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Burghard Haueisen arbeitet im Schwalbacher Rathaus. Im Planungs- und Bauamt ist er unter anderem der Fachmann für den Baumschutz.

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Platanen lassen ihre Rinden fallen

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Kürzlich in Hofheim: Passanten bleiben stehen und befühlen die Bruchstücke, die von den Platanen abfallen. In Bad Soden landeten riesige Schollen auf der Königsteiner Straße. Ein Schwalbacher Naturschutz-Fachmann sagt: Es besteht kein Grund zur Sorge.

Sie sind stattliche Geschöpfe. Robust. Widerstandsfähig. Ansehnlich. Sie sind allgegenwärtig und oft prägend im Straßen- und Ortsbild der Städte und Gemeinden. Ihre sehr breiten und hochgewölbten Kronen fallen auf, ebenso ihre anfangs grau- und hellbraune Rinde, die ab Mitte des Jahres irgendwann bröselt und in rundlichen Stücken und Mini-Platten nach und nach abspringt. Platanen tauchen in Parks auf, bilden aber auch Alleen. Sie finden sich auf grünen „Inseln“ in der Schwalbacher Limesstadt genauso wie oberhalb des Bad Sodener Kurparks, auf der Terrasse, die ihn vom „H+ Hotel“ trennt.

Doch in diesem Jahr ist etwas anders. Die Platanen werfen ihr Kleid schneller ab als üblich, und die Fetzen gleichen manchmal großen Scheiben. Das bestätigt Burghard Haueisen, der Baumschutz-Fachmann der Stadt Schwalbach. Ihm fällt ein drastisches Beispiel aus Bad Soden ein. Neulich ist der Umwelt- und Naturschutz-Experte die Königsteiner Straße hinuntergekommen – von der Limesspange aus in Richtung Kreisel Sulzbacher Straße. „Da lagen richtige Brocken auf der Straße“, erzählt der Schwalbacher Rathaus-Mitarbeiter. „Riesige Schollen.“ Das sei fast gefährdend für den Straßenverkehr gewesen.

Grundsätzlich, sagt Burghard Haueisen, sei es eine „ganz natürliche Sache“, dass die Platanen ihre Hüllen fallen lassen. Normalerweise sei dies ein langsamer Prozess. Der Baum wächst, der „Mantel“ mit der Rinde wird zu eng. Sie löst sich in kleinen Stücken und gibt den Blick frei auf frische, gelbliche Flecken. Die langanhaltende Hitze und Trockenheit beschleunige den Vorgang jedoch. Je trockener die Luft, desto stärker und schneller löse sich die Borke, erläutert Burghard Haueisen. In sehr kurzer Zeit fällt die Rinde in großen Fetzen ab. Das Phänomen ist nach Ansicht des Schwalbacher Experten aber nicht besorgniserregend.

Neu sei es nicht. Es sei in den vergangenen Jahren schön öfter vorgekommen. Burghard Haueisen ist noch nicht in Sorge um die Platanen, die aus dem südeuropäischen Raum und der Mittelmeer-Gegend kämen, etwa aus der Türkei und aus Griechenland. Die Bäume sind darauf programmiert, mit Wetterextremen klarzukommen.

Dass die Platanen ihren Bast, die Rinde, sich üppiger löst als üblich, fasziniert viele Spaziergänger, Passanten und Radfahrer – selbst Laien, die sich mit Flora und Fauna nicht auskennen oder sich sonst kaum für sie interessieren. In der Grünanlage zwischen der „Alten Bleiche“ und der Kirschgartenstraße in Hofheim blieben dieser Tage immer wieder Menschen stehen, die sich das gescheckte Tarnfarbenmuster der Platanen ansahen oder heruntergefallene Bruchstücke aufhoben und befühlten. Neugierig tasteten sie die Rinde ab und fragten sich, was los ist. Dem Kreisblatt dienten die neugierig-erstaunten Fußgänger als Anlass, einmal bei Burghard Haueisen nachzufragen.

Auch er „stolpert“ in Schwalbach immer wieder über Ansammlungen von Platanen-Borke. In der Wohnstadt Limes gebe es zahlreiche Bäume, bei denen die Rinde-Fetzen zu Boden gehen. „Die liegen dann um die Platanen herum.“

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