichteten): "Aber auch hier sehen wir mehr Potenzial."

Am Nachmittag beendeten die Parteien die Verhandlungen, ohne sich geeinigt zu haben. Nun soll es moderierte Gespräche mit einem Mediator geben. Als Scheitern wollte Rühl das nicht bezeichnen. Was man bislang vereinbaren konnte, werde nicht mehr infrage gestellt. Zudem wolle man weiterhin im Dialog bleiben. Ohne eine neutrale Instanz hätte man sich aber vermutlich nur noch weitere Monate im Kreis gedreht.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die IG Metall die Gespräche mit Continental auf zentraler Ebene über den Abbau von insgesamt 13 000 Stellen beendet hat. Der Konzern erhebe in der Corona-Krise ein Renditeziel von acht Prozent zum Maßstab und wolle dafür massenhaft Beschäftigte entlassen. Continental entwickele sich damit in eine völlig andere Richtung als der Hauptwettbewerber Bosch, der auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten wolle, so Erhardt. Das zeige, dass es "in dieser schwierigen Zeit, in dieser schwierigen Branche" auch anders gehe.

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