Petra Beyer-Tilders geht in den verdienten Ruhestand.
+
Petra Beyer-Tilders geht in den verdienten Ruhestand.

Kultur

Schwalbach: Bücherei-Chefin formte ein Erfolgsmodell

  • vonKristiane Huber
    schließen

Sie hat aus einer winzigen Bücherei eine moderne, beliebte Bibliothek gemacht. Jetzt geht Petra Beyer-Tilders in den Ruhestand.

Schwalbach -Klein waren die Anfänge. Als Petra Beyer-Tilders 1997 Leiterin der Stadtbücherei wurde, erstreckte sich die Bibliothek auf 100 Quadratmeter im Rathaus-Erdgeschoss. Ein Ort, der dazu einladen sollte, die Lesefreude zu wecken und zu fördern, war das nicht. "Es war eng und erinnerte eher an ein dunkles Verließ", erinnert sich Beyer-Tilders. Der Personal verwaltete den Bestand und den Kundenstamm auf Papier - Zettelwirtschaft! Die älteren Bürger wissen noch, dass hinten in den Büchern ein Blatt klebte, auf das die Rückgabefristen aufgestempelt wurden.

Im Mai 1999 setzte ein Wandel ein. Beyers-Tilders und ihre Mannschaft packten Umzugskisten: Die Stadtbücherei bezog im Gebäude Marktplatz 15 gegenüber vom Rathaus ein neues Domizil in einem großzügig-hellen Raum. Auf 15 Mal größerer Fläche wurde das Angebot ansprechend präsentiert und ausgebaut.

Die moderne und beliebte Stadtbücherei, die Schwalbach heute hat, ist vor allem das Ergebnis des großen Engagements der Leiterin Petra Beyer-Tilders, die immer neue Ideen hatte, um die Bücherei noch attraktiver zu machen und neue Nutzer dafür zu begeistern. Sie habe "sehr gute Arbeit" geleistet, sagt Christiane Augsburger, die Petra Beyer-Tilders noch vor ihrem Ausscheiden als Bürgermeisterin in den Ruhestand verabschiedete. Die Bibliothekarin gibt das Lob zurück: "Dass die Nutzung der Stadtbücherei bis heute kostenlos ist und damit für jeden zugänglich bleibt, ist ein positives und wichtiges Zeichen, dass die Politik in Schwalbach setzt."

Im neuen Gebäude wurden die Öffnungszeiten ausgeweitet und das Personal aufgestockt. Denn es gab reichlich Arbeit: Am Anfang der Modernisierung stand die Digitalisierung der Buch- und Nutzerdaten. Ab Juni 2002 folgte die Umstellung auf die elektronische Ausleihverbuchung: Die Zettelwirtschaft war Geschichte. 2001 richtete die Bücherei mit einem Zuschuss des Landes Hessen zwei Internetplätze ein. Neue und andere Medien ergänzten das Angebot längst, beispielsweise Tonkassetten und Gesellschaftsspiele, später auch DVDs und Hörbücher.

Oft passte keine Maus mehr in den Raum

Der Medienbestand, der immer aktualisiert wird, ist zwischen 1997 (20000 Medien) und 2019 (25 000) gewachsen, vor allem aber vielfältiger geworden. Hinzu kommt, dass die Stadtbücherei seit 2013 zum "OnleiheVerbundHessen" gehört: Das bedeutet, dass viele Medien virtuell ausgeliehen werden können. Zugriff hat die Stadtbücherei auch auf Datenbanken wie das Munzinger Archiv. Beliebte Angebote wie Tiptoi-Bücher und -Stifte zum Lernen oder Tonieboxen mit Spielfiguren für die Jüngsten gehören zum Repertoire der Stadtbücherei. Zweifach erhielt die Einrichtung die Auszeichnung als "Jugendbibliothek des Jahres".

Der Erfolg der Stadtbücherei unter Beyer-Tilders' Leitung lässt sich statistisch belegen: Die Ausleihzahlen schnellten von 29 000 (1997) auf 67 000 (2019). Ein Herzstück im Konzept sind die Veranstaltungen in der Bücherei und die vielen Kooperationen mit Partnern zur Leseförderung.

Vor der Corona-Pandemie waren die vielen Lesungen oft so gut besucht, dass keine Maus mehr in den Raum passte, und das werden sie auch nach Abklingen der Pandemie wieder sein. Autoren wie Wladimir Kaminer, Susanne Fröhlich, Mirjam Pressler, Cornelia Funke, Nele Neuhaus, F.K. Waechter, Jan Seghers, Stefanie Zweig und viele mehr konnten die Schwalbacher live erleben. Stefanie Zweig notierte ins Gästebuch: "Es gibt eine besondere Schwalbacher Würze." Unvergesslich wird auch der Besuch von Christoph Biemann von der "Sendung mit der Maus" bleiben, dessen Experimente Flecken an der Decke hinterließen. Beim "Treffpunkt Lesetreppe" gibt es für die jungen Bibliothekbesucher sogar wöchentlich eine Vorlesestunde.

Ihre letzten Tage in der Stadtbücherei hat sich Petra Beyer-Tilders schöner vorgestellt. Zuletzt war die Bücherei geschlossen - eine Folge der Corona-Beschränkungen. Jetzt ist wieder offen mit entsprechenden Sicherheits- und Hygienemaßnahmen. Manche Veranstaltungen können vorerst nicht stattfinden. Das ist schmerzlich, aber nötig. Die Nachfolge ist geregelt: Christiane Graf aus dem Bücherei-Team übernimmt die Führung. ku

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare