Für die scheidende Bürgermeisterin Christiane Augsburger gab es "Standing Ovations" unter Corona-Bedingungen.
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Für die scheidende Bürgermeisterin Christiane Augsburger gab es "Standing Ovations" unter Corona-Bedingungen.

Neuer Schwalbacher Bürgermeister

Vorschusslorbeeren für Alexander Immisch

  • vonKristiane Huber
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Die Vereidigung fand unter besonderen Umständen statt: Die Bürger waren live dabei, allerdings online.

Schwalbach -"Die Königin von Schwalbach, Christiane, die Erste, gibt das Zepter weiter an den König von Schwalbach, Alexander, den Ersten." Mit diesen Worten beschrieb der SPD-Fraktionschef Hartmut Hudel die Amtsübergabe von Rathauschefin Christiane Augsburger (59) an ihren Nachfolger Alexander Immisch (47). Diesen bildhaften Vergleich verstehen auch Kinder, wenn man ihnen erklären will, welche Verantwortung das Bürgermeisteramt mit sich bringt, sagte er bei der Verabschiedung von Augsburger und der Vereidigung von Immisch am Mittwochabend im großen Saal des Bürgerhauses.

Lob und Tadel

für Augsburger

Die Stab-Übergabe der beiden SPD-Politiker stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Abstand halten, Hände desinfizieren und im direkten Kontakt Masken tragen war Pflicht. Diese Sicherheitsvorkehrungen bescherten der feierlichen Stadtverordnetenversammlung eine ganz besondere Atmosphäre: Einerseits fehlte die Anwesenheit der Bürgerschaft, denn aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln konnten nur 82 Gäste geladen werden, von denen 64 kamen, darunter auch Landrat Michael Cyriax.

Anderseits war der Festakt deshalb einzigartiger und intensiver als im Normalmodus. Und es gab eine Premiere: Erstmals wurde eine Parlamentssitzung per Livestream auf Youtube gezeigt. Die Direktübertragung kann nach wie vor im Netz weltweit angeschaut werden. Die Schwalbacher Bürger waren von der Zeremonie also nicht ausgeschlossen, sondern können sie digital miterleben: Zwischen 600 und 700 Klicks waren schon bis gestern morgen verzeichnet.

Zwölf Jahre lang war Christiane Augsburger Bürgermeisterin, zuvor Erste Stadträtin und Stadtverordnete. Für die größte Überraschung des Abends sorgte CDU-Fraktionschef Christian Fischer, der Führer der größten Oppositionspartei, der Augsburger ein exzellentes Zeugnis ausstellte. "Frau Augsburger, Sie können eine erfolgreiche und zufriedene Bilanz dieser zwölf Jahre ziehen. Wichtige Themen wurden umgesetzt und werden im Rückblick ihre Amtszeit prägen", sagte Fischer. Er nannte den Bau des Naturbades und die Schuldenfreiheit der Stadt dabei an erster Stelle. Ein so klares Bekenntnis zu Augsburgers Leistung von Fischer erstaunte vor allem deshalb, weil die CDU sie über Jahre hinweg ausschließlich massiv kritisierte.

Von der CDU gab es Lob. Vom Koalitionspartner der SPD vorrangig Tadel: FDP-Fraktionschefin Stephanie Müller sieht Nachholbedarf, einen ausgeglichenen Haushalt auszuweisen, was Augsburger versäumt habe. Auch die oppositionellen Grünen haben Augsburger in ihrer Amtszeit vieles angekreidet. Fraktionschefin Barbara Blaschek-Bernhard zollte Augsburger Dank und Respekt, mahnte aber Unerledigtes und Verbesserungen weiterhin an.

Augsburgers hohes Arbeitspensum mit viel Bürgernähe, ständiger Ansprechbarkeit und durchgängiger Sachlichkeit wurden von allen gewürdigt. Vielleicht ist ein Satz aus Augsburgers Rede, der eher beiläufig wirkt, ihr Vermächtnis. "Bei allen inhaltlichen Differenzen kann gut und erfolgreich auch über die Parteigrenzen hinweg zusammengearbeitet werden", sagte sie.

Alle Fraktionen haben dem neuen Bürgermeister Alexander Immisch eine konstruktive Zusammenarbeit zugesagt. Viele Vorschusslorbeeren bekam er von Rednern, die ihn als zuverlässig und ehrlich kennen. Seit über 25 Jahren ist er ehrenamtlicher Stadtverordneter und muss sich nicht erst groß einarbeiten ins Stadtgeschehen. Fast hätte niemand die Rede des neuen Bürgermeisters gehört, denn Stadtverordnetenvorsteher Eyke Grüning (SPD), der Immisch zuvor schon vereidigt hatte, wollte versehentlich schon die Sitzung vor seiner Rede schließen.

"Das fängt ja schon gut an", nahm Immisch das gelassen. Er stellte in den Mittelpunkt, dass der "rote Faden" seines Wahlprogramms lautet: "Zusammenhalt und Gemeinsamkeit stärken". Und das bedeutet, dass die Interessen aller Bürger, so gut es geht, berücksichtigt werden. In Corona-Zeiten sei aufgefallen, wie wichtig die Kinder-Betreuung ist, die in Schwalbach schon einen hohen Stellenwert hat, und bei der oftmals jetzt die Mütter einspringen mussten. "Die Planbarkeit der Betreuung" möchte Immisch deshalb im Rahmen der Corona-Verordnungen vorrangig so schnell wie möglich wieder herstellen.

Töchter spielen Klavier beim Festakt

Auf seiner Agenda stehen natürlich auch die Fortsetzung von Projekten, wie der Bau des neuen Feuerwehr-Stützpunktes, die Umgestaltung des Unteren Marktplatzes und die Fertigstellung des Stadions. Immisch sagt, dass es sein "Traum" war, in Schwalbach Bürgermeister zu werden. Dort ist er aufgewachsen, dort lebt er mit seiner Familie. Berührend war auch, dass seine Töchter beim Festakt live Klavier spielten, weil auswärtige Künstler wegen Corona nicht engagiert werden konnten.

Viele Geschenke gab es: Weil Immisch auch ein modernes Stadtbussystem einrichten will, war das originellste Geschenk ein kleiner Bus von den Grünen - als Mahnung, das auch umzusetzen. Gefühlt hat Schwalbach nun mehr als eine Woche lang jetzt zwei Bürgermeister: Bis zum 6. Juni ist Augsburger noch am Ruder, erst dann übernimmt Immisch die Geschäfte. Kristiane Huber

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