Die Stadtverordneten besichtigten das Torbogenhaus.
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Die Stadtverordneten besichtigten das Torbogenhaus.

Traditionsgaststätte "Mutter Krauss"

Patisserie für die "Kutscherstube"

  • VonKristiane Huber
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Die Investoren erläutern ihre Pläne fürs Torbogenhaus.Sie hoffen, Anfang 2022 mit dem Umbau beginnen zu können.

Schwalbach -Allerorten war Erleichterung vernehmbar: Als Investoren bekanntgaben, die Traditionsgaststätte "Mutter Krauss" weiterzuführen, ging ein Aufatmen durch Schwalbach. Die Familie Krauss hat den Gasthof, der schon vorher bestand, 1799 erworben und bis 1955 betrieben. Auch danach war es immer ein Gasthaus. Durch den Tod des letzten langjährigen Betreibers Marco Vogel war das Haus mit Hotelbetrieb in der Altstadt seit 2020 geschlossen. Die Besorgnis war groß, dies könne das Ende "Mutter Krauss" sein.

Vogels Erbengemeinschaft bot die Immobilie zum Kauf an, ein Insolvenzverfahren wurde eröffnet. Fünf Familien aus dem Rhein-Main-Gebiet haben die "Mutter Krauss" für 1,7 Millionen Euro gekauft. Sie wollen ein ambitioniertes Konzept verwirklichen. Es soll "Tradition und Moderne verbinden und verknüpft zeitgemäßes Wohnen mit Gastronomie und Kultur", sagte der Sprecher der Investoren, Anastasios Papakostas, im Sommer. Ein Budget von rund 3,3, Millionen Euro sei vorhanden. Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Papakostas nun, "dass die Pläne weiterhin so bestehen und umgesetzt werden sollen". Der Projektstart verzögere sich jedoch, "weil noch immer keine Eigentumsübertragung an uns im Grundbuch verankert ist. Deshalb kann mit den geplanten Umbauten vorwiegend im Innern noch nicht begonnen werden." Sobald es losgeht, werde die Bauzeit rund sechs Monate betragen. "Wir hoffen, zu Jahresbeginn 2022 anzufangen," sagt er. Denkmalschutzrechtlich besteht "Ensembleschutz" für den Komplex, nur für eine Maßnahme am Dach werde ein Bauantrag gebraucht. Als Sohn griechischer Einwanderer wohnt Papakostas unweit der "Mutter Krauss" und lebt seit über 30 Jahren in Schwalbach. Ihm liege die Stadt und die "Mutter Krauss", die ihren Namen behalten soll, am Herzen. Über eine Sammlung sollen sich Bürger als Kleinanleger an der "Mutter Krauss" beteiligen können. "Wir versuchen, die Bürgerbeteiligung noch im Dezember 2021 auf den Weg zu bringen", sagt er.

Im umgestalteten Restaurant soll weiterhin gutbürgerliche Küche angeboten, wobei auf regionale und fair gehandelte Produkte Wert gelegt werden soll. Hochwertiges Fleisch, Veganes und Hessisches wie Apfelwein, Grüne Soße und Handkäs sollen zu angemessenen, aber bezahlbaren Preisen auf der Karte stehen. Der klassische Hotelbetrieb wird von den Investoren jedoch eingestellt. Stattdessen sollen die Hotelzimmer zu kleinen Appartements - ergänzt durch Gemeinschaftsräume - umgebaut werden. "Wir wollen das immer beliebtere Modell Co-Living für Mieter anbieten. Diese modernen Wohngemeinschaften verbinden individuelle Privaträume mit Gemeinschaftsbereichen zum Treffen, Arbeiten oder für die Fitness", sagt Papakostas. Zielgruppe sind unter anderem Firmen, die für ihre Mitarbeiter ein temporäres, modernes Wohnumfeld suchen.

Der Innenhof und Serviceangebote sollen den Bewohnern zur Verfügung stehen. Als "Sahnehäubchen" würden die Investoren gerne das Torbogenhaus, das der Stadt gehört, pachten. Papakostas: "Wir können uns vorstellen, in der Kutscherstube im Erdgeschoss eine Patisserie einzurichten und das Obergeschoss für Kulturveranstaltungen zu nutzen."

Die Zukunft des Torbogenhauses ist auch ein politisches Thema. Die Grünen hatten bereits Ende 2020 angeregt, die Kutscherstube im Torbogenhaus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wenn ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen wird. Die Entscheidung darüber wurde dieser Tage in den November vertagt.

Der Ausschuss für Bildung, Kultur und Soziales hat das Torbogenhaus besichtigt. Papakostas war dabei. Im Obergeschoss sind Wandmalereien zu bewundern, die Kutscherstube bekommt ihr Ambiente durch Fachwerk. Ausschuss-Vorsitzende Claudia Eschborn (Grüne) betont gegenüber dem Kreisblatt: "Wir konnten uns bei dem Ortstermin davon überzeugen, wie attraktiv die Räumlichkeiten im Torbogenhaus sind, das zur Jahrtausendwende mit städtischem Millionenaufwand saniert wurde. Das gilt insbesondere für die Kutscherstube, die seit langem nicht öffentlich zugänglich ist und als Rumpelkammer genutzt wurde. Dies ist umso ärgerlicher, weil ein einstimmiger Parlamentsbeschluss von 2012 existiert, dass die Kutscherstube öffentlich zugänglich gemacht werden soll. Der Beschluss ist gültig, wurde aber nie umgesetzt." Diesen Fauxpas solle die Stadt beim Abschluss eines neuen Pachtvertrages nicht wiederholen und dies verbindlich hineinschreiben. Eschborn weiter: "Die Pläne der Investoren für das Torbogenhaus sind verlockend. Es wird nun zu diskutieren sein, ob sie von der Parlamentsmehrheit in Verbindung mit einem Pachtvertrag so gewünscht werden."

Papakostas betrachtet die politische Diskussion gelassen: "Wenn die Stadt die Räume anders nutzen will, bringt das unser Konzept für die ,Mutter Krauss' nicht zu Fall. Es wäre jedoch schade, wenn wir die Idee nicht umsetzen könnten."

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