Bitte nicht die Finger verbrennen! Aber keine Angst: "Kaosclown" Conrad Wawra versteht sich aufs Jonglieren mit Fackeln.
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Bitte nicht die Finger verbrennen! Aber keine Angst: "Kaosclown" Conrad Wawra versteht sich aufs Jonglieren mit Fackeln.

Kulturkreis-Sommer

Schwalbach: Jonglage mit Fackeln

  • vonKristiane Huber
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Es gibt sie Gott sei Dank wieder - trotz Corona-Krise: Kulturveranstaltungen. In Schwalbach zeigten jetzt Straßenkünstler atemberaubende Manöver.

Schwalbach. Es geht harmlos los. Ein Ehepaar sitzt im Ambiente der 1920er-Jahre beim Nachmittagstee und drangsaliert sich mit kleinen Gemeinheiten. Ein Grammophon wird geliefert, ein bisschen Charleston wird getanzt. Aber dann entwickelt das Künstler-Duo "Kira & Anders" eine unerwartete Dynamik, die das Publikum in atemloses Staunen versetzt. Plötzlich wirbelt das Paar unentwegt umeinander. Er stemmt sie hoch und schwingt sie herum. Eh' das Auge sich versieht, steht sie auf seinem Kopf und auf seine Händen.

Die Aufführung, eingegliedert ins wegen der Corona-Krise abgespeckte Sommerprogramm der städtischen Kulturkreis GmbH, hat es in sich. Akrobatik auf hohem Niveau offenbart das Duo schon auf dem Boden der kleinen Bühne, die am Sportplatz-Parkplatz "Hinter der Röth" steht.

Traumwandlerische Sicherheit am Mast

Die beiden setzen ihren akrobatischen Tanz jedoch sensationell an einem galgenartigen Gestänge fort, das sich "chinesischer Mast" nennt und das viele Zuschauer vorher für Technikzubehör halten. Ohne Netz vollführen Kira Paas und Anders Jensen aus Köln, die auch privat ein Paar sind, am Mast in mehreren Metern Höhe halsbrecherische Manöver mit traumhafter Sicherheit.

Die beiden Akrobaten gehören zum "Boardwalk Theater", das als Zusammenschluss professioneller Straßenkünstler mit internationaler Erfahrung im Zuge der Corona-Krise begründet wurde. Von ihnen wird ein "Straßentheaterfestival im Miniformat und mit Hygienekonzept" geboten, bei dem jeweils drei Solo- oder Duo-Künstler ihr Bestes geben.

"Wir fanden diesen kreativen Umgang mit der Corona-Krise so toll, das wir sie unbedingt hier haben wollten", sagt Kulturkreis-Geschäftsführerin Anke Kracke. Wer den Erfurter Conrad Wawra als "Kaosclown" engagiert, hat sowie schon gewonnen. Er ist einer der weiteren Künstler des "Boardwalk Theaters", von dem viele Schwalbacher Zuschauer begeistert sind. Seine Artistik, Zauberei und Comedy ist explosiv. Er arbeitet mit Feuer, Wasser und allem, was kracht. Dahinter steckt eine Menge Können. Er bezieht das Publikum ein und führt es hinters Licht. Er jongliert mit brennenden Fackeln, lässt Tische schweben, reitet auf zischenden Raketen, und als "Anarcho-Komödiant" spritzt er Kindern auch mal ohne Vorwarnung Wasser ins Gesicht wie in Schwalbach. Er kommentiert das "Schwalbach Special" auch für seine Kollegen gelungen mit.

Der Dritte im Bunde ist der Jongleur Kaspar Gross aus Frankfurt, der auf einem winzigen Fahrrad in die Arena einfuhr, was schon für Amüsement sorgt. Ganz zart und puristisch mit sechs Bällen, die er jongliert, als würden sie zu seinem Körper gehören, verbindet er leise Komik. Gerade weil es in Corona-Zeiten nicht mehr selbstverständlich ist, Kulturelles, Kunst und Theater live erleben zu können, wird jeder Auftritt umso wertvoller. "Wir leben dafür, Euch zu begeistern und zu verzaubern, aber wir müssen davon leben können", sagt Kaspar Gross und weist auf die massiven Einbußen hin, die Künstler derzeit erleiden.

Eine Registrierung ist notwendig

Die atemberaubende Darbietung ist fürs Publikum kostenlos. Es geht anschließend aber ein Hut für freiwillige Gaben herum. Eine Gage für den Auftritt gibt es jedoch. "Es ist sehr wichtig, auch jetzt ein Kulturprogramm unter Corona-Bedingungen aufrechtzuerhalten. Sonst verarmt unsere Kulturlandschaft. Wir werden deshalb auch ein Herbst/Winterprogramm haben", sagt Kracke.

Im März mussten wegen der Corona-Pandemie alle Sommerveranstaltungen abgesagt werden. Durch die Lockerungen seit Juni ist es Anke Kracke und ihren Kolleginnen Kerstin Sterling und Daniela Beyer möglich, ein alternatives Sommerprogramm mit drei Veranstaltungstagen zu organisieren. Das sei "auch nur möglich, weil wir als neuen Veranstaltungsort mit genügend Platz und Stromanschluss den Parkplatz an den Sportplätzen nutzen können", sagt die Kulturkreis-Chefin.

Das Gelände liegt im Grünen und findet Anklang. Auch die Zurufe der Sportler stören nicht. Übrigens hätten zu beiden Aufführungen des "Boardwalk-Theaters" mehr Besucher kommen können als da gewesen sind. 250 Personen sind die Obergrenze pro Abend. Nur eine Registrierung ist nötig. Alle Besucher waren sehr coronadiszipliniert. kristiane huber

Die nächste Veranstaltung

Ein Konzert mit "The Wonderfrolleins" folgt am Donnerstag, 6. August, 20 bis 22 Uhr. Unter www.kulturkreis-schwalbach.de finden sich Einzelheiten.

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