1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Schwalbach

Schüler forschen für die Raumfahrt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Manfred Becht

Kommentare

Die Schüler Niklas Kerkhoff, Björn Boss Henrichsen, Jonathan Knoll (vordere Reihe von links) sowie Simon Budunsky, Leon Ritter, Alexander Martin (hintere Reihe v.li.) und die Lehrer Arnd von der Heyden (links) und Kai-Uwe Kühnel tüfteln am Computer für ihr Projekt.
Die Schüler Niklas Kerkhoff, Björn Boss Henrichsen, Jonathan Knoll (vordere Reihe von links) sowie Simon Budunsky, Leon Ritter, Alexander Martin (hintere Reihe v.li.) und die Lehrer Arnd von der Heyden (links) und Kai-Uwe Kühnel tüfteln am Computer für ihr Projekt. © Hans Nietner

Sechs Schüler und Physiklehrer Kai-Uwe Kühnel beteiligen sich an einem Wettbewerb des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums. Mit Hilfe eines Ballons soll die kosmische Strahlung in der Luft gemessen werden.

Nein, vorher schon einmal aufbauen, für den Fototermin mit dem Kreisblatt, kann man den Ballon nicht. Denn der wird mit Helium befüllt, und dieses Gas gibt es zwar im Baumarkt, aber man bekommt es natürlich nicht wieder in die Flasche zurück. Und bei einem Durchmesser von zwei Meter ist ein Probelauf auch einfach zu teuer. Und so bleibt ein gewisser Nervenkitzel erhalten – die Frage ist, ob am 25. Juni alles klappt.

Start am Sonntag

Das ist der kommende Sonntag, und an diesem werden Niklas Kerhoff, Björn Boss Henrichsen, Jonathan Knoll, Simon Budinsky, Leon Ritter und Alexander Martin um 8 Uhr an der Albert-Einstein-Schule sein. Dann nämlich wird der Ballon aufgebaut, mit Helium befüllt und gestartet. Es folgen spannende Stunden: Wie lange dauert es, bis der Ballon wieder landet, wo wird das sein, und schaffen es die Schüler, ihn wieder an sich zu nehmen?

Die Rede ist von einem Projekt, mit dem sich sechs Schüler und ihr Physiklehrer Kai-Uwe Kühnel beschäftigen – außerhalb des Unterrichts natürlich. Sie beteiligen sich an einem Wettbewerb des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) für Schüler, das auf diese Weise das Interesse Jugendlicher auf seine Arbeit lenken möchte. Dass die Naturwissenschaften zu den Branchen mit Nachwuchs-Bedarf gehören, ist bekannt. Die sechs Schüler, die sich an dem Projekt beteiligen, haben alle Physik zu einem ihrer Leistungsfächer gewählt und sind generell in dieser Richtung interessiert. Bei wem eine berufliche Perspektive daraus wird, muss sich erst noch herausstellen.

Zunächst einmal gilt alle Aufmerksamkeit dem Wettbewerb. Den Ballon haben die Schüler nicht selbst gebaut - der wird vom DLR zur Verfügung gestellt. Genug zu tun haben die Schüler trotzdem: Sie haben sich überlegt, welche Komponenten in der kleinen Kiste untergebracht werden müssen, sie haben die Messgeräte und andere Bauteile beschafft und in die Kiste eingebaut. Allerlei Drähte müssen zusammengelötet werden – handwerkliches Geschick gehört zu den Naturwissenschaften oft dazu.

Dem DLR geht es bei dem Wettbewerb auch darum, dass ein kleines Forschungsprojekt eigenständig und komplett abgewickelt wird. Das schließt nicht nur das eigentliche Experiment und die Auswertung der Ergebnisse ein, sondern auch Organisatorisches wie die Beschaffung der notwendigen Mittel. Zu den Vorgaben des Wettbewerbes gehörte auch, bis zu 250 Euro an eigenen Mitteln aufzubringen – weiter geholfen haben in diesem Fall das Jugendbüro Schwalbach und die Open Tech Academy in Schwalbach.

„Die Organisation des Ganzen ist schon eine Herausforderung“, sagt Alexander Martin, einer der Schüler. Auch die Kommunikation in der Gruppe gehört für das DLR zu den Lernzielen, die mit dem Wettbewerb verbunden sind. Für die Schwalbacher Gruppe ist es ein großer Vorteil, dass fast alle Teilnehmer im gleichen Physik-Leistungskurs sind – da lässt sich manches nach Unterrichtsende noch kurz besprechen. Es sei aber schon bemerkenswert, an was man in wenigen Monaten Projektdauer alles denken müsse. Das ginge bis zur Genehmigung für den Ballonflug.

30 Kilometer hoch soll die Heliumkugel aufsteigen – so etwas geht nicht ohne behördliche Genehmigung. Gemessen werden soll in der Luft dann die kosmische Strahlung. „Weil es besonders interessant ist“, begründet Niklas Kerkhoff diese Wahl. Die Schüler wollen der Frage nachgehen, welchen Belastungen durch diese Strahlung Piloten und das restliche Personal an Bord von Flugzeugen ausgesetzt sind.

Gespeichert werden die Messdaten auf einer herkömmlichen SD-Karte, wie sie in vielen Geräten als Speicher vorhanden ist. Aufgabe am Sonntag ist nicht nur, den Ballon in die Luft zu bekommen – später muss die Styroporkiste mit den Geräten darin auch geborgen werden. Ein sogenannter GPS-Tracker wird dabei helfen, sie ausfindig zu machen – die Schüler können nur hoffen, dass die Kiste nicht hoch in einem Baum hängen bleibt oder in einem unzugänglichen Industriegelände landet. Und sie werden genau die Wettervorhersage beobachten – wenn es regnet, muss der Flug verschoben werden.

Auch interessant

Kommentare