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Auf diesem Spielplatz zwischen Stadion und Europapark soll sich die Gruppenvergewaltigung zugetragen haben. Der im März 2018 eröffnete Prozess um die Vorfälle von 2011 verzögert sich aber weiter.

Wissenschaftler überprüfen Glaubwürdigkeit

Opfer angeblicher Gruppenvergewaltigung wird erneut befragt

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Der Vorwurf der Gruppenvergewaltigung auf dem Schwalbacher Schiffsspielplatz war ungeheuerlich; ungeklärt blieb bislang die Glaubwürdigkeit des Opfers. Im neuen Jahr soll der Prozess weitergehen.

Fast fünf Monate saß die Jugendstrafkammer des Frankfurter Landgerichts über eine mögliche Gruppenvergewaltigung in einer Holzhütte auf dem Schiffsspielplatz in Schwalbach zu Gericht – jetzt wurde das vorläufige Ende des Prozesses bekanntgegeben. Die von Richter Uwe Steitz geleitete Strafkammer konzentriert sich in den kommenden Wochen auf die Einholung eines neuen Glaubwürdigkeitsgutachtens, dem sich die heute 41 Jahre alte Frau zu unterziehen hat, die laut Anklage Opfer der unerhörten Vorgänge in dem Holzverschlag an einem Septemberabend 2011 gewesen sein soll. Ihrer späteren Aussage zufolge soll sie von allen fünf Angeklagten – der jüngste war damals gerade 15 Jahre alt – auf verschiedene Weise vergewaltigt und missbraucht worden sein. Gerade der jüngste Täter habe sich bei dem erzwungenen Gruppensex besonders hervorgetan. Die Angeklagten hatten in ihren Aussagen die sexuellen Kontakte in der Hütte als „einvernehmlich“ bezeichnet. Die Frau habe von ihnen zuvor Haschisch erbeten.

Die wie ihre mutmaßlichen Peiniger ebenfalls in Schwalbach wohnende Frau war vom Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit mittels einer Videokonferenz zu den Vorfällen befragt worden – Richter Steitz äußerte später Zweifel darüber, ob diese Aussage eine Verurteilung der Angeklagten stützen würde. Gleichwohl ließ sich das Gericht auf die Anträge der Verteidiger und auch der Staatsanwaltschaft ein, ein zusätzliches Glaubwürdigkeitsgutachten einzuholen. Ausschlaggebend dafür seien auch Hinweise auf eine mögliche Borderline-Erkrankung gewesen.

Ursprünglich hofften die Richter, das Gutachten innerhalb weniger Wochen auf den Tisch zu bekommen und das seit Mitte März laufende Verfahren mittels zwei oder drei Kurzterminen damit am Leben erhalten zu dürfen. Ein Rundruf bei Wissenschaftlern aber habe gezeigt, dass ein Gutachten frühestens Ende Oktober in Auftrag gegeben werden könne. Acht und mehr Kurztermine aber hielten einer Überprüfung durch den Bundesgerichtshof erfahrungsgemäß nicht stand, sagte Steitz.

Der neue Prozess werde wahrscheinlich im Januar oder Februar kommenden Jahres anfangen. Neben den zahlreichen Zeugenvernehmungen müsste dann auch die Aussage des mutmaßlichen Opfers wiederholt werden. Manches könne sich trotzdem kürzer und kompakter gestalten, hieß es bei Gericht. Die Frau hatte trotz erheblicher psychischer Schwierigkeiten einer zusätzlichen Exploration durch einen Glaubwürdigkeitsgutachter ausdrücklich zugestimmt.

(ge)

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