Die gelben Ortsschilder zeigen deutlich: Die auffällig roten Container stehen an der Grenze zwischen Schwalbach und dem Eschborner Stadtteil Niederhöchstadt.
+
Die gelben Ortsschilder zeigen deutlich: Die auffällig roten Container stehen an der Grenze zwischen Schwalbach und dem Eschborner Stadtteil Niederhöchstadt.

Eschborner Flüchtlingsunterkunft

Roter Klotz für die Afghanen

  • VonKristiane Huber
    schließen

Die umstrittene Asylbewerber-Unterkunft an der Grenze zu Schwalbach wurde fertiggestellt. Sie kostete 2,3 Millionen Euro und löst nach wie vor Kritik in Eschborns Nachbarstadt aus.

Signalrot leuchten die beiden zweistöckigen Containerbauten der neuen Eschborner Flüchtlingsunterkunft „Im Wehlings“. Schon aus der Ferne stechen sie ins Auge. Die ersten Bewohner sollen am 15. August einziehen. Platz für 96 Menschen wurde hier geschaffen.

Ein Bagger ist noch in Bewegung. Paletten mit Pflastersteinen und ein Kieshaufen zeugen davon, dass jetzt noch das Außengelände hergerichtet wird. An die ehemalige Streuobstwiese erinnert nichts mehr, eine stattliche Eiche wurde allerdings erhalten. Der Standort für die Unterkunft, direkt an der Grenze zur Schwalbacher Gemarkung gelegen, ist äußerst umstritten. Eine Anwohnerinitiative wollte die Bebauung der Wiese verhindern. Sie meldet sich jetzt noch einmal zu Wort (siehe nebenstehenden Text).

Drinnen in der Unterkunft ist schon alles für den Grundbedarf möbliert: Kücheneinrichtung, Etagenbetten, Wandschränke, Tische und Stühle sind da. „Wir haben nach dem gleichen Grundriss gebaut, wie beispielsweise in Schwalbach am Westring“, sagt Frank Staschok vom Bau- und Liegenschaftsamt des Kreises. „Die Besonderheit dabei ist, dass die Wohneinheiten flexibel verkleinert und vergrößert werden können – je nachdem, ob Familien oder Einzelpersonen hier leben“, ergänzt er. Küchen und Bäder können sinnvoll zugeordnet werden.

Büro für Sozialarbeiter

Jeder Gebäuderiegel verfügt auch über einen Gemeinschaftsraum, einen Raum zum Wäschewaschen und ein Büro für Sozialarbeiter und Hausmeister. 2,3 Millionen Euro hat das Objekt gekostet, das Kreisbeigeordneter Johannes Baron (FDP) gestern präsentierte.

Nach Barons Informationen wird es sich bei einer Vielzahl der künftigen Bewohner um Familien aus Afghanistan handeln. Für viele Flüchtlinge gelte, dass sie einen Asylantrag erst noch stellen müssen und sich die Bearbeitungszeiten angesichts der massenhaften Fälle hinziehen werden.

Geiger irritiert

Baron rekapitulierte noch einmal, dass der Druck des massiven Flüchtlingsstroms, den Deutschland erlebt habe, „den Zwang zur Realisierung immer größerer Unterkünfte auch im Main-Taunus-Kreis mit sich gebracht hat“. Es sei deshalb keine Eschborner Spezialität, dass in dieser Größenordnung in Ortsrandlagen gebaut worden sei. Bürgerproteste habe es ebenfalls anderorts auch gegeben. Bürgermeister Mathias Geiger, ebenfalls FDP, rechtfertigte den Standort mit der irritierenden Auskunft: „Im Wehlings liegt im Außenbereich, ist aber bebaubarer Innenbereich.“ Außenbereich oder Innenbereich? Darf dort gebaut werden oder nicht? Darum drehte sich auch die Diskussion mit der Anwohnerinitiative. Jetzt ist die Unterkunft jedoch da. Diverse andere geplante Unterkünfte im MTK werden vorerst nicht mehr gebaut werden; damit bekräftigte Baron eine Bekanntgabe des Kreises vom Mai 2016. Diese Konsequenz wurde gezogen, weil sich die Lage bekanntlich entspannt hat. Baron: „Die Flüchtlingszahlen sind spürbar gesunken. Wir bekommen derzeit als Kreis rund 20 Flüchtlinge pro Woche zugewiesen, in der jüngsten Vergangenheit waren es noch bis zu 100 Menschen pro Woche. Das ist nicht mehr annähernd so dramatisch wie noch zu Jahresbeginn, als kommunale Räume zu Unterkünften umfunktioniert werden mussten.“

In Eschborn wird das Projekt auf dem Bundesgelände an der Sulzbacher Straße nicht weiterverfolgt. Die im Bau befindlichen Unterkünfte – wie etwa „Am Erlenborn“ in Schwalbach – werden dagegen noch fertiggestellt.

„Genug Kapazitäten“

„Bleiben die Flüchtlingszahlen auf diesem Niveau, hat der Kreis einen Masterplan bis Ende 2017“, sagt Baron. „Wir haben dadurch genug Kapazitäten, ohne noch alle geplanten Unterkünfte realisieren zu müssen, und Leerstände wird es auch nicht geben“, fügt der Kreisbeigeordnete an. Denn einen weiteren Vorteil gibt es, erläutert Baron: „Wir können nun nach und nach Flüchtlingen aus kommunalen Räumen und Pensionen in reguläre Unterkünfte verlegen.“ Auch „Im Wehlings“ wird es eine Mischung aus Flüchtlingen geben, die einerseits neu in den Kreis kommen und andererseits aus auf Dauer nicht geeigneten Unterbringungen hierher umziehen.

Derzeit sind im Main-Taunus-Kreis 2818 Flüchtlinge untergebracht (siehe auch Grafik oben); 212 davon leben in Eschborn.

Seit Jahresbeginn finanziert der Kreis – und das sei eine Besonderheit ringsherum, wie Johannes Baron betont, Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge. Bei Dreivierteln der MTK-Flüchtlinge bestehe große Offenheit dafür. „Es kommen aber auch Menschen zu uns, die nie eine Schule besucht haben und die nicht wissen, wozu man ein Bett und ein WC benutzt“, sagt der Kreisbeigeordnete. Da fange Integration in den Unterkünften beim Elementarsten an, verdeutlicht Baron die schwere Aufgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare