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TG Schwalbach

Schluchten durchqueren

  • VonJuliane Schneider
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Hunderte von Kindern treiben bei der TG Schwalbach Sport. Das funktioniert nur dank gut ausgebildeter Trainerinnen.

Schlangen bilden sich an der Matten-Burg. Vier- und Fünfjährige klettern nach und nach bis ganz nach oben. Vorher haben die Knirpse schon die Schlucht zwischen den Blöcken durchquert und sind wild an den Ringen geschaukelt. Der Nachwuchs ist nicht auf sich allein gestellt. Unter der Aufsicht von David und Christian gehen die Kinder zu Werke. Die beiden absolvieren Freiwillige Soziale Jahre (FSJ) in der Turngemeinde Schwalbach (TGS).

Ernährung ist wichtig

Das „Purzelturnen“ donnerstagnachmittags endet wie immer mit einem lustigen Spiel. Wenn der Übungsleiter „Feuer“ ruft, heißt es, ganz schnell in die Ecken zu rennen und bei „Wasser“ auf die blauen Matten zu springen. Bei „Blitz“ erstarren alle. Nicht jedes Kind beherrsche es, sofort zu stoppen, sagt Bewegungspädagogin Dorle Fließbach. „Die Kinder spielen immer weniger auf der Straße, wo man solche Dinge früher automatisch trainierte.“ Defizite durch mangelndes Freispiel seien leider auch beim Radfahren zu beobachten. „Ich sehe manches Mal mit Schreck, wie wackelig Fünft- und Sechstklässler auf ihren Fahrrädern unterwegs sind, vor allem wenn sie noch den Arm zum Abbiegen ausstrecken.“

Umso wichtiger ist daher das Angebot der Sportvereine, und das kann sich bei der TGS sehen lassen. Siebenmal pro Woche treffen sich Groß und Klein zum Eltern-Kind-Turnen, viermal die Vier- bis Sechsjährigen zum Purzelturnen. Zudem gibt es Kindertanz, die Kooperation mit den Kindergärten und seit einem Jahr Baby-Sport. Dorle Fließbach betreut die knapp über 0- bis 6-Jährigen: 195 Jungs und genauso viele Mädchen. Um ihre Schützlinge bestmöglich zu trainieren, hat sie zahlreiche Kurse absolviert und gerade erst mit Bravour das Studium zur Fachlehrerin für Kindergesundheit bestanden, darin enthalten sind Module über Kindertanz und Ernährung.

Über die eigene Tochter sei sie vor 18 Jahren dazugestoßen, erzählt die beliebte Trainerin. „Kannst du mal eine Vertretung übernehmen?“, das ist ein Satz, mit dem der Verein schon so manche Mutter für die wichtige Arbeit an Bord geholt hat. Das gilt auch für Bettina Brandt von Lindau, die ebenfalls die Kleinsten trainiert und sich besonders auf die Betreuung Behinderter eingestellt hat und sogar das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen abnehmen kann.

Die älteren Kinder hat Susanne Kinkel unter ihre Fittiche genommen. Hier dünne die allgemeine Turngruppe allerdings merklich aus, zugunsten von Judo, Geräteturnen oder Leichtathletik.

„Bei uns landen die Unentschlossenen“, schmunzelt Kinkel. „Manchmal fragen uns Eltern auch, wohin der sportliche Weg gehen könnte“, sagt Fließbach. Wenn ihr ein besonderes Talent auffalle, gehe sie von sich aus auf die Eltern zu. Zum Miteinander gehöre auch, dass man sich bei längerer Abwesenheit abmelde und vor allem Bescheid sage, wenn ein Kind eine ansteckende Krankheit habe. In Sachen Disziplin wiederum sucht die erfahrene Trainerin bewusst einen Mittelweg. Regeln ja, aber auch mal laufen lassen. „Es muss nicht immer Plan A sein.“ Echtes Interesse ist wohl auch hier das Grundrezept für eine funktionierende Gruppenleitung. Das jedenfalls merkt man, wenn Fließbach von „ihren“ Kindern spricht, sich über deren wachsendes Selbstbewusstsein durch regelmäßiges Turnen und über Begegnungen mit Ehemaligen freut. Natürlich sei das Angebot auch offen für Flüchtlinge. Zwei Mädels seien schon mit Feuereifer dabei. Bei den Jungs laufe es etwas schleppend. „Die sind wohl eher für Fußball zu haben“, vermutet Kurt Kreyling, der Vorsitzende des mit 1650 Mitgliedern größten Schwalbacher Vereins.

Informationen über die Zeiten der Kindergruppen erteilt der Verein unter Telefon (0 61 96) 7 61 38 88.

(juwi)

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