+
. . . und auch die Kinder hatten keine Langeweile. Den etwas jüngeren Nachwuchs zog?s zum Karussell.

Manfred S.: Fassungslosigkeit beim Altstadtfest

Schwalbach: Musik als Ablenkung

  • schließen

Altstadtfest in Schwalbach. So richtig nach Feiern ist es den Bewohnern dieser Tage nicht. Am Freitag lenkten Musiker zum Auftakt des Festes die Schwalbacher etwas ab von dem schockierenden Geschehen, das ihre Stadt so stark in die Medien und Schlagzeilen gebracht hat wie nie ein Ereignis zuvor.

„Wir spielen Saxofon, sind aber keine Serienmörder.“ Arg flapsig klingt die Bemerkung von Michael Hagenmeyer, der zum Musik-Duo „Zwoa Spitzbuam“ gehört. Er meint es ganz sicher nicht so locker, wie er es sagt. Dem Musiker sind die Tragweite und die Ungeheuerlichkeit des Geschehens um den mutmaßlichen Serienmörder Manfred S. sehr wohl bewusst. Hagenmeyer will nur zu verstehen geben, dass auch im heimischen Lorch die Horrornachrichten der vergangenen Tage angekommen sind. Er wertet es „schon als Schock, dass der Mann Musiker war“.

Mit Liedern wie dem Titel über das Mädchen mit den sternklaren Augen, das immer noch so schön ist wie damals, lässt sich gute Laune verbreiten. Ein bisschen heile Welt tue gut, urteilen übereinstimmend einige Besucher, die sich bei einem Gläschen Wein – serviert vom Verein für Heimat und Geschichte – niedergelassen haben.

Verschiedene Stilrichtungen prägen die Musik auf den drei Bühnen – vom DJ, der im Parkhaus Partymusik auflegt, bis zum Hardrocksound. „Ich mag es allerdings etwas leiser“, verrät Bürgermeisterin Christiane Augsburger, die das zweitägige Fest im alten Ort wieder mit dem Fassanstich eröffnet und danach Freibier verteilt hat. Ein Dankeschön richtet sie an den Spender Achim Kreiner. Das Wetter werde am heutigen Samstag noch besser, sagt Augsburger verheißungsvoll, bevor die „Runzelrocker“ mit „Mighty Quinn“ von Manfred Mann’s Earth Band einen echten Ohrwurm anstimmen.

Die Straßen sind schon zum Auftakt am Freitagabend gut gefüllt. Hungrig bleibt keiner, denn auch kulinarisch ist für viele Geschmäcker etwas dabei. Folienkartoffeln mit Scampis hat der Tennisclub im Angebot. Sportwart Thomas Hotz probiert gleich mal selbst aus, was es da am Stand seines Vereins Leckeres gibt. Deftig geht es bei den Fußballern mit Grillwurst und leckerer Pilzpfanne zu. Schlangen bilden sich am Hamburger-Stand.

Gibt es einen Geheimtipp? Eine Empfehlung? Oh, ja! Es sind die Sardinen aus Portugal, die Americo de Santos Barbara wie jedes Jahr vor der Alten Schule (Haus der Vereine) frisch grillt. Hilfe aus Portugal sei gleich mit angereist, sagt der Grillmeister schmunzelnd und erinnert sich im Gespräch mit dem Kreisblatt: „Letztes Jahr haben wir sogar 70 Kilo verkauft.“ 50 Kilogramm habe er diesmal besorgt.

Andrang herrscht am Kinderkarussell, auf dem sich Pferd, Schwan, Elefant und sogar ein grüner Triceratops (Dinosaurier) im Kreis drehen. Nebenan kann sich im Luftballonwurf versucht werden. Leckermäulchen kommen bei der Zuckerwatte am Süßwarenstand auf ihre Kosten, Kalorien können bei den vier ständig belegten Bungeejumping-Trampolinen gleich wieder abtrainiert werden. Für wartende Eltern ist der Getränkestand des Rockclubs eine angenehme Wartestation. „Am besten läuft bei uns frisch gezapftes Weizenbier“, erzählt Silke Kursawe in schwarz-roter Vereinskluft.

Wer Mitbringsel sucht, ist bei Veronika Hennings richtig. Zum zweiten Mal bietet die studierte Modedesignerin geschmackvoll eingebundene Notizbücher und selbst genähte Taschen zum Verkauf. Tochter Katrin vertreibt ihr selbstverfasstes Buch mit Entspannungsgeschichten für Kinder, Schwiegersohn Lorenzo hat Tassen mit flotten Sprüchen entworfen. Freundin Carmen Marut ist auf frei stehende Spitzen spezialisiert. Vorlagen für Ohrhänger und Ketten entwirft und digitalisiert sie selbst.

Die Stimmung unter dem gemischten Publikum ist gelöst. Nur wenn die Sprache auf den mutmaßlichen Mörder Manfred S. kommt, der bis zu seinem Tod 2014 in Schwalbach lebte, zeigt sich Rat- und Fassungslosigkeit. „Als Musiker war er sogar in unserem Arbeitskreis“, sagt Kerstin Sterling von der städtischen Kulturkreis GmbH, die das Altstadtfest veranstaltet. Sie selbst sei ihm nur flüchtig begegnet. „Da war er immer höflich. Mir tut die Tochter am meisten Leid.“

Bekannte Schwalbacher, zum Beispiel die Kommunalpolitiker Günter Pabst und Josef Nickel, kannten Manfred S. Andere Leute berufen sich auf das, was in den Zeitungen und im Internet steht oder das, was im Fernsehen und Radio zu hören ist. So ganz glauben könne er das so grausig klingende Geschehen eigentlich nicht, sagt ein Besucher. „Aber die vielen Daten auf seinem Computer. . . “ Dem Kreisblatt hatte ein langjähriger Freund von Manfred S. gesagt, für ihn gelte die Unschuldsvermutung, solange die Taten nicht sicher bewiesen seien.

Das Altstadtfest geht am heutigen Samstag weiter. Uhrzeiten finden sich im Veranstaltungskalender „Heute“ (links).

Mehr zum Fall von Manfred S. steht auf Seite 3 dieser Kreisblatt-Ausgabe („Hintergrund“) und in „Kajos Wochenschau“ auf Seite 12.

(juwi)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare