Burghard Haueisen geht Ende 2021 in Ruhestand.
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Burghard Haueisen geht Ende 2021 in Ruhestand.

Beruf

Sein Herz tickt für Uhren und die Natur

  • VonKristiane Huber
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Umweltbeauftragter rettet Bäume und Wespen. Burghard Haueisen geht Ende des Jahres mit 67 Jahren in den Ruhestand.

Schwalbach -Dass die antike Standuhr im ersten Stock des Rathauses wieder funktioniert, ist Burghard Haueisen zu verdanken. Als Uhrenliebhaber, der schöne Zeitmesser sammelt und reparieren kann, hat er es nicht ertragen, dass die Standuhr an seinem Arbeitsplatz nicht mehr ging. Zu seinen Dienstpflichten gehört die Uhren-Betreuung nicht, denn Burghard Haueisen ist seit 22 Jahren der Umweltschutzbeauftragte der Stadt. Mit 67 Jahren geht er zum Ende des Jahres in den Ruhestand.

Burghard Haueisen ist ein Mensch, für den der Beruf nicht nur Broterwerb, sondern Berufung ist. "Das kann man so sagen. Ich habe bei meinen Aufgaben für den Umweltschutz in Schwalbach immer versucht, alles im Blick zu haben, Entwicklungen schnell zu erkennen und eigene Vorschläge einzubringen, welche Handlungsweise jeweils geeignet ist", berichtet er. "Ich habe mich frühzeitig für die Renaturierung und Naturbelassenheit unserer Bäche und der Ufervegetation zum Hochwasserschutz eingesetzt, als dies noch gar nicht im Blickpunkt stand. Inzwischen geben mir viele Recht."

Das größte Projekt dieser Art wurde mit der Renaturierung des Schwalbachs, der die Kleingartenanlage Rohrwiese durchfließt, in seiner Ägide umgesetzt. "Flächenankauf ist für Umweltschutzprojekte immer wichtig und war auch immer Politik der Stadt Schwalbach", sagt Haueisen. So sind auch gut 60 000 Quadratmeter Streuobstwiesen in städtischer Hand, für die Haueisen immer fachkundige Pächter zur Pflege sucht. Gerade in diesen Tagen konnte eine große Streuobstwiese "Hinter der Röth" in die Hände eines neuen Pächters und einer Kelterer-Gruppe übergeben werden. "Streuobstwiesen haben eine so hohe Biodiversität, dass sie auch für viele Tiere einen Lebensraum bieten", betont er.

Er hat ein stachliges Hobby

Haueisen war aber auch der Herr der Schwalbacher Bäume. Er kontrollierte sie und entschied unter anderem mit unabhängigen Gutachtern, welche Bäume - zum Beispiel aus Verkehrssicherheitsgründen - gefällt werden müssen. Haueisen: "In Einzelfällen habe ich die Empfehlungen der Gutachter zum Fällen von Bäumen noch einmal überprüft und anders entschieden. Deshalb stehen die Pappeln an der Friedrich-Ebert-Schule noch, ebenso wie die große Eiche auf dem Waldfriedhof und zwei Eschen auf dem Alten Friedhof."

Burghard Haueisen geht es um jeden Baum und um jedes Lebewesen in der Natur als Teil des großen Ganzen. Fast zum Schwalbacher Modell mit Vorbildfunktion ist auch Haueisens Umgang mit Wespen- und Hornissennestern in der Nähe von Wohnbebauung geworden. "Vielerorts werden solche Nester radikal entfernt", bedauert er. "Das ist ganz falsch. 90 Prozent solcher Nester können ohne Gefahren für Hausbewohner erhalten bleiben, weil die Tiere am Nest bleiben. Nur ohne Nest irren sie heimatlos überall umher. Wir haben in Schwalbach gute Erfahrungen gemacht, solche Nester zu erhalten, und bekommen viele Anfragen deswegen." Haueisens Einstieg ins Rathaus war kurios. Als Vertreter einer Bürgerinitiative gegen die Bebauung des Geländes "Pfannenstiel" machte er Ende der 1990er Jahre dem inzwischen verstorbenen Ex-Bürgermeister Horst Faeser Scherereien, wodurch sich beide kennenlernten. Faeser war von Haueisens Argumentationskraft so überzeugt, dass er ihn als Umweltschutzbeauftragten haben wollte. Der diplomierte Geograph Haueisen, der in Frankfurt geboren ist, lebte damals seit 1993 schon mit seiner Familie in Schwalbach und nahm die Stelle an. "Als Geograph habe ich Schwalbach durch Luftaufnahmen als Student zum ersten Mal wahrgenommen. Schwalbach war so grün", erinnert er sich.

Mit seiner Frau lebt er nach wie vor sehr gerne dort. Seine Töchter, beide Medizinerinnen, sind inzwischen aus dem Haus. Für Burghard Haueisen ist soziales Engagement selbstverständlich. Seit 2018 ist er ehrenamtlicher Ortsgerichtsvorsteher.

Haueisen züchtet Ableger von Kakteen. "Eine besondere Kakteenart blüht nur eine einzige Nacht im Jahr", erzählt er. "Aber Kakteen blühen, das vermittle ich anderen gerne." Wenn er für sich sein will, setzt er sich auf seine BMW R 80/7. Den Motorrad-Oldtimer hat er neu im Baujahr 1978 gekauft. Haueisen schraubt ihn seither so zurecht, dass er schon mehrere Hunderttausend Kilometer auf dem Buckel hat - und immer noch fährt. So wie auch die Rathaus-Uhr immer noch tickt.

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