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Im oberen Teil des Marktplatzes haben Arbeiter gestern damit begonnen, die Erde aufzubuddeln.

Videokameras

Die Überwachungsanlage am Marktplatz wird hochauflösende Bilder liefern

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Seit gestern tummelt sich ein Bautrupp im Limeszentrum. Ein Bagger reißt metertiefe Löcher in den Asphalt. Welche Bedeutung haben die Farbkleckse auf dem Asphalt für die Männer?

Rosafarben sind sie und auf den Boden aufgebracht. Die seltsamen Punkte, etwas kleiner als eine Handfläche, stechen Passanten ins Auge, die durch das Einkaufszentrum Limes schlendern. Doch die Markierungen gehen nicht auf Schmierfinken zurück – es handelt sich nicht um Sachbeschädigung. Die Farbkleckse kennzeichnen all jene Stellen, an denen in den kommenden Wochen Masten mit Videokameras eingelassen werden.

Wie berichtet, rüstet die Stadt Schwalbach im Kampf gegen Kriminalität auf und setzt sehr stark auf Vorbeugung. Die 17 Kameras der Videoüberwachung sind nur ein Element in der neuen Sicherheitarchitektur, die sich Schwalbach verordnet hat. Sie verteilen sich oberirdisch auf den Busbahnhof, den Parkplatz des Limeszentrums und den Marktplatz – von der Brücke über die Avrilléstraße bis zum oberen Marktplatz, wo sich die Seniorenwohnanlage befindet. Dort steht Chefplaner Dirk Herborn, deutet in Richtung einer gelben, rund 100 Meter weit entfernten Mülltonne und sagt: Wenn dort hinten jemand mit einer Zeitung in der Hand stünde, wäre es möglich, mit den Kameras so nahe heranzugehen, dass die Texte lesbar wären. Dirk Herborn plant die Anlage. Die Limburger Sicherheitstechnik GmbH errichtet sie. Einige Kameras sind unbeweglich und erfassen eine bestimmte Zone. Teilweise kommen aber auch schwenkbare Kameras mit 360-Grad-Sicht zum Einsatz, sagt Geschäftsführer Wilhelm Lotz. Die Geräte müssen wetterfest und vandalismussicher sein und auch nachts und bei schlechten Lichtverhältnissen Bilder liefern, die hochauflösend seien. „Die Aufnahmen müssen gerichtsverwertbar sein“, sagt Lotz.

Die Kameras werden entweder an Gebäuden oder an bis zu sechs Meter hohen Masten montiert. Gestern haben die Arbeiten begonnen. Sie sind aufwendig. Denn die Stadt muss Stromleitungen und Datenkabel verlegen lassen. Dazu müssen Arbeiter teils mehrere Meter tief buddeln. Mehr als 2000 Meter an Kabeln und Leitungen kommen unter die Erde, schätzt Dirk Herborn. „Wir wollen Ende Oktober fertig sein“, kündigt Bürgermeisterin Christiane Augsburger an. Bevor die Anlage in Betrieb gehen darf, muss der Hessische Datenschutzbeauftragte grünes Licht geben. Die Kameras darf keine Aufnahmen machen, die außerhalb des Geltungsbereichs liegen. Solche Aufnahmen werden verpixelt.

Die Bilder der 17 Kameras laufen auf Monitoren der Polizeistation Eschborn auf. Dort können Beamte sie in Echtzeit anschauen und vergrößern. Auch im Schwalbacher Rathaus wird es einen Raum geben, in dem die Aufnahmen bei Bedarf einsehbar sind. Nach zehn bis zwölf Tagen werden sie gelöscht, versichert Dirk Herborn, dessen Planungsbüro für Elektrotechnik von Anfang an eingebunden ist.

Die Bürgermeisterin und die Stadt ziehen es vor, von einer Videoschutzanlage zu sprechen. „Wir beobachten ja nicht ständig, wer hier ein- und ausgeht“, betont Augsburger. Für den Fall einer Straftat sollen Bilder zur Verfügung stehen, die der Polizei die Ermittlungen erleichtern. Die Ladeninhaber im Limeszentrum waren in die Planungen integriert. Die Resonanz darauf, die Videokameras anzubringen, sei „durchweg positiv“ gewesen, sagt Augsburger: „Ich kenne niemanden, der sich negativ äußerte.“ Fakt sei, dass die Bürger und Geschäftsleute sich nach den Vorfällen des vergangenen Jahres „unsicher gefühlt“ hätten. Vandalismus, Drogengeschäfte, Angriffe auf die Polizei – plötzlich war Schwalbach landesweit in den Schlagzeilen.

Die Anlage entsteht in enger Abstimmung mit der Polizei. Sie kostet „etwas unter 400 000 Euro“, berichtet die Rathauschefin. Das Land Hessen übernimmt 265 000 Euro. Bisher nutzt die Polizei rund um den Schwalbacher Marktplatz schon vier Kameras, die aber abgebaut werden, sobald die neue Anlage in Betrieb ist. Fummelt jemand an einer Kamera herum, sendet sie ein Signal an die nächstgelegene Kamera, die sofort das „bedrohte Exemplar“ ins Visier nimmt. „Die Anlage ist entsprechend programmiert“, erläutert Dirk Herborn.

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