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Aus seinem kleinen Büro im Lkw steuert Daniel Fassbender mit einem Joystick den Roboter, an dem eine Kamera installiert ist.

Straßenbau

Wie Mitarbeiter eines Sanierungsunternehmens Rohre und Hausanschlüsse ausbessern

Ein Filzhut, ein Nudelholz aus Metall und ein Roboter: Das sind unter anderem die Gegenstände, die ein Rohrsanierungstechniker braucht, um Hausanschlüsse im Kanal auszubessern. Mitarbeiter der Firma Aarsleff haben uns gezeigt, wie das geht.

So mancher Anwohner am Ostring fragt sich wohl, warum dieser weiße Lkw da am Straßenrand steht und warum hinten Schläuche herausgucken, die in einen Kanalschacht laufen.

Das hat folgenden Grund: Dort wird der Kanal saniert. Das geht heutzutage alles, ohne dass Bauarbeiter gleich die ganze Straße aufreißen müssen. Daniel Fassbender und sein Kollege André Lüdtke machen das ganz elegant mit einem Roboter, den sie aus dem Innenraum des Lkw steuern. Damit können sie die Rohranschlüsse, durch die das Abwasser aus den Häusern abfließt, kontrollieren und nachbessern, falls es nötig ist. Was den Hausanschluss und den Kanal miteinander verbinden soll, ist eine Art Filzhut, der oben offen ist und vom Inneren des Kanals genau in den Hausanschluss passt.

Daniel Fassbender lässt den sogenannten Versetzpacker in den Kanal hinab, wo der Kollege (nicht im Bild) schon wartet. Das, was von weitem ein bisschen wie Pizzateig aussieht, ist der in Harz getränkte Filzhut.

Das Material „Filz“ klingt nicht unbedingt danach, als wäre es geeignet, um als Wasserrohr zu dienen. Ist es auch ohne Weiteres nicht. Deshalb muss das Filz wasserdicht gemacht werden. Das ist ein technischer Vorgang, der erst einmal ganz schön seltsam scheint: Als erstes packen die beiden Techniker den Filzhut in einen Plastikschlauch, aus dem sie mittels einer Vakuumpumpe die Luft heraussaugen. Dann mischen sie zwei Flüssigkeiten, die in diesem Moment anfangen, langsam miteinander zu reagieren. Es handelt sich dabei um ein künstliches Harz, das nun in den Plastikschlauch geschüttet wird. Dann nimmt Daniel Fassbender etwas, das aussieht wie ein Nudelholz aus Metall und massiert damit die Flüssigkeit in den Filzhut.

Filz wird wasserdicht

Warum tut er das? „Das Harz härtet aus“, erklärt Kollege Lüdtke. „Damit wird der Filz wasserdicht.“ Das Rohr bleibe aber etwas elastisch und werde nicht schnell brüchig. Der Kanal wurde von innen bereits mit dem gleichen Material ausgekleidet. Lüdtke sagt, die Firma garantiere, dass dieses Material 50 Jahre lang hält.

Inzwischen hat sich Fassbender Gummihandschuhe angezogen und holt den Filzhut aus dem Plastikschlauch. Mit den Händen wringt er den Filzhut noch einmal aus, damit sich das Harz gleichmäßig verteilt.

Und wie kommt das Ding nun in den Kanal? Der Kanal ist schließlich an dieser Stelle nur 25 Zentimeter breit. Hineinklettern können die Techniker also nicht. Ihnen hilf ein Gerät, das sie Versetzpacker nennen. Das ist ein knapp ein Meter langes Rohr, aus dem ein unförmiges Plastikgebilde hervorschaut. Darüber stülpt Fassbender nun den Filzhut, Lüdtke fixiert ihn mit Gummibändern, damit er nicht abrutscht.

Und dann geht es abwärts – zumindest für André Lüdtke, der sich eine Art Maleranzug übergezogen hat. Er klettert durch die Gully-Öffnung in etwa zweieinhalb Meter Tiefe. Oben schließt Fassbender Schläuche, die mit Geräten im Lkw verbunden sind, an den Versetzpacker an. Er muss sich beeilen, denn das Harz härtet langsam, aber sicher aus. Dann lässt er den etwa 15 Kilogramm schweren Versetzpacker vorsichtig in den Kanal hinab, wo Lüdtke ihn annimmt und mit dem Roboter verbindet. Er ruft nach oben: „Ok, und hoch.“ Dann flucht er kurz, weil etwas klemmt. Schließlich klappt aber alles und Lüdtke kommt wieder hoch an die Oberfläche.

Wie ist es denn da unten im Gully? „Wärmer als hier oben“, sagt Lüdtke. Kein Wunder, an diesem Tag im Januar hat sich stellenweise eine dünne Schneeschicht gebildet. Es stinke auch nicht im Gully. „Wir haben hier vorher alles mit einem Hochdruckgerät gereinigt.“

Mit Joystick und Kamera

Alles weitere passiert nun wieder vom Inneren des Lkws aus. Dort sitzt Daniel Fassbender an einem Bildschirm und steuert mittels eines Joysticks den rund 80 Kilogramm schweren Roboter. Bis zu 200 Meter kann er damit durch den Kanal fahren. Nachdem er das Loch, das zu dem gesuchten Hausanschluss gehört, gefunden hat, positioniert er den Versetzpacker an der richtigen Stelle. Dann schaltet Lüdtke am hinteren Teil des Lkws eine Pumpe ein. Langsam füllt sich nun der Versetzpacker mit Luft und drückt den Filzhut an die Stelle, wo Hausrohr und Kanal aufeinandertreffen. Dort passt der Filzhut sich genau die Stelle an und bleibt dort sozusagen kleben.

So, Mittagspause. Zwei Stunden müssen die Techniker nun warten. So lange dauert es, bis das Harz ausgehärtet ist. Dann können die beiden den Versetzpacker wieder an die Erdoberfläche holen – und sich dem nächsten Hausanschluss widmen.

von KATRIN WALTER

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